ZDF-Dokumentation

Alternative Heilmethoden: Was dahintersteckt

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1,5 Milliarden Euro werden jährlich mit Globuli und Ähnlichem umgesetzt.

München - Das ZDF greift die steigenden Verkaufszahlen von alternativen Heilmittel auf und sendet heute Abend eine Dokumentation zum Thema. Die tz sprach mit dem Autor des Films.

Eines steht fest: Alternative Heilmittel sind Verkaufsschlager. Immer mehr Menschen greifen zu der sogenannten sanften Medizin und kehren der klassischen Schulmedizin den Rücken. Das ZDF greift diesen Trend auf und sendet heute Abend eine Dokumentation zum Thema. Die tz sprach mit dem Autor des Films.

Herr Gries, was hat Sie an dem Thema sanfte Medizin vor allem interessiert?

Michael Gries: Uns hat die enorme Beliebtheit interessiert, die die sanfte Medizin genießt. Immerhin setzen deutsche Apotheken 1,5 Milliarden Euro jährlich mit solchen – meist rezeptfreien – Arzneien um.

Nachdem Sie über das Thema recherchiert haben – wie stehen Sie zu den alternativen Heilmethoden?

Gries: Ich habe den Film ja zusammen mit einer Kollegin gemacht, und da hat sich eine schöne Dialektik aufgetan. Sie ist von Haus aus offen für alternative Heilmethoden, und ich bin als Naturwissenschaftler eher skeptisch. Während wir den Film drehten, haben wir uns beide ein bisschen aufeinander zubewegt. Wir haben beide dazugelernt. Das ist letztlich auch das Fazit unseres Films: Man muss differenzieren. Es gibt nicht die eine Wahrheit. Wir kommen nicht zu dem Ergebnis, das eine, die klassische Schulmedizin, ist gut, und alles andere ist schlecht. Dafür ist das Feld auch viel zu groß.

Können Sie ein paar Beispiele nennen: Was spricht für die alternative Medizin?

Gries: Wir haben erst mal getestet, wie viel Zeit sich die Heilpraktiker für einen Patienten nehmen im Vergleich zu einem Hausarzt.

Und?

Gries: Ein Hausarzt nimmt sich im Schnitt neun Minuten Zeit für einen Patienten, das ist das Ergebnis der sogenannten Versorgungsforschung. Ein Heilpraktiker nimmt sich etwa eine bis anderthalb Stunden.

Dafür bezahlt man ihn in der Regel aber auch ganz gut – aus eigener Kasse. 

Gries: Ja, das stimmt. Nach unseren Recherchen zwischen 60 und maximal 200 Euro für ein Erstgespräch, bei dem meistens auch schon eine Erstbehandlung, etwa eine Akupunktur, dabei ist. Aber dafür bekommt man eben auch eine sehr ausführliche Beratung. Manche berechnen auch für das Erstgespräch gar nichts, weil sie den Patienten anbieten, sich erst mal ein Bild zu machen. Das ist aber eher die Ausnahme. Der Zulauf insgesamt jedenfalls ist enorm.

Worauf führen Sie dieses riesige Bedürfnis der Menschen nach alternativen Heilmethoden zurück?

Gries: Es hat mit zwei grundlegenden Faktoren zu tun. Das eine ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wir leben in einer sehr kurzlebigen Zeit, in der das grundsätzliche Empfinden vorherrscht, dass vieles technisiert, ökonomisiert und sehr leistungsorientiert ist. Das führt zu einem Bedürfnis, sich wenigstens seiner Gesundheit ausführlicher zu widmen, ganzheitlicher. Das andere ist ganz einfach ein ernsthaftes Versäumnis unseres Gesundheitsapparates. Die Menschen haben nicht mehr das Gefühl, dass ihr Arzt sie im Ganzen betrachtet, sondern immer nur die einzelnen Symptome heilt. Und das ist in der heutigen Zeit zu wenig.

Aber ganz konkret: Hilft Johanniskraut gegen Depressionen? Ginko gegen Vergesslichkeit, Beinwell gegen Rückenschmerzen? Oder herrschen da Placebo-Effekte vor?

Gries: Konkrete Tests haben wir für diesen Film nicht durchgeführt. Aber: Pflanzen sind echte Medizin, daran besteht kein Zweifel. Die Wirkung kann nachgewiesen werden, wobei man immer auf die Dosierung und eventuelle Nebenwirkungen achten muss. Und selbst wenn noch ein Placebo-Effekt dazukommt – am Ende ist es doch egal, was einem hilft. Allerdings, und das möchte ich auch betonen: Bestimmte Sachen wie Krebs muss man schulmedizinisch behandeln, da führt kein Weg dran vorbei. Aber gleichzeitig kann es sinnvoll sein, in der Zeit der Behandlung oder der Rekonvaleszenz zusätzlich seinen Körper durch alternative Medizin zu unterstützen und zu stärken, um mehr Kraft zu haben.

Interview: St. Thyssen

„Wie gut ist sanfte …“, Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF

Quelle: tz

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