tz-Interview über ihren neuen Film

Lauterbach und von Thun: Zwei "alte Säcke" in Bestform

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Heiner Lauterbach als Kauz Horst (l.) und Friedrich von Thun als Kumpel Johann.

München - Die grauen Bärte sind ab, statt Schrot­flinten ­haben Heiner Lauterbach (62) und Friedrich von Thun (72) ihre Golfschläger im Gepäck. Frisch rasiert und gut gelaunt erscheinen die beiden zum tz-Interview im Golfclub Beuerberg.

 Sie sind Freunde – im echten Leben und auch in der Tragikomödie Letzte Ausfahrt Sauerland, die das Erste am Freitagabend zeigt. Da spielt Lauterbach den kauzigen Eigenbrötler Horst, der mit seinem besten ­Kumpel Johann (von Thun) einen Bootsverleih betreibt. Als ihn seine Tochter Lisa unter einem Vorwand in die Klinik nach Frankfurt lockt, erfährt Horst, dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist. Gemeinsam mit Johann und seinem Enkel Elyas im Schlepptau kapert er einen Leichenwagen und tritt eine ebenso abenteuerliche wie amüsante letzte Reise in die Vergangenheit an. Zwei „alte Säcke“, wie sie sich nennen, auf der Suche nach ihren Gefühlen. Unter der Regie von ­Nikolai Müllerschön ist ein warmherziger Roadmovie entstanden. Ein Film übers Leben und Sterben mit berührenden Momenten und lustigen Dialogen. Doch was denken die Schauspieler privat über die Aussagen ihrer Filmfiguren? Die tz hat Lauterbach und von Thun die schönsten Filmzitate vorgelegt.

„Ich hasse Krankenhäuser – da stinkt’s immer so nach Tod.“

(sagt Horst auf dem Weg zur Klinik)

Heiner Lauterbach: Ich gehe wirklich nicht gern in Krankenhäuser – weder als Patient noch als Besucher. Aber grundsätzlich sind sie eine gute Einrichtung, und wir können froh sein, so eine medizinische Versorgung zu haben. Also bei ernsthaften Erkrankungen bin ich keiner, der lange zögert und der Schulmedizin zugewandt.

Friedrich von Thun: Also, wenn ich mal ins Krankenhaus musste, dann hab ich recht schnell gemerkt, dass es das eigene Leiden oft relativiert. Zu sehen, dass es anderen schlechter geht, dass es wesentlich schlimmere Beschwerden gibt, mildert schon auch das eigene Leiden.

„Wenn du glaubst, dass ich für den Rest meines Lebens in so ein beschissenes Großstadtkrankenhaus gehe, nur um am ­Ende drei Tage länger zu leben, dann hast du dich geschnitten!“

(Horst auf das Drängen seines Freundes Johann, ins Krankenhaus zurückzukehren)

Lauterbach: Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich so eine Diagnose bekäme. Man kann sich vorstellen was wäre wenn, aber mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun.

Von Thun: Natürlich kann ich auch nicht sagen, wie ich mich in einer solchen Extremsituation verhalten würde, aber ich habe eine Patientenverfügung. Und wenn die Prognose so schlecht wäre wie bei Horst im Film, dann würde ich mich ebenfalls gegen eine Behandlung entscheiden und die Zeit lieber nutzen, um mit meiner Familie noch all die Dinge zu regeln, die mir wichtig sind.

„Wünsche gehen nur selten in Erfüllung, merk dir das!“

(sagt Horst zu seinem Enkel, der ihn auf seinem Trip in die Vergangenheit begleitet)

Lauterbach: Ich hab mir in meinem Leben nicht so viel gewünscht. Außer vielleicht ein neues Fahrrad als ich ein kleiner Junge war. Vieles ging einfach so in Erfüllung. Ich glaube, es ist auch besser, sich nicht zu viel zu wünschen und sich stattdessen Ziele zu setzen. Das Gefühl, aus eigener Kraft etwas zu erreichen, ist schon ein tolles. Das versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln.

Von Thun: Natürlich hat man Sehnsüchte, aber konkrete Wünsche? Ich habe mir nie viel gewünscht und war erstaunt, mit wie viel Glück ich im Leben beschenkt wurde.

Lauterbach: Da hast du recht. Vieles in unserem Leben ist schon sehr glücklich gelaufen, aber man muss natürlich auch in der Lage sein, das Glück herauszufordern, etwas zu wagen. Wenn ich mir kein Los kaufe, weil ich denke: Ich gewinn ja sowieso nicht, dann hab ich natürlich auch keine Chance.

„Macht man das heutzutage so?“

(fragt Horst seinen Enkel, der versucht, seine Karriere zu planen)

Von Thun: Es ist schon lustig, wenn ich bedenke, wie wenig wir früher geplant haben. Wir haben die Dinge auf uns zukommen lassen. Das ist heute gar nicht mehr drin. Der Druck auf die jüngere Generation ist schon enorm gestiegen.

„Die eigene Urne auszusuchen, das ist doch Schwachsinn!“

(Johann ist fassungslos, als Horst mit der Urne aus dem Bestattungsinstitut kommt)

Von Thun: Nein, das würde ich nicht tun. Auch wenn ich Menschen kenne, die bis ins letzte Detail festgelegt haben, wie ihre eigene Beerdigung ablaufen soll. Die wissen dann schon, dass der Sarg rot und die Pferdekutsche schwarz sein soll. Für die, die zurückbleiben, ist das sicher eine Erleichterung. Aber ich fühle mich dafür noch zu jung und nicht bereit.

„Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich mein ganzes Leben vermasselt hab.“ (sagt Horst zur Prostituierten, die ihm Johann spendieren will)

Von Thun: Na, wenn das kein Filmzitat für dich ist, Heiner (lacht). Nein, jeder hat doch seine Krisen im Leben, das ist doch ganz normal.

Lauterbach: Das Leben ist ein ständiges Auf und Ab. Dass ich mein Leben vermasselt habe, würde ich nicht sagen. Ich habe es temporär in falsche Bahnen gelenkt, das schon.

Von Thun: Also, entschuldige, wenn ich mich da einmische. Was du geschafft hast, wie du es geschafft hast und wie du heute lebst. Das finde ich nicht nur eine Leistung. Das ist toll.

Lauterbach: Grundsätzlich würde ich wahrscheinlich jeden Tag an die tausend Dinge anders machen, aber letztendlich neige ich dazu, zu sagen: Es ist gut so, dass alles so ist, wie es ist.

Von Thun: Jeder baut doch mal Scheiße, aber es ist wichtig, dass man das erkennt. Man lernt daraus. Außerdem gibt es doch auch schöne Erinnerungen an die wilden Zeiten. Du würdest viel vermissen, wenn du das nicht gehabt hättest.

Lauterbach: Rückblickend würde ich sagen, das wilde Leben hätte auch schon zehn Jahre früher enden können, aber was ist schon perfekt im Leben?

„Heißt das, du hast es ­geschafft, deinen eigenen Tod zu akzeptieren?“  (will Johann von Horst wissen, als sie gemeinsam in der Kirche sitzen)

Von Thun: Es ist uns ja allen bewusst, dass der Tod am Ende steht.

Lauterbach: Natürlich akzeptiere ich den Tod, ich liebe ja auch das Leben. Und der Tod ist im Grunde ja auch die beste Lösung. Ein unendliches Leben stelle ich mir grauenhaft vor. Ich bin Agnostiker.

Von Thun: Das haben wir gemeinsam: Mal schauen, was drüben passiert.

„Letzte Ausfahrt Sauerland“

Freitag, 20.15 Uhr, ARD

Astrid Kistner

Quelle: tz

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