Schauspielerin geht auf Zeitreise

Senta Berger erklärt uns im ZDF die Schönheit

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Senta Berger.

München - Sie ist ohne Zweifel eine der attraktivsten Schauspielerinnen, die wir haben – nun moderiert Senta Berger, wie passend, eine Terra X-Reihe über die Geschichte der Schönheit. Das tz-Interview.

 Die 72-Jährige geht an den beiden nächsten Sonntagen für das ZDF auf Zeitreise von der Antike bis zur Gegenwart und ergründet, was das eigentlich ist – Schönheit. Die tz sprach mit der Wahl-Münchnerin über Ideale, das Altern und operierte Stupsnasen.

Frau Berger, wann wurde Ihnen zum ersten Mal bewusst, dass Sie eine schöne Frau sind?

Senta Berger: Ich würde sagen: Es ist mir bewusst gemacht worden. Anfang der 60er-Jahre habe ich von Männern, unter anderem auch von dem meinen, den ich damals kennenlernen durfte, Komplimente bekommen. Das hat mich natürlich gefreut. Ich selbst war ja oft unzufrieden mit mir und habe mich gar nicht gern auf Fotos gesehen.

Was hat Sie gestört?

Berger: Ich habe immer mit dem Finger über meinen Nasenrücken gestrichen und mir gedacht, dass das alles zarter und kleiner sein dürfte.

Hatten Sie als Teenager ein Schönheitsideal?

Berger: Ich fand Sophia Loren wunderbar. Deshalb habe ich mir mit 15 auch meinen besten schwarzen Rollkragenpulli so ausgeschnitten, dass die Schultern freilagen. Mit meiner besten Freundin habe ich mir dann noch eine Packung dunkelbraune Haartönung geteilt.

Sie haben sogar mal an einem Sophia-Loren-Schönheitswettbewerb in Wien teilgenommen …

Berger: Oh ja, ein ernüchterndes Erlebnis und ein Schub in Richtung Erwachsenwerden. Da saß eine männliche Jury vor mir, die hätte auch Jahrzehnte später da noch sitzen können. Alles stadtbekannte Wiener Casanovas und Nachtclubbesitzer. Die hatten eine Sprache, die ich als beleidigend empfand. Ich wusste mit meinen 15 Jahren auf einmal, dass ich da nicht hingehöre. Dass das nicht meine Welt ist. Da bin ich geflohen.

Haben Sie als Moderatorin der „Terra X“-Dokumentation neue Erkenntnisse zum Thema Schönheit gewonnen?

Berger: Es war schon sehr spannend, die geschichtlichen Zusammenhänge mit den Moden der jeweiligen Zeit in Verbindung zu bringen. Besonders interessant fand ich die original Flohfalle aus der Rokokozeit, die ich in der Sendung vorstellen durfte. Dieses Röhrchen, das unter Perücken oder am Körper versteckt wurde, sagt schon vieles über die Schönheitsideale und die Angst vor der Pest aus, die damals grassierte. Mode und Schönheit spiegeln immer ein Stück weit die Gesellschaft wider, in der wir leben.

Inwiefern?

Berger: Früher haben die Töchter gegen die Mütter rebelliert, indem sie ihre Kleider und Zöpfe abgeschnitten haben. Heute ist es viel schwieriger, sich gegen die Eltern abzugrenzen, weil sie sich fast so kleiden wie ihre Kinder. Da musst du dir als Teenager schon einiges einfallen lassen, um als Individuum wahrgenommen zu werden.

Was haben Sie sich damals einfallen lassen?

Berger: Ach, in den 50er-Jahren genügte schon ein breiter Taillengürtel und Ballerinas à la Brigitte Bardot, um einen Skandal auszulösen.

Wie hat sich Ihr Verhältnis zur Schönheit im Laufe der Zeit verändert?

Berger: Lustigerweise habe ich als junge Frau, als ich es überhaupt nicht nötig hatte, das meiste Geld für Kosmetik ausgegeben. Wenn dir gesagt wird, dass du schön bist, glaubst du natürlich, dass du das auch erhalten musst. Das hat sich aber ganz verloren. Heute bin ich froh, dass ich mich nicht mehr in diesen Kategorien mit mir selbst beschäftige.

Hat Sie das Älterwerden nie gestresst?

Berger: Gestresst nicht, nein, aber ich habe gestaunt. Man hält es ja bei sich selbst nicht für möglich. Und Gott sei Dank ist das auch nichts, was über Nacht passiert. Das Älterwerden ist ein langsamer Prozess, in den man hineinwächst. Irgendwann habe ich bemerkt, wie sich meine Haut verändert und meine Hände, die immer mehr zu den Händen meiner Mutter wurden. Aber für mich hatte diese Entwicklung auch etwas Tröstliches. Es ist ja eine unabänderliche Situation, der man sich mit einer guten Portion Realismus fügen sollte.

Kosmetikindustrie und Schönheitschirurgie könnten das Älterwerden erleichtern …

Berger: Ach wissen Sie, wenn ich heute Frauen meiner Generation sehe, die sich wie in den 60er-Jahren die Haare blondieren und eine operierte Stupsnase im gealterten Gesicht tragen, dann rührt mich das. Ja, mich rührt dieser Wunsch, die Zeit zurückzudrehen. Ich möchte natürlich auch wieder mal so ausschauen wie damals: Aber es ist einfach nicht herstellbar.

Interview: Astrid Kistner

„Terra X“, Sonntag, 19.30 Uhr, ZDF

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