Interview zu "Mein Mann, ein Mörder"

Ferres: "Ich tarne mich gern mit Perücke"

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Eine Szene aus „Mein Mann, ein Mörder“: Minette (Veronica Ferres) beobachtet, wie ihr Mann fremdgeht – und schweigt.

München - Es ist, als schwebe ein geheimnisvoller Nebel über diesem Film. Verwirrend. Bedrohlich. Nichts ist, wie es scheint … Eine Glanzrolle für Veronica Ferres in "Mein Mann, ein Mörder".

„Mein Mann, ein Mörder“, Montag, 20.15 Uhr, ZDF

Die Schauspielerin (48) spielt Minette Frei, eine Münchnerin, die mit zwei Kindern in einer schmucken Altbauwohnung lebt. Doch die Idylle trügt: Ihr Mann Paul (Ulrich Noethen) betrügt sie mit der erotischen Nora (Esther Zimmering), die plötzlich verschwunden ist – oder gar… tot? Die tz sprach mit Veronica Ferres über Mein Mann, ein Mörder und darüber, warum sie sich beruflich und privat oft mit einer Perücke tarnt.

Frau Ferres, Ihr neuer Film ist äußerst mysteriös. Keiner lässt den anderen hinter die Fassade schauen. Wie war es für Sie, das zu spielen?

Veronica Ferres: Sehr spannend! Vor allem die Arbeit mit Lancelot von Naso war ein großes Abenteuer. Er ist ein junger, wilder Regisseur, der sehr spontan ist. Er sagte zum Beispiel einmal: „Komm, ich hätte jetzt unheimlich gern eine Szene von Dir in der U-Bahn. Du rennst jetzt mit dem Kameramann los, wir sagen niemandem etwas.“ Wir hatten keine Drehgenehmigung, er hat einfach nur gesehen: Das Licht ist toll, die Umgebung ist toll. Da bin ich einfach losgelaufen. Solche Momente machen den Film aus. Du weißt in keiner Sekunde, welche neue Idee er jetzt wieder hat und bist hochaufmerksam.

Nicht so toll war vermutlich der Moment, als Sie in einer Gondel steckenblieben. Wie kam es dazu? 

Ferres: Es war furchtbar. Dieser Drehtag war ohnehin schwer für mich, weil ich Höhenangst habe. Ich sollte auf einem Felsvorsprung drehen, bei dem es rechts und links Hunderte von Metern in den Abgrund hinabgeht. Da hingen Bergleute an Seilen für den Fall, dass ich stürze. Wir stiegen also in die Gondel, um hinaufzufahren – da ging es los: Kkkrck! 20 Minuten lang blieb die Gondel stehen.

Hatten Sie Kontakt zur Berg- oder Talstation?

Ferres: Ich rief den Regisseur an: „Was machen wir denn jetzt, wir stecken hier fest!“ Er meinte, dass es einen technischen Defekt gab. Es war sogar schon im Gespräch, dass wir auf die Gondel klettern sollten und von dort gerettet werden.

Klingt abenteuerlich …

Ferres: Das waren aber nur die äußeren Abenteuer dieses Films. Die inneren fand ich viel spannender. Es geht ja um die Frage: Wie weit ist man bereit, für eine Familie zu gehen, um diese zu schützen? Minettes Mann geht fremd. Normalerweise würde man sagen: Sie stellt ihn zur Rede. Oder sie verlässt ihn. Minette macht das nicht. Sie beobachtet nur. Das hat für mich eine Dimension wie in den François-Truffaut-Filmen. Da gibt es diese geheimnisvolle Ebene zwischen Mann und Frau, die keiner ergründen kann.

Es gibt einen Grund, warum Minette schweigt: Sie hat Angst, die Harmonie zu zerstören. Wie wichtig ist Ihnen Harmonie in der Familie? 

Ferres: Sie ist sehr wichtig für mich, aber ich bin auch ein Wahrheitsfanatiker. Für mich gehört zu einer Familie Ehrlichkeit, Vertrauen, Verzeihen, Verständnis. Ich sage immer: Wir machen alle Fehler, und ich mache die meisten. (lacht)

Sie sind auch bekannt dafür, dass Sie sich sehr eindringlich auf Ihre Rollen vorbereiten. Im November waren Sie als Zuschauerin im Prozess der „Killerin vom Tegernsee“ am Münchner Landgericht – mit einer Perücke getarnt . Auf welche Rolle haben Sie sich dabei vorbereitet?

Ferres: Auf den nächsten Lena Fauch-Film. Darin geht es um einen Mordprozess, ich spiele die Polizeiseelsorgerin. Während der Vorbereitungen darauf las ich von diesem Prozess in München und wollte ihn gerne miterleben.

Was passierte im Gerichtsgebäude?

Erkannt? So getarnt war Veronica Ferres als Zuschauerin in einem Münchner Gerichtsprozess.

Ferres: Der Regieassistent begleitete mich in den Verhandlungsraum. Ich hatte meine Perücke auf, mit der ich mich immer tarne, wenn ich mal in die Stadt gehen und meine Ruhe haben möchte. Zunächst erkannte mich auch niemand. Der Assistent sollte Fotos machen, machte auch viele, aber leider auch eines, als die Richter schon drin waren. Da rief der Richter von vorne: „Wer hat hier Fotos gemacht?“ In dem Moment habe ich mich vor ihn gestellt, mir das Handy geschnappt und gerufen: „Ich war‘s!“
Und da waren Sie enttarnt? Ferres: In dem Moment vergaß ich, dass man mich wohl an meiner Stimme erkennt. Alle Journalisten im Gerichtssaal wussten nun, dass ich das bin. Eine Zeitung schrieb nachher, ich sei aus dem Prozess geflogen. Das stimmt nicht. Wir mussten die Fotos zwar löschen, danach saß ich aber noch zwei Stunden im Prozess.
Auf wen haben Sie während der Verhandlung geschaut?

Ferres: Auf die Angehörigen oder Freunde des Opfers, die neben mir saßen. Auch sehr auf die Verteidiger. Generell, wie so etwas abläuft. Der Staatsanwalt hat mich sehr beeindruckt. Jede Regung der Täterin hat er analysiert. Wie die Angeklagte den Mord schilderte, war sehr bedrückend.

Werden Sie sich wieder mit der Perücke tarnen?

Ferres: Jetzt muss ich mir wohl eine neue kaufen, weil man mich ja jetzt damit erkennt! Auf dem Oktoberfest zum Beispiel hat sie mir schon gute Dienste geleistet. Im letzten Jahr war ich dort mit meiner Tochter, plötzlich lief eine Horde von Journalisten und Kameraleuten an uns vorbei und rief: „Die Ferres ist im Käferzelt!“ Das war dann doch sehr amüsant …

Interview: Andrea Stinglwagner

Quelle: tz

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