ARD-Programmbeirat kritisiert Talker

Riesen-Watschn für Jauch und Plasberg

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Günther Jauch selbst zieht eine positive Bilanz seiner ersten ARD-Saison. Rechts: Lässt sein Biss nach? Frank Plasberg muss sich Kritik anhören

Berlin - Es rumort in der ARD. Die interne Kritik an den fünf Talkshows im Ersten nimmt zu. Jetzt hat sich der ARD-Programmbeirat die Sendungen vorgenommen und in einem Papier, das dem "Spiegel" vorliegt, scharf kritisiert.

Das Gremium fordert die Redaktionen bei der Auswahl der Gäste auf, „aktiv nach neuen Gesichtern zu suchen, nach Querdenkern und zum Beispiel Gästen unter 40 Jahren“. Aber die Kritik wurde auch persönlich. Die heftigste Watschn gibt es für Günther Jauch.

Der 55-Jährige hake in seinen Gesprächsrunden selten nach, setze sich teilweise über die Antworten seiner Gäste hinweg und vertrete zu oft „eine klar erkennbare eigene Meinung“. Jauch polarisiere unnötig, schüre „mit seinen Suggestivfragen teilweise Politikverdrossenheit“ und komme damit der „Verpflichtung zur journalistischen Sorgfalt nicht nach“. Die Sendung Günther Jauch sei „eher eine Show als ein politischer Talk“.

Von Günther Jauch selbst war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Reaktion zu bekommen, seine Sendung ist ja bereits in der Sommerpause. Schon vor einigen Tagen aber schickte seine Sprecherin eine Mitteilung an die Presse, die aus heutiger Sicht wie eine vorweggenommene Antwort auf die Beiratskritik erscheint. „Seit der Premiere sahen durchschnittlich 4,7 Millionen Zuschauer die Sendung“, heißt es da. „Nach 35 regulären Ausgaben und einer Sondersendung ziehen Moderator und Redaktion eine positive Bilanz.“

Neben Jauch bekommt auch Frank Plasberg vom Beirat sein Fett weg. Er sei zwar nach wie vor „sehr gut“, aber, so heißt es in dem Papier: „Man wünscht sich den hart aber fair nachfragenden Herrn Plasberg zurück. Bei härteren politischen Themen könnte der Moderator seine Kompetenzen besser ausspielen.“ Plasberg, der heute Abend (21 Uhr) wieder über Griechenland diskutiert, lässt die Kritik eher kalt. „Ich stimme dem ARD-Programmbeirat in einem Punkt besonders gerne zu“, so Plasberg gestern zur tz. „Hart aber fair ist nach wie vor sehr gut.“

Auch Monika Piel verteidigt ihre Talkmeister. „Ich persönlich teile die pauschale Kritik des Programmbeirats nicht“, sagte die ARD-Vorsitzende. „Die Intendantinnen und Intendanten werden sich damit auseinandersetzen.“ Ende des Jahres werde ohnehin über das Thema beraten.

Bei der ganzen Schelte soll nicht verschwiegen werden, dass der Beirat bei seiner Recherche auch Positives entdeckt hat. Die Sendung von Reinhold Beckmann brauche zwar noch „ein klares Profil“, sei aber „brillant“.

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Das sind die beliebtesten Showmaster

Florian Silbereisen wurde auf den 10. Platz gewählt. © dpa/ARD
Peter Frankenfeld belegt Platz 9. © dpa/ARD
Frank Elstner wählten die Zuschauer auf Platz 8. © dpa/ARD
Dieter-Thomas Heck erreichte den 7. Platz. © dpa/ARD
Talkmaster Rudi Carrell landete auf Platz 6. © dpa/ARD
Hans-Joachim Kulenkampff (re.) ist auf dem 5. Platz. © dpa/ARD
Moderator Hape Kerkeling konnte den 4. Platz für sich entscheiden. © dpa/ARD
Peter Alexander belegt den dritten Platz. © dpa
Günther Jauch ist der zweitbeliebteste Showmaster. © dpa/ARD
Thomas Gottschalk machte das Rennen und landete auf Platz 1. © dpa/ARD

Was ist der ARD-Programmbeirat?

Was sind die Aufgaben des Beirats?

Seit mehr als 50 Jahren berät der ARD-Programmbeirat den Programmdirektor (aktuell Volker Herres) und die Fernsehprogrammkonferenz (also die Intendantinnen und Intendanten der einzelnen Anstalten wie BR, NDR oder WDR). Er gibt Anregungen und Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Programms.

Wer sitzt im Beirat?

Der Rundfunkrat einer jeden Landesrundfunkanstalt entsendet je ein Mitglied und einen Stellvertreter in den Beirat. Die Mitglieder sind Angehörige unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen wie Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Jugendorganisationen und Parteien. Dem aktuellen ARD-Programmbeirat gehören an: Jürgen Schrön, Geesken Wörmann, Dr. Paul Siebertz, Petra Zellhuber-Vogel, Karin Jöns, Walter Spieß, Dieter Pienkny, Christa Lillig und Stefan Gebhardt (auf dem Bild von links).

Quelle: tz

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