Boris Aljinovic im tz-Interview

Starkes Solo im letzten Berliner "Tatort"

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Mörderjagd mit dem SEK: Hauptkommissar Felix Stark (Boris Aljinovic) in seinem – vorerst? – letzten "Tatort".

München - Vor 13 Jahren löste er seinen ersten Fall als Berliner Tatort-Kommissar Felix Stark, am Sonntag verabschiedet sich Boris ­Aljinovic aus der ARD-Krimireihe. Im tz-Interview spricht er über seinen letzten Tatort.

Schade, muss man sagen – erst recht, wenn man den finalen Film mit dem Titel Vielleicht gesehen hat. Denn der ist nichts weniger als ein sehr überzeugendes Solo des 47-Jährigen (Kollege Dominic Raacke hatte seinen Dienst ja schon nach der vergangenen Folge quittiert).

„Tatort: Vielleicht“,

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Die Geschichte, die an diesem Sonntag erzählt wird, ist speziell: Eine junge Norwegerin ­(Lise Risom Olsen) kommt aufs Präsidium. Sie träumt immer und immer wieder denselben Traum: Die Studentin Lisa wird von einem Mann in ihrer Wohnung getötet. Stark und seine Kollegen nehmen die Aussage auf, legen ein Aktenzeichen an, das war’s. Als einige Wochen später genau dieser Mord geschieht, nimmt der bis zur letzten Minute spannende Film Fahrt auf...

Herr Aljinovic, haben Sie ein Faible fürs Übersinnliche oder brauchten Sie etwas länger, um sich auf die sehr besondere Geschichte Ihres letzten Falls einlassen zu können? 

Boris Aljinovic (lacht): Ich bin nicht abergläubisch oder so und wenn, dann allenfalls zur Unterhaltung. Was mich bei diesem Drehbuch aber wirklich begeistert hat: Ich habe gefühlte 20 Minuten gebraucht, um es in einem Zug durchzulesen. Das passiert nicht sehr oft. Unser Autor und Regisseur Klaus Krämer hat einen dramaturgisch sehr logischen Spannungsbogen aufgebaut, und ich bin einfach happy, dass er dieses Buch, meinen letzten Tatort, geschrieben hat.

Dass die Geschichte nicht sehr realistisch ist, stört Sie also gar nicht?

Aljinovic: Es ist ja nicht so, dass es solche Geschichten, solche Träume überhaupt nicht gäbe. Wir haben inzwischen einen sehr guten Kontakt zu den echten Kollegen der Berliner Polizei. Und die haben uns erklärt, dass es solche Menschen durchaus gibt, die zu ihnen kommen und von einem Mord geträumt haben. Aber natürlich ist unser Film Fiktion, ich bin gespannt auf die Reaktionen (lacht).

Lise Risom Olsen ist in jedem Fall eine Entdeckung. Sie spielt die Frau, die die Morde träumt, sehr überzeugend. 

Aljinovic: Das finde ich auch! Ich kannte sie vorher nicht, wusste aber, dass Klaus Krämer diese Geschichte genau für sie entwickelt hat. Ich war dann vor dem Dreh so neugierig, was das für eine Frau sein würde und hatte ehrlich gesagt auch ein bisschen Angst, dass sie ein mit tausend Tüchern ausgestattetes Teemütterchen ist. Dann hätte der Film nämlich nicht funktioniert. Als ich Lisa schließlich kennenlernte, habe ich gedacht: Toll. Sie ist perfekt.

Nach vielen Jahren als Duo war das nun Ihr erster „Tatort“ ohne Dominic Raacke alias Till Ritter. Was war das für ein Gefühl?

Aljinovic: Für mich ist Vielleicht ein Film, der komplett für sich steht. Ich spiele zwar immer noch die Rolle als Kommissar Felix Stark, aber eben unter ganz anderen Umständen und mit neuen jungen tollen Kollegen. Darüber habe ich mich so gefreut, dass für andere Gefühle gar nicht so viel Platz war. Ich wollte mich auch nicht ablenken lassen, sondern genießen.

Till Ritter wird mit keinem Wort erwähnt. 

Aljinovic: Ja. Da haben wir schon drüber diskutiert, aber am Ende waren wir der Meinung, dass es besser ist, sich voll auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, der Film ist nicht Ihr Abschied, sondern der Auftaktfilm eines neuen „Tatort“-Teams. Sie kommen gut als Chef einer jungen Berliner Mordkommission.

Aljinovic: Danke (lacht). Der Titel Vielleicht wurde vom Sender auch mit einem großen Schmunzeln angenommen.

Wie meinen Sie das? Gibt es ein Hintertürchen? 

Aljinovic: Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Aber selbst wenn es sich nicht öffnet, finde ich es schön für den Film, dass er von Ihnen als Auftaktfilm wahrgenommen wird. Das ist ein schönes Kompliment.

Haben Sie noch Kontakt zu Dominic Raacke?

Aljinovic: Ich hatte ihn zur Premiere von Vielleicht nach Berlin eingeladen, aber er hat abgewunken, was ich verstehen kann. Ansonsten würde ich sagen: Wir waren Kollegen.

Hadern Sie mit dem Entschluss des RBB, Sie als „Tatort“-Kommissare abzulösen? 

Aljinovic: Nein, gar nicht. Mir war immer bewusst, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. Veränderungen gehören dazu und ich bin sehr froh, dass alles so ist, wie es ist. Ich habe kürzlich erst Redakteure vom Sender getroffen, da besteht nach wie vor eine herzliche Verbundenheit. Da gibt es überhaupt keinen Groll.

Wie fällt Ihr Fazit nach 13 Jahren „Tatort“ und 31 Fällen aus?

Aljinovic: Das ist ganz schwer zu formulieren. Ich habe das Gefühl, ich bin angekommen. Ich bin froh und stolz und fühle mich beschenkt, dass ich das machen durfte. So. Und morgen ist Theater­probe.

Angst vor Langeweile haben Sie keine?

Aljinovic: Oh. Langeweile wäre mal etwas ganz Tolles. Aber ich glaube, bis ich mich das nächste Mal langweile, ist es 2017.

Was machen Sie als Nächstes?

Aljinovic: Neben meiner Arbeit am Theater kommen einige Hörbücher und Hörspiele dazu und sicher wird irgendwann auch wieder eine Kamera warten.

Was werden Sie vermissen, wenn Sie keinen „Tatort“ mehr drehen?

Aljinovic: Ich habe vor ein paar Tagen zu einer Kollegin von Ihnen gesagt: die Kohle. Das stand dann am nächsten Morgen in einer Zeitung und ich habe gedacht: War das jetzt blöd, das so zu sagen? Aber dann habe ich gedacht: Ne, das ist ja schon auch so. Tatort drehen bedeutet zwei Monate Arbeiten im Jahr in trockenen Tüchern. Das war nicht so schlecht (lacht).

Interview: Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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