Migration im Wandel der Zeit

23-köpfige Entscheidungsinstanz erstellt bis 2023 Integrationskonzept

Das Kernteam und der Entscheidungskreis mit Landrat Thomas Karmasin.
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Das Kernteam und der Entscheidungskreis mit Landrat Thomas Karmasin.
  • Dieter Metzler
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Fürstenfeldbruck – Mittlerweile leben rund 15 Prozent der Menschen im Landkreis mit Migrationshintergrund, berichtete Landrat Thomas Karmasin bei der Auftaktveranstaltung zur Erstellung eines Integrationskonzepts für den Landkreis. Bis zum Frühjahr 2023 soll das Konzept erarbeitet sein, im Herbst 23 vom Kreistag beschlossen werden, um dann in die erste zweijährige Umsetzungsperiode zu gehen.

Er habe erstmals Ende der 70ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit dem Thema Integration zu tun gehabt, obwohl er damals gar nicht wusste, dass das so heißt, als im Pfarrhof ein gemeinsames Treffen mit der italienischen Community stattfand.

„Heute haben wir eine ganz andere Dimension von Migration in unserem Landkreis“, sagte Karmasin. Früher wurden Menschen entweder als Gastarbeiter von der Industrie angeworben oder arbeiteten in der Gastronomie. Heute habe man eine ganz andere Situation, schon allein, was die Motive der Migration angeht. Man habe zwei große Bewegungen gehabt. Nach dem Jugoslawienkrieg in den 90iger Jahren und dann 2014/15 aus Syrien und anderen Teilen der Welt. „Das Thema hat in seiner Bedeutung zugenommen“, so Karmasin.

Der Landrat dankte Hans Sautmann, dem Referenten für Integration und Migration, und all denjenigen, die an dem Integrationskonzept mitarbeiten, um die Lage der Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Das Konzept, das erarbeitet werden soll und vom Kreistag mit getragen wird, soll dazu beitragen, das Beste aus der Situation zu machen.

Der zum Kernteam der Projektleitung zählende Sautmann erläuterte den 22 anwesenden Mitgliedern des sogenannten Entscheidungskreises die wesentliche Zielsetzung. Der Sachverständigenrat für Integration und Migration in Deutschland hat im diesjährigen Jahresgutachten festgehalten, dass mittlerweile ein Viertel der Beschäftigten in der Bundesrepublik eine eigene Zuwanderungsgeschichte hat. Diese Mitbürger sind nach wie vor in wichtigen Aspekten schlechter gestellt. Sie arbeiten in weniger qualifizierten Bereichen, stehen häufiger in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und sind seltener im öffentlichen Dienst tätig. Diese Unterschiede lassen sich vor allem mit niedrigeren formalen Qualifikationen erklären. Aber auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle, nämlich Diskriminierung, fehlende Netzwerke, geringe Sprachkenntnisse oder einfach Vorbehalte von den Arbeitgebern.

Beschreibung trifft auch auf Landkreis FFB zu

„Diese knappe Beschreibung trifft auch auf unseren Landkreis zu“, sagte Sautmann. Diese Umstände zu verändern, soweit „Wir das auf Kreisebene vermögen, das ist der Gegenstand unseres Projektes.“

Bereits im vergangenen Dezember hat der Kreistag beschlossen, dieses Konzept auf den Weg zu bringen. Alle politischen Parteien im Kreistag haben diesen Beschluss einvernehmlich gefasst. Seit Dezember hat sich das Kernteam als organisatorischer Motor des Projekts gebildet (Mirko Sfeir, Hans Sautmann, Andrea Gummert, Dr. Michael Gumtau). Ab Oktober wird noch eine externe Projektunterstützung dazu stoßen. Sechs Arbeitsgruppen bearbeiten sechs Arbeitsbereiche (Bildung und Sprache, Ausbildung, Arbeit und Wirtschaft, Kunst, Kultur und Religion, Interkulturelle Öffnung/antirassistische Orientierung, Leben in der Gesellschaft und Lebensumfeld: Wohnen und Gesundheit). Zusätzlich wird es zu jedem Arbeitsbereich einen Bürger-Beteiligungs-Workshop geben.

Der Entscheidungskreis als projektinterne Entscheidungsinstanz besteht aus 23 Personen. Darunter befinden sich 13 Mitbürger mit Einwanderungsgeschichte aus Afghanistan, Bangladesch, Irak, Iran, Italien, Nordmazedonien, Peru, Spanien, Syrien, Türkei (2), Venezuela und Uganda. Komplettiert wird der Kreis durch zwölf Mitarbeiter aus Institutionen, Verbänden und Vereinen: Jobcenter, Schulamt, Caritas, AWO, Asylhelferkreise, Brucker Forum, IHK, Bürgermeister Puchheim, Integrationsreferent Germering, Integrationslotse, Referent für Integration im Kreistag, Stabsstelle soziale Angelegenheiten Kreisstadt FFB. Getagt wird alle zwei bis drei Monate.

Die wesentlichen Ziele


1. Stärkung der selbstbestimmenden Teilhabe der Bürger mit Bedarf an Integrationsunterstützung, 2. Gedeihliches Zusammenleben von Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund, 3. Interkulturelle Öffnung der Kommune anstoßen / Interkulturelle und antirassistische Orientierung als verbindliche Handlungsgrundlage schaffen, 4. Systematische Überprüfung der Maßnahmenwirkung anhand klar definierter Indikatoren / Zielgrößen und mit regelmäßiger Berichterstattung und 5. Bessere Ausschöpfung und gerechten Ausgleich der unterschiedlichen Fähigkeiten, Potentiale und Interessen in der Bevölkerung erreichen.

Dieter Metzler

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