TV-Kritik

„37 Grad: Vermisst“ (ZDF): Wie in einem Film

Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet, tauchen Fragen auf: Will er sich entziehen, wurde er entführt oder vielleicht sogar getötet? Die Ungewissheit hinterlässt gebrochene Familien.
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Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet, tauchen Fragen auf: Will er sich entziehen, wurde er entführt oder vielleicht sogar getötet? Die Ungewissheit hinterlässt gebrochene Familien.

Wenn Menschen vermisst sind, leben Angehörige oft zwischen Hoffnung und Verzweiflung. 37 Grad: Vermisst beleuchtet zwei Fälle.

  • TV-Kritik zu „37 Grad: Vermisst" (ZDF*)
  • Emotionale Reportage über zwei Vermisstenfälle
  • Das Vorgehen der Polizei wird kritisiert

Laut einer Statistik des Bundeskriminalamtes vor gut zwei Jahren galten in Deutschland zu diesem Zeitpunkt ca. 11.000 Menschen als vermisst, davon fast 7000 Minderjährige. Wenn ein Mensch verschwindet, ist das für alle Angehörigen vor allem auch deshalb so furchtbar, weil anders als beispielsweise bei einem plötzlichen Tod viele Fragen mehr offen bleiben – und kein richtiger Abschied möglich ist. Obwohl laut BKA Vermisste, die länger als ein Jahr nicht wieder auftauchen, so gut wie nie lebend gefunden werden, ist für die Angehörigen die Hoffnung auf diesen unwahrscheinlichen Fall oft alternativlos. 

„37 Grad: Vermisst" im TV: Zwei Vermisstenfälle werden begleitet

Die bei den ZDF-Kirchenredaktionen angesiedelte Dokureihe 37 Grad widmet ihre heutige Sendung diesem Thema. In dem halbstündigen Film begleitet die Regisseurin Angehörige von zwei unterschiedlichen Vermisstenfällen. Der Fall Heidi Dannhäuser ist medial bekannt. Sie ist 2013 spurlos verschwunden, bei Beginn der Dreharbeiten im Mai 2018 waren also schon fünf Jahre verstrichen. Ihre beiden Schwestern sind Protagonistinnen dieses Films, und an ihnen wird klar, wie zermürbend neben dem Verlust vor allem die Ungewissheit ist, mit der Angehörige von vermissten Menschen täglich umgehen müssen. 

„37 Grad: Vermisst" im TV: Fassungslosigkeit und Tränen

„37 Grad: Vermisst", 17.03, 22.15 Uhr, ZDF, Mediathek

Fast bei allen Gesprächen kommen den Frauen immer wieder die Tränen, die Fassungslosigkeit über den Verlust ist über die Jahre kaum geringer geworden. Für die beiden Schwestern von Heidi Dannhäuser muss es ein komplexes Leben zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit sein. Die Möbel und Sachen ihrer Schwestern sind inzwischen eingelagert. Aber einige Kleidungsstücke von ihr haben die beiden immer griffbereit: Sommer- und Winterkleidung, man weiß ja nicht, wann sie wieder auftaucht.

„37 Grad: Vermisst" im TV: Glaube an Rückkehr der Vermissten

Das sie irgendwann wieder da ist, scheint für die beiden Angehörigen außer Frage zu stehen, während es seit Jahren kaum neue Spuren gibt – obwohl der Fall sogar in der Sendung Aktenzeichen XY (ebenfalls ZDF) ausführlich beleuchtet wurde. Eine der Schwestern wurde vom Amtsgericht zur offiziellen „Abwesenheitsbetreuerin“ ernannt. Ein sehr nüchterner Begriff für eine solch schlimme Situation. Am anderen Fall in dieser Ausgabe wird eine ganz andere Herausforderung deutlich: Wie gehen die Medien und die Beamten mit dem Fall und den Angehörigen um? 

„37 Grad: Vermisst" im TV: Vorgehen der Polizei schwer nachvollziehbar

Die Mittdreißigerin Anna seit Sommer 2019 vermisst, ihre Zwillingsschwester und ihr Mann stehen vor einem Rätsel. Einen Abend vor dem Verschwinden habe man noch zusammen gegrillt. Immer wieder erzählen sie, dass sie bestimmte Punkte der Ermittlung selbst erst durch Fernsehberichte erfahren haben. Wie kann so etwas bei einem so hochsensiblen Thema sein? Auch das Vorgehen von Polizei und Behörden ist für die Angehörigen oft nur schwer nachvollziehbar. „Die Polizei schweigt sich aus“, heißt es einmal. 

„37 Grad: Vermisst" im TV: Kampf um Akteneinsicht

Im Falle von Heidi Dannhäuser mussten die Schwestern lange kämpfen, um einmal Akteneinsicht zu erhalten, dabei sind sie die eigentlich Betroffenen dieses Falls. Die Gefühlslage nachvollziehbar zu machen, ist praktisch unmöglich. Einmal stehen die Angehörigen von Anna vor ihrer Wohnungstür und starren diese an. „Es ist wie in einem Film“ sagen sie irgendwann. Irreal. Vermutlich kommt das dem wahren Gefühl am nächsten. Einen Film, den man sich nie freiwillig ansehen würde.

Von David Segler 

Die „37 Grad“-Reportage „Keine leichte Geburt“ ist eine filmische Verbeugung vor drei Hebammen, die ihren Beruf als Berufung betrachten.

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