tz-Interview über die lange Pause

Furtwänglers Tatort-Comeback: "Ich hatte eine Krise"

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Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, l.) im Einsatz mit Kollegin Bär (Bibiana Beglau).

München - Am Sonntag gibt Charlotte Lindholm ihr Comeback im Tatort. Im tz-Interview spricht sie über die lange Pause und den neuen Fall.

Zwei Jahre ist es her, dass der letzte Tatort mit Maria Furtwängler als LKA-Kommissarin Charlotte Lindholm lief (siehe unten). Am Sonntag feiert sie ihr kleines Comeback im Ersten. Titel der neuen Folge: Der sanfte Tod. Der Fleisch- und Wurstfabrikant Jan-Peter Landmann (gespielt von Heino Ferch) entgeht nur knapp einem Mordanschlag. Charlotte Lindholm nimmt die Ermittlungen auf, taucht in die Welt einer sehr besonderen Familie ein und lernt eine Menge über kriminelle Herstellungsmethoden in der Fleischindustrie. Die tz sprach mit Maria Furtwängler (48) über die neue Folge, ihre Tatort-Pause und die vielen neuen Kollegen in der Krimireihe.

Frau Furtwängler, essen Sie noch Fleisch oder ist Ihnen der Appetit nach den Dreharbeiten vergangen?

Maria Furtwängler: Die Frage überrascht mich etwas, denn wir zeigen ja in dem Film – und das war dem Autor und Regisseur Alexander Adolph und mir ganz wichtig – keine Bilder ekelerregender oder schrecklicher Tierhaltung. Darauf hat niemand Lust, schon gar nicht in der Vorweihnachtszeit. Unser Film belästigt niemanden mit aufdringlichen Bildern.

Aber es geht in dem Film auch darum, wie bei der Herstellung von billigen Fleischwaren getrickst wird. Lecker ist das nicht.

Furtwängler: Natürlich nicht. Ich habe mir als Vorbereitung auf die Dreharbeiten Videos zu dem Thema bei Youtube angeschaut – danach habe ich erst mal kein Fleisch mehr gegessen. Ich würde mir absolut wünschen, dass unser Tatort eine Diskussion über den Umgang mit Tieren und den Dauerfleischkonsum anregt.

Sind Sie jetzt unter die Vegetarier gegangen?

Furtwängler: Ich finde, man kann sich durchaus ganz gut vegetarisch ernähren. Aber, ganz ehrlich: Ich habe gemerkt, dass es mir nicht ganz so leicht fällt, auf Fleisch zu verzichten. Ich esse mittlerweile aber nur noch Fleisch, dessen Herkunft ich kenne. Diese Schinkenbrötchen oder Würstchen, die einem bei fast jeder Besprechung angeboten werden, rühre ich nicht mehr an.

Ein anderer Punkt, der in Ihrem „Tatort“ immer wieder anklingt, ist der Konflikt, den viele Mütter kennen: der Spagat zwischen Kind und Karriere.

Furtwängler: Es war tatsächlich meine Idee, dass Charlotte Lindholm einen Sohn bekommt. Ich wollte den Spagat einer modernen Frau erzählen. Dass sie sich als nicht ganz so hingebungsvolle Mutter erweist, war eigentlich so nicht geplant und das ist umso spannender für mich. Natürlich ist sie zerrissen und hat das schlechte Gewissen, was alle Mütter kennen. Aber bei ihr steht das Kind einfach nicht an erster Stelle. Charlotte ist besessen von jedem Fall, den sie lösen muss, sie ist verheiratet mit ihrem Beruf. Solche Frauen gibt es ja – und ich möchte über sie nicht urteilen. Deren Kinder sind nicht gestörter oder unglücklicher als andere, sondern am Ende vielleicht sogar etwas selbstständiger und unabhängiger, als meine Kinder es sind. Ich bin nämlich so eine Gluckenmutter. Ich telefoniere heute noch jeden Tag mit meinen Kindern, obwohl sie schon erwachsen sind. Jeder muss es machen, wie er es will.

Der „Tatort“ am Sonntag ist Ihr erster nach zwei Jahren. Warum haben Sie so lange Pause gemacht?

Furtwängler: Das hatte einfach damit zu tun, dass ein Drehbuch nicht so geglückt war, wie wir uns das gewünscht hätten.

Es wurde von einer Krise geschrieben, die Sie in Bezug auf den „Tatort“ hätten.

Furtwängler: Ja, die hatte ich auch, allerdings liegt die schon vier Jahre zurück. Das war eine Phase, da wusste ich nicht so recht, wo es hingeht mit Charlotte Lindholm und unserem Tatort. Aber dann kam die Doppelfolge über das Thema Zwangsprostitution, die vor zwei Jahren ausgestrahlt wurde. Da habe ich gemerkt, dass ich noch Spaß an meiner Rolle habe und dass der Tatort eine tolle Möglichkeit ist, spannende Geschichten zu erzählen. Ich habe gespürt, dass ich eine Verantwortung für die Figur habe und für die Fans, und die wollte ich nicht im Stich lassen.

Das heißt, Sie machen so schnell keine Pause mehr.

Furtwängler: Nein, die Dreharbeiten für den nächsten Tatort beginnen im April.

Haben Sie verfolgt, was in den vergangenen Jahren passiert ist – die vielen neuen Teams, die neuen Tatort-Städte ...

Furtwängler: Ich bin begeistert von dem Reichtum in dieser Krimi-Familie. Dass es Arthouse-Filme gibt wie den jüngsten von Ulrich Tukur, dass es einen Macho-Kommissar gibt wie Nick Tschiller alias Til Schweiger. Die Vielfalt und die hoch attraktiven Kollegen, die neu angefangen haben, werten die Marke unglaublich auf. Und Konkurrenz belebt das Geschäft.

Sie fühlen sich motiviert durch die Vielzahl der neuen Kollegen?

Furtwängler: Unbedingt! Der Anspruch, sich zu unterscheiden, sich abzuheben, der ist schon da.

Rekord-Quoten

Das Mädchen auf der Müllhalde ist vielen in Erinnerung geblieben. In ihren bislang letzten Fällen (Wegwerfmädchen, Das goldene Band) ermittelte Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler im Milieu der Zwangsprostitution. Das Besondere daran: Es handelte sich bei den Filmen im Dezember 2012 um eine Doppelfolge – ein Novum in der über 40-jährigen Tatort-Geschichte. Mit Quoten von 10,67 und 11,02 Millionen TV-Zuschauern sind es die bis heute meistgesehenen Tatort-Fälle aus Niedersachsen.

Interview: Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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