Sechs Discounter-Klischees und was wirklich dran ist

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Nicht alle Klischees zu Lidl, Aldi & Co. sind wahr

München - Die ARD-Doku über Lidl war ein Quotenschlager. Die tz sprach mit der Autorin des "Lidl-Check" über die teils überraschenden Ergebnisse.

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Superbillig? Die ARD machte den "Lidl-Check"

"Lidl lohnt sich“ wirbt die Lebensmittelkette. 6,31 Millionen Zuschauer sahen am Montag, wie in der ARD-Doku diese Behauptung beim großen „Lidl-Check“ unter die Lupe genommen wurde. Doch was ist wirklich dran, am oft gepriesenen Preisvorteil der Discounter? Und wie sieht es dabei mit der Qualität aus? Sechs gängige Klischees und was wirklich dahintersteckt!

Discounter sind billiger als Supermärkte!

Stimmt nicht. Das ARD-Team kaufte bei drei Discountern (Aldi, Lidl, Netto) und zwei Supermärkten (Rewe, Edeka) je 35 identische Produkte des Alltags – zwölf davon Eigenmarken, 23 Markenprodukte. Der maximale preisliche Unterschied zwischen dem billigsten Einkauf und dem teuersten lag bei 1,70 Euro. Bei den reinen Eigenmarken gab es auf den Cent genau gar keine Unterschiede. Autorin Shafagh Laghai: „Das Ergebnis hat auch uns überrascht.“

Fazit: Der Preisvorteil der Discounter gegenüber den Supermärkten wird überschätzt. Woran liegt das? Während zum Beispiel Aldi kaum Markenprodukte im Angebot hat, übertreffen die Warenangebote der Supermärkte in ihrer Breite bei Weitem die der Discounter. Dadurch greift der Kunde beispielsweise im Rewe dann vielleicht doch eher zum teureren Produkt.

Discounter sind nicht frisch!

Stimmt nicht. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Dass die Qualität stimmt, davon ist auch Discount-Experte Professor Thomas Roeb von der Uni Bonn-Rhein-Sieg überzeugt. „Ich gehe selbst auch zum Discounter“, so Roeb zur tz, „so wie 90 Prozent aller Deutschen.“

Obst und Gemüse im Discounter sind mit Pestiziden versetzt!

Der Test des ARD-Teams erbrachte anderes. Stichproben bei Weintrauben, Paprika und Tomaten im Lidl waren unauffällig. 2005 hatte es für Lidl noch Kritik gehagelt, als Greenpeace mit Plakaten vor Lidl-Filialen auf das pestizidverseuchte Obst und Gemüse hinweis. Laghai: „Wenn es Negativschlagzeilen gibt, reagiert und investiert Lidl sofort, um einem schlechten Image entgegen zu wirken. Der Discounter hat jetzt ein Zentrallager, in das wir aber nicht hinein durften, mit optimalen Bedingungen zur Lagerung von Obst und Gemüse. Von dort aus wird die Ware zentral verteilt, um sicherzustellen, dass in allen Filialen die gleiche Frische ankommt.“

Grundnahrungsmittel vom Discounter im "Öko-Test"

Milfina Joghurt 3,5 % Fett erhält das Testurteil "sehr gut". Kritikpunkt waren dennoch niedrige Omega-3-Fettsäuren. Das bedeutet, dass die Kühe selten Gras und meistens Kraftfutter bekommen haben. Doch mit diesem Mangel haben auch die Produkte der Discounter Aldi Süd und Nord, Penny, Lidl, Netto und Norma zu kämpfen. Sie enthalten zusätzlich noch Weichmacher in der Verpackung. © Öko-Test
Pennys Lindenhof Gouda schneidet im Test auch "sehr gut" ab - trotz niedriger Omega-3-Fettäurewerten. Doch auch alle gestesten Gouda anderer Discounter weisen diesen Mangel auf. © Öko-Test
Das Mineralwasser "Saskia" (Medium) von Lidl schafft nur die Marke "befriedigend". Sein Mangel laut "Öko-Test": PET-Einweg. Damit befindet sich das Wasser, das ebenso wie alle anderen von seinen Inhaltsstoffen einwandfrei ist, in guter Gesellschaft mit den Marken der genannten Discounter. © Öko-Test
Jodsalz von Norma ist "sehr gut" und ohne Mangel. Ebenso wie alle anderen getesteten Billigprodukte von Penny, Lidl, Aldi Nord und Süd und Netto. © Öko-Test
Beim Sonnenblumenöl droht allseits Ungemach: Das Premium Sonnenblumenöl von Netto wurde mit der Auszeichnung "ausreichend" versehen, weil die Ölqualität zu gering ist und der Wert der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) vergleichsweise hoch. PAKs können krebserregend und erbgutschädigend sein. Allerdings lagen die Messwerte hier immer noch deutlich unter den zugelassenen Höchstmengen. © Öko-Test
Auch bei den anderen Sonnenblumenölen war die Ölqualität nicht immer gut und Inhalststoffe und Kennzeichnung nicht immer zufriedenstellend. Norma beispielsweise zeichnet sein Öl mit dem Vermerk "cholesterinfrei" aus. © Öko-Test
Die Spaghetti im Test waren alle "sehr gut" und wiesen wie Lidls Combino Spaghetti keinerlei Mängel auf. © Öko-Test
Der Spinat jedoch hat seinen Ruf nicht umsonst, er schwächelt bei den Inhaltsstoffen. Der Vorwurf: Nitrat und Cadmium liegen über 50 Prozent der täglich empfohlenen Dosis. Deshalb erhält das Gartenkrone-Produkt von Aldi Süd auch nur das Zertifikat "ausreichend". Auch bei Norma, Penny, Aldi Nord und Netto liegt das Cadmium im Spinat darüber, bei Lidl ist es der Nitrat-Wert. © Öko-Test
Das Puda-Weizenmehl von Penny erhält nur die Auszeichnung "befriedigend", weil es erhöhte Schimmelpilzgifte enthält. Auch in Aldi Nords Goldähren-Weizenmehl stecken zu viele davon, deshalb ist es auch nur "befriedigend". Alle anderen Discount-Mehle erringen das Urteil "sehr gut". © Öko-Test
Die passierten Tomaten von Aldi Süd schneiden "sehr gut" ab. Ebenso die Tomaten aller anderen Discounter. Nichts daran auszusetzen. © Öko-Test
Der Bellarom Gold Kaffee von Lidl teilt sich die Auszeichnung "sehr gut" mit den Eigenmarken von Penny, Norma, Netto sowie Aldi Nord und Süd. Eine glatte 1 für alle. © Öko-Test

Eigenmarken schmecken nicht!

Ein Blindtest, in dem Kunden verschiedene Marken Erdbeer-Konfitüre und Orangensaft testeten, ergab: „Sie schmeckten alle gleich mittelmäßig“, lacht Laghai. Die Erklärung: Alle Hersteller versuchen, den Marktführer des Segments zu imitieren – beim Saft Hohes C, bei den Konfitüren Schwartau.

Discounter sind schnell!

Stimmt. Im Markencheck stach hier Aldi Süd heraus. In Sachen Freundlichkeit und Übersichtlichkeit lieferten sich Aldi und Lidl ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Übrigens: Bei Lidl stehen im Unterschied zu Supermärkten die Eigenprodukte immer auf Augenhöhe, die teureren Markenprodukte unten. „Dadurch will Lidl seine eigenen Marken und damit das Image stärken“, erklärt Laghai die Philosophie dahinter. „,Hier ist es günstig!‘ Das ist die zentrale Botschaft von Lidl.“

Discounter behandeln ihre Angestellten nicht gut!

„Die Arbeit etwa bei Aldi ist anstrengend“, weiß Experte Thomas Roeb (auch aus eigener Erfahrung), auf der anderen Seite bezahle Aldi aber auch „deutlich über Tarif“. Nach entsprechenden Schlagzeilen gibt es laut Recherchen der ARD bei den meisten Discountern Betriebsräte und feste Arbeitszeiten, Überstunden werden abgegolten. Schwarze Schafe schließt das freilich nicht aus. Ein weiteres heikles Thema: So mancher Discounter lässt manche Waren wie Klamotten in Bangladesch fertigen. Dass dort unter fragwürdigen Umständen gearbeitet und entlohnt wird, ist ein offenes Geheimnis.

K. Basaran

Welchen Lebensmittel-Ketten die Verbraucher vertrauen

Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
In den vergangenen Monaten kamen einige Lebensmittel-Ketten unter anderem wegen Preisabsprachen und bespitzeltem Personal ins Gerede. Das Institut für Handelsforschung in Köln wollte deshalb wissen: Wie hoch ist das Vertrauen der Verbraucher in die Unternehmen des Lebensmittel-Einzelhandels. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
Alle lieben Aldi: Mit 72 Prozent genießt der Discounter das höchste Vertrauen der Verbraucher. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
Edeka liegt mit 66 Prozent Zustimmung auf Platz 2. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
3. Platz: 62 Prozent der Verbraucher vertrauen REWE. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
Dem Discounter Lidl schenken 59 Prozent ihr Vertrauen. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
Über die Hälfte der Verbraucher (56 Prozent) vertrauen Kaufland. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
Real genießt das Vertrauen von 52 Prozent der Verbraucher. © dpa
Studie Verbraucher Vertrauen in Einzelhandel
Etwas weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gaben Netto ihre Zustimmung. © dpa
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Plus genießt das Vertrauen von 44 Prozent der Verbraucher. © dpa
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42 Prozent  vertrauen Penny. © dpa
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Quelle: tz

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