Premiere für das Dortmund-Team

Produzentin: So entsteht ein neuer "Tatort"

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Produzentin Sonja Goslicki und ein Foto aus der Dortmund-Premiere

Köln/Dortmund - An diesem Sonntag ist es soweit: Der erste Tatort-Fall aus Dortmund hat Premiere im Ersten. Die tz sprach mit Sonja Goslicki darüber, wie so ein neuer Tatort eigentlich entsteht.

Goslicki (Altersangabe: „alt genug“) ist Produzentin bei der Colonia ­Media, die neben den Dortmunder Geschichten unter anderem auch die Fälle aus Köln produziert.

Frau Goslicki, wann haben Sie angefangen, sich mit dem Dortmund-„Tatort“ zu beschäftigen?

Sonja Goslicki: Meine Firma hatte das Glück, im Frühsommer 2011 vom WDR den Auftrag zu bekommen, ein neues Format zu entwickeln, das in Dortmund angesiedelt sein sollte. Dann sind wir – der WDR-Redakteur Frank Tönsmann und ich sowie zum Teil WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke und mein Geschäftsführer Oliver Vogel – erstmal nach Dortmund gefahren, haben uns mit der Geschichte der Stadt vertraut gemacht und viel recherchiert. Außerdem haben wir Kontakt zum Oberbürgermeister und dem Polizeipräsidenten aufgenommen und mit ihnen über unsere Absicht gesprochen.

Müssen solche „Repräsentanten“ mit ins Boot geholt werden?

Goslicki: Unbedingt. Ich mache ja unter anderem auch den Köln-Tatort, und daher weiß ich, wie wichtig es ist, gute Kontakte zur Stadt und zur Polizei zu haben – allein wegen der vielen Drehgenehmigungen. Wenn man sich kennt und sich vertraut, geht auch mal was über den kurzen Dienstweg.

Wie hat die Stadt Dortmund reagiert?

Goslicki: Sehr erfreut. Wobei wir den Beteiligten auch gesagt haben: Ihr wisst schon, dass wir einen Krimi drehen, der sich in der Regel den dunklen Seiten einer Stadt widmet.

Aber das wussten sie sicher.

Goslicki: Ja, und sie wussten natürlich auch, dass Duisburg zum Beispiel durch Schimanski eine bundesweite Bekanntheit erreicht hat, die ohne ihn nicht möglich gewesen wäre. Eine Stadt profitiert auch von so einem Projekt.

Wie sind Sie inhaltlich vorgegangen?

Goslicki: Klar war, dass wir gerne neue Wege der Inszenierung gehen wollten, gleichzeitig sollte der Zuschauer aber sofort erkennen: Ja, das ist ein Tatort.

Wie geht das?

Goslicki: Das ist die Herausforderung. Aus der Vergangenheit und aus Gesprächen mit Kollegen von anderen Sendeanstalten wussten wir aber, was vielleicht nicht so gut funktioniert.

An was denken Sie? Mehmet Kurtulus als Undercover-Agent kam nicht so an …

Goslicki: Konkrete Beispiele möchte ich da nicht nennen.

Sie haben verschiedene Autoren beauftragt, Konzepte zu entwickeln.

Goslicki: Ja, wir haben uns schließlich für Jürgen Werner entschieden. Er hatte die Idee, mit vier gleichberechtigten Ermittlern zu arbeiten, und zwar so, dass sich alles am Arbeitsplatz abspielt. Es wird in dem Sinne keine privaten Handlungsstränge geben.

Einer sticht dennoch heraus: Jörg Hartmann ist in der Rolle als ­Peter Faber wohl einer der schrägsten Ermittler überhaupt. Er fühlt sich in die Psyche der Täter ein, macht Rollenspiele mit seinen Kollegen und isst Ravioli kalt aus der Dose. Muss ein Kommissar heute so sein, um sich abzugrenzen?

Goslicki: Ich denke, es gibt in jedem „normalen“ Betrieb Kollegen, die sich hervorheben, weil sie vielleicht etwas kauzig oder anders sind. Wir fanden das reizvoll. Abgesehen davon kann Faber vor allem eines sein: unsympathisch. Es wird sich zeigen, ob die Zuschauer ihn annehmen.

Haben Sie lange gesucht, um die Schauspieler zu finden?

Goslicki: Bei Jörg Hartmann waren wir uns ganz schnell einig: Der muss es sein. Aber insgesamt haben wir ein unendlich langes Casting gemacht. Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was los war, als bekannt wurde: Es gibt einen neuen Tatort.

Es gab viele Interessenten?

Goslicki: Wir sind völlig überrannt worden. Hunderte von Bewerbungen sind beim WDR und bei meiner Firma eingegangen. Ich werde natürlich keine Namen nennen, aber es waren durchaus namhafte Schauspieler dabei.

Wie viele Zuschauer wünschen Sie sich für die Premiere aus Dortmund?

Goslicki: Neun Millionen wären schön.

Das ist ein ehrgeiziges Ziel.

Goslicki: Man darf ja träumen (lacht).

Interview: St. Thyssen

„Tatort: Alter Ego“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

 

Quelle: tz

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