Schauspielerin wird 75

Senta Berger: "An meinem Geburtstag werde ich drehen"

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Senta Berger in ihrer Rolle als Dr. Eva Maria Prohacek. Hinten sitzt Martin Brambach als Dr. Rainer Koller.

München - Senta Berger, die Wahlmünchnerin, wird 75. Im großen Interview mit der tz über ihre Rolle in der ZDF-Serie "Unter Verdacht", die sie nun schon seit 14 Jahren spielt.

Seit 14 Jahren deckt Senta Berger als Dr. Eva-Maria Prohacek Verbrechen auf – in der ZDF-Reihe Unter Verdacht. Warum der Schauspielerin die Rolle der internen Ermittlerin ans Herz gewachsen ist, warum sie sie trotzdem an den Nagel hängt und welche Gedanken die Wahlmünchnerin anlässlich ihres 75. Geburtstags am 13. Mai umtreiben, erzählt Berger, die an diesem Samstag wieder ermittelt, im großen Interview mit der tz.

Frau Berger, hätten Sie sich vorstellen können, dass in deutschen Amtsstuben so viel Unrecht herrscht, dass eine Reihe 14 Jahre lang darüber Geschichten erzählen kann?

Senta Berger: Na ja, es liegt nicht nur an den vielen Missständen, die wir aufgreifen, dass es uns schon so lange gibt. Es liegt schon auch daran, wie diese Reihe Unter Verdacht gemacht ist. Das ist ein besonderes Format, und es ist im Lauf der Zeit immer mehr ein besonderes Format geworden.

Mit vielen guten Geschichten und Filmen.

Berger: Da haben Sie natürlich recht (lacht). Ich fand es von Anfang an hochinteressant, dass die Eva Prohacek nicht nur ein sehr guter und sehr gerechter Mensch ist. Diese Frau kann in ihrem unbedingten Gerechtigkeitssinn auch furchtbar ungerecht sein. Dieser Konflikt war uns immer wichtig. Und ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, diese Figur zu spielen. Ja, das war sie für mich: eine richtige Chance.

Wie meinen Sie das? Beweisen mussten Sie sich doch auch vor zehn Jahren schon nicht mehr …

Berger: Beweisen vielleicht nicht. Andererseits: Ich weiß nicht, wie es mir in diesem Beruf ergangen wäre, wenn ich die Prohacek nicht gespielt hätte. Ich habe hier die Möglichkeit bekommen, zu zeigen, was ich als Schauspielerin zeigen wollte. Daraufhin kamen dann Angebote, die ohne Unter Verdacht vielleicht nicht gekommen wären. Vieles hatte ganz bestimmt ­etwas mit der Ernsthaftigkeit zu tun, mit der ich die Prohacek annehme.

Gibt es Seiten an der Eva ­Prohacek, die der Zuschauer noch nicht kennt und die Sie ihm noch zeigen möchten?

Berger: Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dass wir eine Entwicklung oder so etwas von ihr zeigen sollten. Es kostet schon Mühe genug, die Prohacek durch all die Jahre zu behaupten. Ganz am Anfang der Reihe haben wir ein bisschen experimentiert, wie alle das machen. Hat sie vielleicht einen Mann? Ist sie geschieden? Hat sie einen Liebhaber? Aber wir sind zu dem Schluss gekommen: Das ist nicht das Format für diese Geschichten. Die Prohacek ist, wie sie ist. Und ich wünsche mir nicht, sie einmal in einem Kleid zu sehen oder so etwas in der Art. Das müsste dann ja auch irgendwo hinführen, auf eine Wiese mit Löwenzahn … Und dann läuft ihr lachend ein Mann entgegegen … Nein, das wäre sie nicht.

Nun wird die Reihe demnächst auslaufen. So haben Sie es mit dem ZDF vereinbart.

Berger: Ja, wir drehen in diesem Jahr noch zwei Folgen, und das ZDF hat gemeint, wir sollten im nächsten Jahr noch eine Abschlussfolge drehen. Das wird mir furchtbar schwerfallen. Denn ich kann nicht gut Abschied nehmen, ich bin eine richtige Heulsuse. Die Frage wird sein: Wie spektakulär gestaltet sich der Abschied? Wird sie versetzt? Wird sie erschossen? Zieht sie sich zurück? Wir wissen es noch nicht. Noch haben wir ja ein bisschen Zeit zum Überlegen.

Dreharbeiten können Knochenarbeit sein. Mit Nachtdrehs, 16-Stunden-Tagen und so weiter. Sie werden heuer 75. Merken Sie, dass Sie schneller an Ihre Grenzen kommen als vor zehn, 20 Jahren?

Berger: Ja, das merke ich. Es ist nicht lustig, nachts auf der Autobahn zu stehen, wenn es regnet. Das ist es schon mit 40 nicht, aber mit 70 …?! Das Gute aber ist, dass ich während Dreharbeiten zu Hause total entlastet bin. Mein Mann kennt den Beruf und hat, ja, Verständnis. Es ist nicht so, dass er ein großer Hausmann wäre (lacht), aber ich kann nach Dreharbeiten nach Hause kommen und mich gut erholen. Das macht es leichter für mich, angenehmer.

Wissen Sie schon, was Sie an Ihrem Geburtstag, dem 13. Mai, machen werden?

Berger: Wahrscheinlich drehen. Aber das finde ich nicht schlimm. Ich habe schon öfters an meinem Geburtstag gedreht. Am 70. – und das kommt mir vor, als wäre es eben erst gewesen – war ich in Berlin und habe Zettl gedreht. Helmut Dietl hat mir 70 langstielige Rosen in die Arme gedrückt, die ich gar nicht halten konnte, so ein Strauß war das. Den haben wir dann an ­alle, die mitgespielt haben, verteilt.

Wer wird Ihnen nun, zum 75., am Set Rosen überreichen? Mit wem drehen Sie?

Berger: Schauen wir mal, aber meine Familie wird das schon machen (lacht). Drehen werde ich ab Mai einen Kinofilm mit meinem Sohn Simon Verhoeven, Willkommen bei den Hartmanns. Da spiele ich die Mutter einer Familie, die einen Flüchtling in ihr Haus aufnimmt. Das wird eine Tragikomödie. Wird nicht einfach, aber wir freuen uns alle sehr auf die Arbeit.

Bereitet Ihnen die 75 auch ein bisschen Bauchgrummeln?

Berger: Ich habe Schwierigkeiten damit, das Leben so einzuteilen, ja. Aber ich füge mich der Tradition. Eigentlich denke ich an meinem Geburtstag immer vor allem an meine Mutter. Wie sie mich mühsam, unter furchtbaren Schmerzen morgens am 13. Mai zur Welt gebracht hat. Daran denke ich. Und das erzähle ich auch jedes Jahr wieder. Meine Kinder und mein Mann sagen dann immer: Ja, wir wissen … Ja, wir kennen die Geschichte … Aber mir ist das egal. Ich will es immer wieder erzählen. Und ich will, dass sie zuhören (lacht).

Haben Sie Wünsche?

Berger: Ich wünsche mir gutes Wetter. Und ich denke, das steht mir zu. Gutes Wetter wäre schön, ja.

Quelle: tz

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