Wie eine Folge entsteht

Zehn Jahre Max: Hanitzsch im tz-Interview

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Karikaturist Dieter Hanitzsch: Am Donnerstag ist er persönlich zu Gast in der BR-Abendschau.

München - Die beliebte BR-Serie "Der Große Max" wird zehn Jahre alt. Die tz sprach zum Jubiläum mit Dieter Hanitzsch (80), dem Zeichner.

"Gut, dass es mich gibt!“ So lauten in jeder Folge die letzten Worte der Comicfigur Max Froschhammer aus der BR-Serie Der Große Max. Die Zeichentrickfilme um den fiktiven CSU-Bundestagsabgeordneten sind jeden Freitag in der Abendschau im Bayerischen Fernsehen zu sehen – und das seit genau zehn Jahren! Die Zuschauer lieben die Szenen, in denen sich Max mit Angela Merkel oder Horst Seehofer trifft oder sich von Franz Josef Strauß auf seiner Wolke im Himmel zusammenstauchen lässt. Die tz sprach zum Jubiläum mit Dieter Hanitzsch (80), dem Zeichner:

Warum ist es denn gut, dass es den „Großen Max“ gibt?

Dieter Hanitzsch: Der Max Froschhammer ist ein Politiker, der keine Ambitionen hat, höhere politische Ränge zu erreichen. Er kann viel besser im Hintergrund seine politischen Ziele verfolgen. Und weil er das glaubt, dass er das kann, sagt er: Gut, dass es mich gibt.

Zehn Jahre gibt es ihn jetzt in der Abendschau …

Hanitzsch: Genau: 2004 wurde er abgeworben. Der verstorbene Herbert Riel-Heyse, mit dem ich die Figur entwickelt habe, hat ihn ja zunächst in der Wochenendbeilage der Süddeutschen veröffentlicht.

Wie kam er ins Fernsehen?

Hanitzsch: Der damalige Abendschau-Chef Peter Althammer hat gesagt: Mensch, ich hätte den Max so gerne bei uns. Doch das Problem war: Man kann eine gezeichnete Karikatur ja nicht einfach abfilmen und senden. Doch dann hieß es eines Tages: Wir könnten das mit der Grafik stemmen. Seitdem ist der Max im Fernsehen.

Wie entsteht eine Folge?

Hanitzsch: Es beginnt mit schlichter journalistischer Arbeit: Man überlegt sich am Sonntag das Thema: Was muss am Freitag in der Folge drin sein, damit’s aktuell ist?

Entscheiden das Sie oder ein Team?

Hanitzsch: Ich denke mir etwas aus und stimme mich mit einem Produzenten ab.

Was passiert dann? 

Hanitzsch: Dann muss ich den Text schreiben.

Und die Bilder zeichnen!

Hanitzsch: Dabei kann ich bestimmte Sachen, die es schon gibt, zum Beispiel das Wohnzimmer der Familie Froschhammer, verwenden. Ich mache Schwarz-Weiß-Zeichnungen, Grafiker übernehmen das Kolorieren und die Minimalanimationen. Es ist ja nicht so ausgefeilt wie bei Disney – aber das muss auch nicht sein.

Was noch fehlt, ist der Ton…

Hanitzsch: Am Mittwoch ist immer die Sprachaufnahme. Die ersten Jahre hat der verstorbene Jörg Hube alle Stimmen gesprochen. Ihn wollte ich unbedingt. Als Hubes Nachfolger kam für mich dann nur Helmut Schleich in Frage. Der macht das prima.

Wie reagieren denn die Politiker auf Ihre Filme?

Hanitzsch: Für die Politiker ist die Sendung so etwas wie ein Pflichtprogramm, auch in der Staatskanzlei. Herr Söder zum Beispiel mag die Serie gerne, das hat er mir selbst gesagt. Es gibt sogar Politiker, die fragen: Mensch, wieso komme ich eigentlich nicht vor?

So wie beim Nockherberg?

Hanitzsch: Ja! Die fragen: Hab ich einen Fehler gemacht? Dann sage ich: Sie haben zu wenig Fehler gemacht! (lacht)

Wer hat das gefragt?

Hanitzsch: Das war damals der Erwin Huber, zu seiner Zeit als Wirtschaftsminister.

Stimmen Ihre Ansichten mit denen vom Max überein? 

Hanitzsch: Das kann man so nicht sagen. Ich bin nicht wie er. Und er ist auch keine Werbefigur für die CSU, wie manche denken, sondern Satire.

Was würden Sie sagen: Machen Sie den „Großen Max“ noch mal zehn Jahre?

Hanitzsch: (lacht) Ich erinnere an meinen 80. Geburtstag letztes Jahr … Sagen wir so: Ich werde mich nicht dagegen sträuben, wenn ich noch halbwegs gesund bin.

Noch eine Frage. Manche Leute sagen: Der Hanitzsch, der ist doch längst nicht mehr so bissig wie früher. Sind Sie altersmilde geworden?

Hanitzsch: Jessas na! Also wenn der Eindruck so ist, muss ich mich sofort wieder ändern. Mein Gott, das ist ja schrecklich! Wir haben so viel Anlass, zornig zu bleiben. Um Himmels Willen, wenn das die Leute denken, muss ich mich wirklich am Riemen reißen.

Interview: Andrea Stinglwagner

„Der große Max“ in der BR-Abendschau, Donnerstag, 18 Uhr

Quelle: tz

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