Am Sonntag läuft der neue Schweiger-Krimi

Til Schweiger: Sein Ego-"Tatort"

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Held im Hemdchen und in Handschellen: Til Schweiger alias Nick Tschiller.

Hamburg - Am Sonntag läuft der zweite "Tatort" aus Hamburg mit Til Schweiger als Kommissar. tz-Redakteurin Stefanie Thyssen hat sich die Folge vorab angeschaut - und ist nicht überzeugt.

"Willkommen in Hamburg" war in jeder Hinsicht ein Erfolg. Die Tatort-Premiere von Til Schweiger, die vor genau einem Jahr im Ersten lief, erreichte nicht nur eine fantastische Quote (12,57 Millionen Menschen schalteten ein), sondern auch viele positive Kritiken. Und beides ging völlig in Ordnung. Schweigers erster Fall als LKA-Beamter Nick Tschiller war ein gut gemachter, ambitionierter, actionreicher und packender Fernsehfilm auf Kino­niveau. Die Latte lag also hoch für die zweite Folge, die an diesem Sonntag läuft. Wieder hat Christoph Darnstädt das Buch geschrieben, erneut hat Christian Alvart die Geschichte inszeniert, und dennoch: So gut wie Willkommen in Hamburg ist Kopfgeld, so der Titel, lange nicht.

Das Drehbuch: Die Geschichte knüpft an Schweigers Premiere an: Der kriminelle kurdische Astan-Clan treibt weiter sein Unwesen in Hamburg. Oberhaupt Firat Astan (Erdal Yildiz) führt aus dem Knast heraus seine Geschäfte weiter, plant einen gigantischen Drogendeal und hat obendrein ein Kopfgeld auf Nick Tschiller ausgesetzt. Er will ihn töten. Doch – so leicht ist das natürlich nicht. Tschiller ist seinem Widersacher immer einen Schritt voraus. Ein Beispiel: Tschiller setzt sich in sein Auto, schnallt sich an. Als der Gurt einrastet, hört er ein Klicken. Obacht, das wird eine Bombe sein. Er nimmt sein Handy, fotografiert blind unter den Sitz und, siehe da, eine Bombe. Tatsächlich. Aber – kein Problem für Super-Nick. Er durchschießt (!) seinen Gurt und den seiner Ex (Stefanie Stappenbeck), die mit im Auto sitzt, die beiden springen aus dem Wagen, welcher drei Sekunden später in die Luft fliegt. Alles inszeniert ohne einen Funken Ironie. Ein TV-Krimi ist keine Dokumentation, aber so unrealistisch und unglaubwürdig muss es auch nicht sein.

Die Schauspieler: Til Schweiger ist kein Schauspiel-Gott, das weiß man. In Kopfgeld liefert er dafür erneut einen Beweis. Dass er sich selbst aber trotzdem unwiderstehlich zu finden scheint, macht die Sache fast unerträglich. Bester Beleg: Die Sexszene gleich zu Beginn, noch während der Vorspann läuft: Tschiller im Bett mit der Staatsanwältin. Das musste ja passieren. Überraschend geht jedenfalls anders. Und – Klischee, Klischee – sie tun es mit Handschellen! Soll wohl besonders verwegen wirken, ist aber nur peinlich.

Überhaupt bleiben viele Schauspieler in Kopfgeld unter ihren Möglichkeiten. Fahri Yardim alias Yalcin Gümer war in Willkommen in Hamburg ein richtig guter Mitstreiter, er hatte tolle Szenen. Jetzt steht er den Alleingängen seines Kollegen Tschiller zwar skeptisch gegenüber, wirkt dabei aber in seiner Bomberjacke und mit dem sehr ausgeprägten Hamburg-Slang nahezu wie eine Karikatur.

Das Fazit: Geschichten über die Unterwelt sind in der Regel dankbare Krimiware. Der Tatort aus Bremen vor zwei Wochen hat gezeigt, dass man vorzügliche Filme über genau diese Themen machen kann: Familienclans, Korruption, Menschenhandel, Drogengeschäfte. Der Fall mit Sabine Postel als Kommissarin Inga Lürsen war super recherchiert, nah an der Realität und intelligent inszeniert. Kopfgeld ist vor allem eines: Tils Ego-Tatort. Schweiger selbst findet seinen Film „eine Sensation“. Aber das wird niemanden überraschen.

„Tatort: Kopfgeld“, Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Stefanie Thyssen

Quelle: tz

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