Dealer oder kein Dealer?

32-jähriger Olchinger wegen des Besitzes von Rauschmitteln vor Gericht

Mehrer Tütchen mit verschiedenen Rauschmitteln.
+
Im Besitz des Olchingers fanden die Polizeibeamten Cannabis, Pilze, LSD und Amphetamine.

Fürstenfeldbruck – Wegen des illegalen Besitzes von Betäubungsmitteln wurde ein 32-jähriger Olchinger am 8. Februar vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck angeklagt. Im Konkreten waren dies Cannabis, Pilze, LSD und Amphetamine. Ein Verdacht auf den Verkauf der Mittel konnte sich auf Grund eines Mangels an Beweisen nicht verhärten.

Der Angeklagte und sein Verteidiger plädierten darauf, dass die Rauschmittel nur für den Eigenkonsum vorgesehen waren und räumten die Schuld des Olchingers voll und ganz ein. Er sei jedoch reuig und habe den Drogen abgeschworen, wie der Verteidiger „pathetisch“, wie er es selbst bezeichnete, zu verstehen gab.

Neben den Rauschmitteln hatten die Beamten unter anderem auch ein Handy zur Auswertung weiterer Hinweise, ein Soft-Air-Gewehr, eine Anleitung zum Anbau von Cannabis und eine Waage eingezogen.

Nachdem die Untersuchung des Handys keinerlei kompromittierende Daten zu Tage fördern konnte, entschied Richter Johann Steigmayer, das Mobiltelefon an den Angeklagten zurückzugeben, ebenso das Spielzeuggewehr, immerhin gehört es dem Neffen des 32-Jährigen, so der Verteidiger.

Zwei Zeugen

Als Zeugen zur Gerichtsverhandlung vorgeladen waren ein mit dem Abschlussbericht betrauter 29-jähriger Polizist und ein 40-jähriger Mann aus Paunzhausen (Landkreis Freising).

Der Paunzhausener war 2019 selbst den Polizisten wegen des Konsums von Betäubungsmitteln in die Fänge gegangen und aufs Revier mitgenommen worden. Damals hatte er den Beamten gegenüber Angaben zu zwei Rauschgiftverkäufern gemacht. Einem von ihnen habe er in Pasing Ware abgekauft, doch laut eigener Aussage soll dies eine einmalige Sache gewesen sein. Zudem hatte er laut Polizei Angaben zum Wohnort des Verkäufers geben können. Doch an diese Aussagen wollte er sich bei der Verhandlung nicht mehr erinnern. Er berichtete, den Angeklagten kenne er nicht unter dem bei der Verhandlung genannten Namen, sondern unter einem Pseudonym. Bei einer Probearbeit in einer Firma habe er ihn kennengelernt, seither jedoch nichts mehr mit ihm zu tun. Zudem soll er ihm niemals Drogen abgekauft haben. Entsprechende Aussagen habe er gegenüber der Polizei nie gemacht.

Während seiner Ausführungen vor Gericht wurde der Zeuge jedoch immer lauter und vergriff sich gegenüber Steigmayer wiederholt im Ton. „Solch ein Auftreten ist bodenlos“, ermahnte dieser den Zeugen scharf, bevor er ihn entließ.

Deutlich gemäßigter ging es bei der Anhörung des zweiten Zeugen zu. Auch der Polizist berichtete davon, dass der Paunzhausener, nachdem 2019 bei ihm Drogen gefunden worden waren, Angaben zum Verkäufer gemacht habe.

Polizei stellt Rauschmittel sicher

Bei den folgenden Ermittlungen war die Polizei schließlich auf den Angeklagten gestoßen. Nach einem Vollzugsbeschluss stellten die Beamten die Rauschmittel sicher.

Der Olchinger war bereits schon einmal wegen des illegalen Besitzes von Drogen angeklagt, zudem wegen Trunkenheit im Straßenverkehr. Beide Vergehen liegen jedoch bereits zehn Jahre zurück.

Der Staatsanwalt forderte deshalb nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung, zudem ein Drogenscreening.

Der Verteidiger plädierte hingegen darauf, dass der Besitz von verschiedenen Drogen nicht gleichbedeutend sei mit dem Verkauf der Rauschmittel. Mit einer Geldstrafe sei er einverstanden, doch die Freiheitsstrafe mit Bewährung sei überzogen. Hier argumentierte er für weniger Monate. Und auch das Drogenscreening hielt er für unnötig, immerhin sei der Vorfall über ein Jahr her. Stattdessen schlug er fünf Drogengespräche vor.

Steigmayer verlas schließlich das Urteil: Von einer Freiheitsstrafe sah er ganz ab, eine Geldstrafe sei seiner Meinung nach ausreichend. Es gäbe keinerlei Hinweise darauf, dass der Angeklagte mit den Drogen gehandelt habe. Der Richter erklärte, dass es im Fahrwasser des Rauschmittelkonsums immer vorkommen kann, als Verkäufer genannt zu werden, selbst dann, wenn man unschuldig sein sollte. Dem Beschuldigten attestierte er indes ein eindeutiges Problem mit Rauschmitteln, immerhin wurden auch härtere Drogen bei ihm gefunden. Die Strafzahlung setzte Steigmayer höher an als vom Staatsanwalt gefordert. „Das schmerzt. Das soll´s auch“, erklärt er seine Beweggründe, damit der Angeklagte seine Bestrafung spüre und nicht rückfällig werde. „Jetzt haben Sie es in der Hand“, gab er dem geläuterten Angeklagten noch mit auf den Weg bevor er ihn entließ.

Maximilian Geiger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare