43-Jähriger wegen leichtfertiger Geldwäsche angeklagt

Gericht: Geld aus Ebay-Verkäufen in Bitcoins umgewandelt

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Im Amtsgericht wurde gegen einen 43-Jährigen wegen leichtfertiger Geldwäsche verhandelt.

Ein 43-Jähriger musste sich am 28. März wegen leichtfertiger Geldwäsche vor dem Amtsgericht in Fürstenfeldbruck verantworten. Der Mann soll laut Staatsanwaltschaft in zehn Fällen Geld aus unterschlagener Ware beim Online-Marktplatz Ebay für eine Scheinfirma in Bitcoins umgewandelt haben. Dabei entstand ein Gesamtschaden von 7.216 Euro. Besonders pikant – der Angeklagte wurde bereits 2016 verurteilt und ist noch auf Bewährung.

Landkreis - Seine schwangere Frau, Alkohol und Angststörungen waren wohl Mitauslöser, dass sich ein 43-jähriger, gelernter Koch aus Germering nach einem Job von zu Hause aus suchte, der ihn später auf die Anklagebank bringen sollte, weil er sich der leichtfertigen Geldwäsche schuldig gemacht haben soll. Angefangen hatte alles im letzten Jahr. 

Dubiose Firma im Internet gefunden

Der 43-Jährige stolperte im Internet auf eine Stellenanzeige eines Dienstleisters, der Geld in die Kryptowährung Bitcoin umwandelt. „Sie sagten zu mir, dass mein Lebenslauf interessant klingt und würden mir einen Vertrag geben“, erzählt er dem Vorsitzenden Richter Ramsauer. Nachdem der Germeringer seine Identität mittels Personalausweiskopie verifiziert hatte, schickten sie ihm ein Arbeitsvertrag auf Probe zu. „In dem Vertrag standen vier Wochen Probezeit auf 450- Euro-Basis“, sagt er. Mit Aussicht auf Festanstellung – zu der es jedoch nie kommen wird. 

Austausch lief ausschließlich über E-Mail

Seine Aufgabe sollte darin bestehen, Geld aus dem Verkauf von Handys auf Ebay in die Kryptowährung Bitcoin umzuwandeln. Was er nicht wusste – die Ware hat ihren Käufer nie erreicht. „Ich habe am Tag zwei bis drei Aufträge erledigt“, sagt er. Der Austausch mit der Firma lief dabei ausschließlich über E-Mail. „Mir wurde gesagt, ich soll das Geld auf mein Konto einzahlen und dann in Bitcoins beantragen“, sagt er. Denn erst nach der Probezeit würde man ihm ein Firmenkonto stellen. Das ging solange gut, bis er die Bank wechselte, wodurch sich auch seine Bankverbindung änderte. „Ich habe dann versucht, über das Internet jemanden von der Firma zu erreichen“, sagt er. Ohne Erfolg. Als er Wochen später ins Internet geht, ist die Firma ebenso unauffindbar wie die 450 Euro, die er bekommen sollte. 

Angeklagte hinterfragte nicht die Strukturen

„Hielten Sie die Vergütung für angemessen?“, erkundigte sich Richter Ramsauer. Er bejaht: „Es war schon ein Aufwand von einer halben bis ganzen Stunde pro Auftrag.“ Außerdem hätte er gehofft, dass es nach der Probezeit mehr wird. Weder die Sinnhaftigkeit noch warum der Verkäufer das Geld unbedingt in Bitcoins ausgezahlt haben wollte, hätte er in Frage gestellt. „Haben sie sich nicht gewundert, wegen der Identifizierung?“, will der Staatsanwalt wissen. Er verneint und sagt, die Identifizierung hätte er so verstanden, dass es sich um eine seriöse Firma handelt. Weder das Geld auf dem Privatkonto, noch die ausbleibende Anfrage nach einem Führungszeugnis, hätten ihn stutzig gemacht, was der Staatsanwaltschaft jedoch recht ungewöhnlich vorkomme, schließlich hätte er mit Firmengeldern zu tun gehabt. 

Polizei ermittelt Wareneingänge auf dem Konto

Auf den 43-Jährigen stieß die Germeringer Polizei nachdem ein geschädigter Germeringer über Ebay ein Iphone ersteigern wollte, das Gerät jedoch nie ankam. Der Mann erstattete Anzeige und die Polizei ermittelte neun ähnliche Wareneingänge – alle auf dem Konto des Angeklagten. Als Richter Ramsauer mit der Verlesung des Strafregisters beginnt, wird klar, der Angeklagte sitzt nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. Elf Einträge, allesamt eingetragen vom Amtsgericht Dachau sind gelistet. Der letzte stammt aus dem Jahr 2016 – wegen Urkundenfälschung, bei der er zu einer Bewährungsstrafe von vier Jahren verurteilt wurde. 

Staat sanwalt fordert Geldstrafe - Verteidigung will Freispruch

„Die Staatsanwaltschaft sieht den Vorwurf der leichtfertigen Geldwäsche wie im Strafbefehl bestätigt“, sagt der Staatsanwalt. Objektiv gebe es keinen Zweifel daran, dass der Angeklagte leichtfertig und grob unachtsam vorgegangen sei. Dabei bezieht der Staatsanwalt sich auf die Art des Kontaktes, das private Konto für Firmengeschäfte und Bitcoins an sich, bei denen„besondere Vorsicht geboten ist“. Zugunsten hält er dem Angeklagten, dass er geständig gewesen sei und keine böse Absicht dahinter stecke. Zulasten allerdings, dass er „kein unbeschriebenes Blatt“ sei. 

Angeklagte muss Schaden ersetzen

Dem widerspricht der Verteidiger: „Juristen wissen von solchen Geschmäckle, aber er war Lagerarbeiter und hat einfach eine Arbeit gesucht“, sagt er. Man sei bewusst auf der Suche nach solchen Leuten, nach denen man die Angel auswirft. Er forderte einen Freispruch. Richter Ramsauer verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro. „Bei dem Wort umwandeln, hätte der Angeklagte die Nähe zur Geldwäsche sehen müssen“, sagt er. Das hätte der Angeklagte nicht getan, weil er das Geld gebraucht hätte. Dazu kommt, dass der 43-Jährige den zehn Geschädigten die 7.216 Euro ersetzen muss. 

Hamann

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