Quer-Moderator im tz-Interview

Christoph Süß erklärt den Weltuntergang

+
Christoph Süß geht vor dem angeblich anstehenden Weltuntergang eine Zigarette rauchen

München - BR-Moderator Christoph Süß, bekannt aus der Satiresendung "Quer", hat gerade das Buch "Morgen letzter Tag" geschrieben. Das tz-Interview zum angeblich anstehenden Weltuntergang.

Wir finden den 20.12.2012 eigentlich schicker für den Untergang der Welt. Sieht einfach besser aus als der 21.12.2012, wo’s laut Maya-Kalender zappenduster wird. Wir fragten einen, der es wissen muss: Christoph Süß (46), Kabarettist und BR-Moderator (quer). Er hat gerade das Buch "Morgen letzter Tag" geschrieben. Und los zum vielleicht letzten tz-Interview!

Herr Süß, geht die Welt noch vor Heiligabend unter?

Christoph Süß: Die Welt kann gar nicht untergehen, weil sie nicht schwimmt.

Woher kommt das eigentlich, dass das Ende der Welt schon tausendfach ausgerufen wurde?

Süß: Das ist eine Wunschfantasie. Der Weltuntergang ist in fast allen Religionen positiv besetzt – im Christentum definitiv. Die Guten werden belohnt, die Schlechten bestraft. Im frühen Christentum gab’s eine permanente Verliebtheit in Jesus. So nach dem Motto: Der Geliebte ist nicht da, er kann grad nicht. Also muss ich zu ihm.

Sie sagten: in fast allen Religionen?

Süß: Im germanischen Glauben ist das anders. Da gewinnt der Böse den Endkampf gegen den Guten. Super, oder? Ich finde das hinreißend nihilistisch. Allerdings gibt’s auch hier die Utopie eines Neuanfangs. Aber im Prinzip kann sich der Mensch das Ende gar nicht vorstellen.

Warum?

Süß: Weil er Anfang und Ende nicht denken kann. Er weiß nicht, was vor seiner Geburt ist und nicht, wie es nach dem Tod weitergeht.

Ist das ein Grund dafür, warum viele gläubig sind?

Süß: Das hängt wohl eher damit zusammen, dass man sich in der Welt definieren will. Und aus Schiss vorm Tod.

Sind Sie gläubig?

Süß: Ich habe das mal früher versucht, aber es klappte nicht. Ich glaube, dass es die Welt gibt. Aber wissen kann ich nicht mal das, weil es sein könnte, dass mich meine Daten der Sinnenswahrnehmung täuschen. Dass ihr beiden (der Fotograf und der Redakteur, d. Red.) totale Fiktion meiner Selbst seid. Aber das glaub ich nicht (grinst).

(Rauchpause vorm Restaurant.) Seit wann rauchen Sie?

Süß: Seit ich 15 oder 16 Jahre alt bin. Stellen Sie sich vor, wie sich alle ärgern, die aufgehört haben – und am 21. geht die Welt unter! Oder all die armen Säue, die sich mit einer Diät abmühen für nix und wieder nix. Ich treib allerdings jetzt auch schon Sport. Man wird halt immer blöder.

Vielleicht haben Sie auch nur Angst vor dem Tod?

Süß: Im konkreten Fall schon, aber das bestimmt nicht mein Leben. Ich denke nicht an ihn. Und der Tod ist auch wichtig und richtig, weil ansonsten das Leben total sinnlos ist.

Warum?

Süß: Weil Sinn dadurch entsteht, dass Dinge aufhören. Nehmen Sie Gefühle: Die beziehen sich auf Endlichkeit. Wenn Götter ewig sind, haben sie keine Gefühle.

Warum haben Sie eigentlich Ihren Magister in Philosophie nicht abgeschlossen?

Süß: Weil ich mich vor dem kleinen Büchlein gedrückt habe, das man ­schreiben muss und nur der Professor liest – die Magisterarbeit.

Mittlerweile bereu ich es.

Als Kabarettist haben Sie das Bücherschreiben gründlich nachgeholt …

Süß: Aber dafür würde ich vom Professor höchstens eine Watschn bekommen.

Apropos: Wann empfängt die Welt denn nun ihre finale Watschn?

Süß: Weiß ich nicht. Was ich weiß, ist: Wir stehen vor einem Zivilisations-Untergang, wie wir ihn noch nie erlebt haben. Dagegen werden die zwei Weltkriege wie Kindergeburtstage wirken. Im 21. Jahrhundert werden Milliarden sterben. Der Klimawandel, die Ressourcenknappheit. Alle Forscher sind sich einig, dass wir schleunigst handeln müssen – aber das Problem scheint zu groß zu sein, um gegenzusteuern. Wenn sich die Erde bis 2030 um zwei Grad erwärmt, dann sind alle Inseln weg, dann ist London weg. Doch die Ölfirmen pumpen weiterhin ihre Abgase in die Atmosphäre. Das Ende der Welt kommt schneller als das Ende des Kapitalismus. Man muss durch die Welt schreiten mit einem melancholischen Blick des Abschieds. Servus Dusche, Zentralheizung, Symphonieorchester, iPhone …

Der Mensch als Killer?

Süß: Der Mensch als Vampir. Da gibt es viele Pa­rallelen: Wir werden immer älter, wollen aber ewig jung sein – Facelifting et cetera. Wir haben keine Kinder mehr. Wir sind scheißreich, ohne zu arbeiten. Und jetzt …

Jetzt?

Süß: … gehen wir noch mal eine rauchen.

Interview: Matthias Bieber

Christoph Süß’ Buch Morgen letzter Tag! Ich und Du und der Welt­untergang ist bei Knaus erschienen (224 S., 19,99 Euro).

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Drama-Queen Elena Miras zieht ins Dschungelcamp 2020: Ausraster vorprogrammiert?
Drama-Queen Elena Miras zieht ins Dschungelcamp 2020: Ausraster vorprogrammiert?
Tim Mälzer: Eklat bei „Ready to Beef“ - TV-Koch mit gemeinem Spruch gegenüber Zuschauerin
Tim Mälzer: Eklat bei „Ready to Beef“ - TV-Koch mit gemeinem Spruch gegenüber Zuschauerin
„Sesamstraße“-Schauspieler ist tot - er verkörperte beliebte Figuren
„Sesamstraße“-Schauspieler ist tot - er verkörperte beliebte Figuren
Wann läuft „Liebe braucht keine Ferien“ 2019 im TV? Infos zu Sendetermine und Stream-Anbieter
Wann läuft „Liebe braucht keine Ferien“ 2019 im TV? Infos zu Sendetermine und Stream-Anbieter

Kommentare