Insgesamt 20 verschiedene Ermittler

Wieso gibt es so viele Teams, Herr Tatort-Koordinator

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Gebhard Henke ist innerhalb der ARD für die Krimireihe zuständig.

München - Der "Tatort" im Ersten ist Kult - in diesem Jahr gehen fünf neue Kommissare auf Verbrecherjagd. ARD-Programmleiter Henke erklärt, warum es so viele verschiedene Ermittler gibt.

Til Schweiger und Wotan Wilke Möhring in Hamburg und Umgebung, Devid Striesow im Saarland, drei junge Ermittler in Erfurt und Jörg Hartmann mit Kollegen in Dortmund – fünf neue Tatort-Kommissare bzw. Teams gehen demnächst auf Verbrecherjagd. Insgesamt bietet die ARD damit 20 verschiedene Ermittler aus dem deutschsprachigen Raum. Einige, wie Udo Wachtveitl und Miro Nemec vom BR, drehen drei Folgen pro Jahr, andere stehen zweimal vor der Kamera, einige wenige gönnen sich und den Fans nur eine Folge im Jahr.

Über die Entwicklung der Marke Tatort haben wir mit Prof. Gebhard Henke gesprochen. Der Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie beim WDR, geboren 1955, ist in der ARD als Tatort-Koordinator für die Kultkrimireihe zuständig.

Herr Henke, es gibt 20 „Tatort“-Ermittler bzw. Teams. Können Sie verstehen, wenn jemand sagt: Da steige ich nicht mehr durch?

Gebhard Henke: Immer wenn ich höre, es gebe zu viele Ermittlerteams, denke ich: Man kann es den Menschen - und besonders den Journalisten - auch nicht recht machen. Würden wir keine neuen Teams entwickeln, würde es heißen, 25 Jahre fällt der ARD nichts ein, die sind nicht innovationsfähig und so weiter, wir kennen das ja. Jetzt kommen ein paar Neue, dann ist es auch nicht recht. Ich glaube, dass sich die Zuschauer freuen, wenn etwas Neues passiert.

Woran machen Sie das fest?

Henke: Vor allem an der Akzeptanz. Erinnern Sie sich nur mal an Maria Furtwängler. Ihr erster Fall Lastrumer Mischung hat 2002 mit über zehn Millionen Zuschauern richtig eingeschlagen. Die neuen Ermittler werden von den Zuschauern neugierig verfolgt, begleitet und in verschiedensten Formen diskutiert. Es passiert was beim Tatort. Das ist doch toll! Übrigens schauen auch immer mehr junge Menschen, was uns natürlich besonders freut.

Aber warum werden so viele Teams gleichzeitig neu eingeführt?

Henke: Das hat sich einfach so ergeben. Es gibt ja verschiedene Gründe für einen Wechsel. Ein Kommissar geht in Rente, ein anderer möchte nicht mehr drehen, wiederum woanders gab es Ärger...

Dass es so viele verschiedene Teams gibt, hat aber doch auch damit zu tun, dass einige Schauspieler nur eine Folge pro Jahr drehen.

Henke: Ja, stimmt. Das ist ein ganz pragmatischer Grund. Ein Schauspieler wie Til Schweiger sagt einfach, er macht nur einen Tatort im Jahr. Genau wie Ulrich Tukur. Jan Josef Liefers und Axel Prahl drehen zwei im Jahr, weil sie auch andere Filme realisieren möchten. Das heißt, wenn Sie mit so vielbeschäftigten Schauspielern arbeiten und gleichzeitig auf eine bestimmte Schlagzahl von Krimis kommen wollen, müssen Sie mehrere Teams gründen. Sonst geht es nicht. Zur Erinnerung: 1987 hatten wir zwölf Erstsendungen im Jahr, darunter waren zwei Folgen Schimanski und drei mit Manfred Krug. 2013 haben wir 44 Erstausstrahlungen.

Aber ist eine Folge pro Jahr nicht zu wenig? Die Zuschauer können sich an den Kommissar nicht wirklich gewöhnen.

Henke: Wenn jeder Kommissar nur eine Folge pro Jahr drehen wollte, würde das die Reihe an ihre Grenzen bringen, das sehe ich auch. Ich persönlich finde zwei Folgen pro Team gut. Gerade im Hinblick auf die Kontinuität ist das natürlich ergiebiger. Aber solange es nur einige wenige sind, die als eine Art „Special Event“ ­vorkommen, trägt die Reihe das gut mit.

Wie schwierig ist es, sich immer wieder etwas Neues für die einzelnen Teams auszudenken?

Henke: Das ist natürlich die Herausforderung, die Spaß macht. Einen neuen Tatort zu erfinden und zu etablieren, ist für Redakteure und Redakteurinnen wie Weihnachten und Ostern zusammen. Zum Beispiel das neue Team aus Dortmund: Da haben wir nun eine Gruppe von vier Ermittlern in den Mittelpunkt gestellt, das unterscheidet sie schon mal von anderen. Das bedeutet einen anderen Umgang untereinander. Da liegt der Schwerpunkt am Arbeitsplatz. Ich empfinde dieses neue Dortmunder Team als eine Bereicherung für die Reihe.

Wenn man sich umschaut, laufen im Fernsehen zurzeit eigentlich nur noch Krimis, gerne auch mit regionalem Bezug – am Vorabend im Ersten, oft auch montags um 20.15 Uhr im Zweiten, von den SOKOs und anderen Serien mal ganz abgesehen. Ist das ein Pro­blem für die Marke „Tatort“?

Henke: Nein, das ist kein Pro­blem für den Tatort. Es ist ein Trend, dem die Sender und Verantwortlichen Rechnung tragen. Es werden ja auch immer mehr Krimis gelesen. Frauen interessieren sich heute viel mehr für das Genre als noch vor ein paar Jahren. Krimis sind insgesamt sehr stark nachgefragt. Der Marke Tatort schadet das aber überhaupt nicht.

Interview: St. Thyssen

Quelle: tz

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