„Almuth und Rita“ (ARD)

Berger und Froboess: Wir sind schon in Rente

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Es kostet Almuth (Senta Berger, l.) Überwindung, Rita (Cornelia Froboess) um Hilfe zu bitten.

München - Im tz-Gespräch ­stellen sich Senta Berger  und Cornelia Froboess  den Fragen, die die ARD-Tragikomödie "­Almuth und Rita" aufwirft.

Raus aus dem Beruf, rein in den ­Ruhestand – geradezu verloren wirkt die frisch pensionierte Zahnärztin Almuth in ihrer schicken Bogenhausener Altbauwohnung, die sie nach dem letzten Tag in ihrer Praxis wie Neuland betritt. Was anfangen mit dem Leben danach, so ganz ohne Hobbys und Freunde? Senta Berger (72) glänzt als Almuth, die feststellen muss, dass sie weder zur liebenden Oma noch zur gut gelaunten Rentnerin taugt. Kein Wunder, dass sie höchst skeptisch auf ihre notorisch optimistische Putzfrau Rita (hinreißend gespielt von Cornelia Froboess, 70) reagiert, die ihr Leben mit Temperament und Berliner Schnauze auf den Kopf stellt. Im tz-Gespräch ­stellen sich Berger und Froboess den Fragen, die die ARD-Tragikomödie ­Almuth und Rita aufwirft.

Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn Sie irgendwann den letzten Film abgedreht, das letzte Theaterstück gespielt haben?

Senta Berger: Ich denke nicht täglich darüber nach, aber wenn Sie so fragen: Ja, ich kann es mir vorstellen, und ich glaube, dass es sehr schön sein könnte, denn im Grunde habe ich nicht das Gefühl, irgendetwas Wichtiges im Leben versäumt zu haben. Es wäre einfach ein neues Kapitel, das ich aufschlagen und in dem ich mich zurechtfinden würde.

Cornelia Froboess: Aber wann weiß man denn, dass es das letzte Mal war? Es sei denn, man nimmt es sich vor und sagt: So ab heute mache ich das nicht mehr.

Stimmt. Wenn es das Alter und die Gesundheit erlauben, kann man als Schauspieler ewig weitermachen, oder?

Berger: Na ja, in unserem Alter dünnt es schon etwas aus. Die besseren Angebote in unserer Generation bekommen immer noch die Männer. Dass wir hier zwei so saftige Rollen hatten, in die vor allem Cornelia so richtig reinbeißen konnte, war ein Glück. Wir haben beide sofort gespürt, dass in Almuth und Rita eine gute Geschichte mit zwei wirklich schönen Rollen erzählt wird.

Hätten Sie zwischendrin gern getauscht?

Berger: Ich schon.

Froboess: Ich nicht.

Berger (lacht): Das glaub ich dir! Es ist für jede Schauspielerin befreiend, so eine Rolle wie die der Rita zu spielen. Es ist befreiend, sich so zu bewegen, die Wahrheit zu sagen und das in einem recht klaren Tonfall.

Froboess: Bei den ganzen minderbemittelten Frauen, die ich da permanent am Theater spiele, war es wirklich wohltuend so etwas Bodenständiges und Komisches spielen zu dürfen .

Im Film kämpft die ehemalige Zahnärztin Almuth mit dem Rentnerdasein. Haben Sie Angst vor dem Ruhestand?

Froboess: Wir sind doch schon längst drin. Seit fünf Jahren sind wir offiziell Rentner.

Berger: Ich glaube, ich bin da schon recht realistisch. Und ich weiß: Irgendwann wird es anders sein. Dabei mache ich mir keine Sorgen, dass mir die Decke auf den Kopf fällt. Ich reise doch so gern, gerade eben musste ich aus Zeitgründen eine Reise absagen. Solche Sachen würde ich mir gern für den Ruhestand vornehmen, aber bestimmt macht mir das Leben einen Strich durch die Rechnung.

Inwiefern?

Berger: Diese ganzen Pläne, die wir schmieden, sind doch nur der Versuch, das Leben in den Griff zu bekommen. Aber das Leben funktioniert anders, es geht seinen eigenen Weg. Ich glaube, dass Fragen wie Wo und wie willst du einmal begraben sein? Hast du eine Patientenverfügung?, Wie stehst du zum Thema Freitod? nur Annäherung an etwas sind, was wir uns absolut nicht vorstellen können.

Haben Sie ein Testament gemacht?

Froboess: Wir haben noch keines, aber es gibt ja das Berliner Testament, das man zu Hause schreiben kann und dass dann seine Gültigkeit hat. Darum müssen wir uns jetzt mal kümmern.

Berger: Typisch für unsere Generation sind diese Bücher über Erbrecht, die überall zu Hause rumliegen...

Froboess: Richtig, die haben wir auch. Für unsere Kinder und Enkelkinder ist jedenfalls gesorgt.

Apropos: Wie steht’s mit der Frage, die im Film aufkommt: Will man von den Kindern gepflegt werden?

Froboess: Also ich weiß es: Ich will es nicht. Ich hatte meine Mutter zwei Jahre als Pflegefall bei mir Zuhause und wäre dabei kräftemäßig und psychisch beinahe draufgegangen. Das würde ich meinen Kindern nicht zumuten wollen.

Berger: Mir geht es ähnlich wie Cornelia. Mein Vater litt an Alzheimer. Es war sehr traurig zu sehen, wie verzweifelt er in seinen lichten Momenten war. Er empfand es als demütigend, seine Autorität zu verlieren. Und für mich war es schwer, unter diesen Umständen die Rolle der Erziehenden anzunehmen. Das hat mich sehr geprägt und zu dem Entschluss gebracht, dass ich meine Kinder nicht in diese Situation bringen will. Dazu kommt, dass ich zwei Söhne habe und bei denen weiß ich, dass die praktische Arbeit an den Schwiegertöchtern hängen bleiben würde.

Bekommt das Verhältnis zu den Kindern im Alter eine andere Bedeutung?

Froboess: Aber natürlich, die Kinder sind ja auch nicht mehr jung, haben Partner und eigene Familien. Da stellt sich schon die Frage: Hat man sich in all den Jahren auseinanderentwickelt oder findet man zusammen. Da verschiebt sich im Laufe eines Lebens viel.

Frau Froboess, sind Dreharbeiten für Sie erholsam im Vergleich zur Theaterarbeit?

Froboess: Also ich finde das schon anstrengend. Ganz besonders schlimm finde ich ...

Berger: ... das Aufstehen.

Froboess: Nee, diese unzähligen Wiederholungen. Gerade wenn du eine emotionale Szene hast und die im Kasten ist. Dann wird sie nochmal halbnah gedreht, dann nah, dann mit Blick auf Senta, dann auf mich und zum Schluss noch die Totale. Da möchte ich immer rufen: Kinder, überlegt euch doch vorher, was ihr braucht. Diese Wiederholung von der Wiederholung der Wiederholung macht mich wahnsinnig.

Berger: Mich stört das überhaupt nicht. Mir gefällt das sogar sehr gut, ich probiere immer wieder bis zur letzten Wiederholung etwas aus, verändere Kleinigkeiten. Ich weiß, dass ich in der sogenannten „Totalen“ nicht alles ausspielen muss und ich weiß, dass es in der Großaufnahme auf das Zucken einer Augenbraue ankommen kann. Aber Film ist einfach mein Metier, dafür habe ich schon sehr lange kein Theater mehr gespielt.

Im Film fällt der bekannte Satz „Lebe jeden Tag, als wäre er der letzte“. Gelingt Ihnen beiden das?

Berger: Nein, nicht immer. Aber ich kann mich ein bisschen in diese Richtung ermahnen. Wenn ich mir Sorgen mache oder mir alles zu viel wird, dann merke ich, wie ich in so eine schlechte Laune reinkomme, die mir selbst nicht gefällt. Und dann wird es Zeit, dass ich mir sage: Hallo, Mädchen, reiß dich zusammen!

Froboess: Das kannst du? Das muss bei mir mein Mann machen. Der baut mich wieder auf.

Berger: Ja, das macht Michael (Verhoeven Anm. d. Red) auch. Der ist ja so ein Optimist, während ich vom Pessimismus angehaucht bin. Eine Wienerin halt.

Froboess: Erstaunlich ist doch, dass es die kleinen Sachen sind, die einen so aufregen – dieses ganze Gefutzel. Wenn’s richtig Dicke kommt, bin ich eigentlich ganz gut.

Berger (lacht): Stimmt. Meine Schauspiellehrerin hat immer gesagt: Der Beruf strengt mich nicht an, aber der Alltag! So ist es bei mir auch.

Interview: Astrid Kistner

Quelle: tz

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