Interview mit Schauspieler Christian Kohlund

"Gutmenschen sind gar nicht so schlimm"

+
Will mit seiner Vergangenheit aufräumen: Thomas Borchert.

München - Nach dem Aus der ARD-Serie "Traumhotel" startet Christian Kohlund in seiner neuen Rolle durch. Vor dem Start des Zweiteilers spricht er über Existenzängste und das Leben.

Er ist wohl jedem ein Begriff. Christian Kohlund (65) überzeugte in diversen TV-Rollen und feierte besonders als Martin Winter in "Das Traumhotel" große (Quoten-)Erfolge. Als die ARD die Serie 2014 absetzte, widmete er sich neuen Aufgaben. Am Donnerstag um 20.15 Uhr ist er in einer neuen Produktion zu sehen. Die ARD strahlt den ersten Teil des Zürich Krimis aus. In Borcherts Fall spielt Kohlund den raubeinigen und ein wenig einsamen Anwalt Thomas Borchert, der mit seiner teilweise unrühmlichen Vergangenheit aufräumen will und zum idealistischen Ermittler wird. Die zweite Folge Borcherts Abrechnung folgt dann am kommenden Donnerstag (5.5.), unter der Regie des kürzlich verstorbenen Carlo Rola.

Herr Kohlund, nach dem Ende des "Traumhotels" 2014 sind Sie nun in einer neuen großen Rolle zu sehen. Was bedeutet Ihnen das neue ARD-Engagement im Zweiteiler "Borcherts Fall"?

Kohlund: Als die ARD das "Traumhotel" auslaufen ließ, hat man mir schnell mitgeteilt, dass es da ein neues Projekt gibt, das man sich für mich vorstellen könnte. Und mir hat die Rolle des Thomas Borchert sofort gefallen! Ich bin sehr dankbar, dass ich mitwirken durfte.

Waren Sie auch ein wenig erleichtert, dass es für Sie trotz des "Traumhotel"-Aus in der ARD weitergeht?

Kohlund: Natürlich freut es mich! Es ist jetzt nicht so, dass ich nach dem Ende des "Traumhotels" Existenzängste hatte, aber das Leben als Schauspieler ist eben ein Auf und Ab. Das war es schon immer. Ich liebe diesen Beruf, habe ihn aber auch oft genug verflucht. Was mir aber immer wichtig war, ist: Ich habe während meines gesamten Berufslebens versucht, meine Karriere auf verschiedenen Säulen aufzubauen. Ich bin nicht nur TV-Schauspieler, sondern liebe die Arbeit am Theater gleichermaßen. Auch in dieser Hinsicht bin ich derzeit aktiv. Ich werde jedenfalls weitermachen, bis es nicht mehr geht. Zum Aufhören ist der Beruf zu schön. Und er hält einen jung.

Was hat Sie am Charakter Borchert so fasziniert?

Kohlund: Die Rolle ist eine tolle Herausforderung. Ganz einfach, weil es sich nicht um einen Standard-Krimi mit einem aalglatten Anwalt in der Hauptrolle handelt. Im Gegenteil: Borchert ist ein Mensch mit vielen Facetten. Er musste zahlreiche Schicksalsschläge verkraften, hat sich korrumpieren lassen. Als er älter wird, will er mit der Vergangenheit aufräumen, er will sich selbst wieder im Spiegel anschauen können. Und deshalb steht er für alle seine Fehler ein. Für mich ist Borchert eine sehr spannende Figur. Ich mag seine Melancholie, seine Einsamkeit.

Bringt eine solche - ernsthafte - Rolle mehr Spaß als die Arbeit an Formaten wie dem "Traumhotel"?

Kohlund (2. v. l.) mit dem "Traumhotel"-Team.

Kohlund: Es ist toll, wenn man bei Dingen dabei ist, die nachhaltig und ernsthaft sind. Ich habe die Unterhaltung aber nie verachtet. Mit Formaten wie dem Traumhotel hat man natürlich ein breiteres Publikum und es war eine tolle Zeit, die mir persönlich viel gebracht. Wir haben immer versucht, eine gute Arbeit zu machen. Aber in Figuren wie Borchert steckt mehr Christian drin.

Borchert ist eigentlich ein rechtsliebender Mensch. Trotzdem ließ er sich in seiner Vergangenheit zu illegalen Machenschaften verleiten. Können Sie persönlich das nachvollziehen?

Kohlund: In gewisser Weise schon. Selbst in meiner näheren Umgebung konnte ich das beobachten. Viele meiner ehemaligen Klassenkameraden sind in die Wirtschaft gegangen. Und wenn man sich heute die Wirtschaftswelt genauer ansieht, stellt man fest: Es gibt so viele Grauzonen. Viele reden sich eigentliche kriminelle Machenschaften legal. Ich kann also durchaus nachvollziehen, dass die Grenzen für einen da verschwimmen können. Und so ist es eben auch bei Borchert. Er gerät in etwas hinein, ist eben nicht der reine Gutmensch. Wobei eines muss ich gestehen…

Nämlich?

Kohlund: So viele sagen: 'Höre mir auf mit der Gutmensch-Scheiße.' Jemand, der sich für andere einsetzt, sozial engagiert, wird schnell als Gutmensch abgestempelt. Das ist schade. Ich finde Gutmenschen gar nicht so schlimm (lacht). Es sollte mehr von ihnen geben!

Für Sie begann vor zwei Jahren privat ein neuer Abschnitt. Sie sind von München in den Schwarzwald gezogen.

Kohlund: Stimmt. Meine Kinder sind ausgezogen. Meine Frau und ich hatten immer den Wunsch, dann aus der Stadt in den Schwarzwald zu ziehen. Und das haben wir getan. Wir haben es dort so wahnsinnig schön! Meine Hunde sind glücklich und meine Schildkröte Kassiopaia ebenso. Aber wir sind nach wie vor viel in der Stadt. Dank meines Jobs darf ich viel reisen. Insofern ist das Leben im Schwarzwald ein schöner Ausgleich. Aber ich kann Ihnen sagen: Ich werde weiterhin reisen! Bis ich umfalle.

Interview: Lena Meyer

"Der Zürich Krimi: Borcherts Fall"

Donnerstag (28. April), 20.15 Uhr, ARD.

Quelle: tz

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Schlimme Nachricht von Bachelorette Gerda: Fans sind schockiert - „Schon während des Urlaubs beschlossen, ...“
Schlimme Nachricht von Bachelorette Gerda: Fans sind schockiert - „Schon während des Urlaubs beschlossen, ...“
Bachelor in Paradise 2019: Sendetermine stehen jetzt fest - RTL bricht mit Tradition
Bachelor in Paradise 2019: Sendetermine stehen jetzt fest - RTL bricht mit Tradition
ARD-Kultserie nach 34 Jahren abgesetzt: Fans sind derart empört, dass sie sogar auf die Straße gehen
ARD-Kultserie nach 34 Jahren abgesetzt: Fans sind derart empört, dass sie sogar auf die Straße gehen
„Bauer sucht Frau“: Flirt-Desaster der Landwirte - Enorme Patzer beim Scheunenfest
„Bauer sucht Frau“: Flirt-Desaster der Landwirte - Enorme Patzer beim Scheunenfest

Kommentare