1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck

50 Jahre Olympia Attentat

Erstellt:

Von: Dieter Metzler

Kommentare

Landrat Thomas Karmasin spricht im Churfürstensaal über die bisherige Erinnerungsarbeit des Landkreises.
Landrat Thomas Karmasin spricht im Churfürstensaal über die bisherige Erinnerungsarbeit des Landkreises. © Metzler

Fürstenfeldbruck – Der Überfall von palästinensischen Terroristen 1972 bei den Olympischen Spielen in München auf israelische Sportler jährt sich heuer zum 50. Mal. Dabei kamen im olympischen Dorf und auf dem Militärflugplatz in Fürstenfeldbruck elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist ums Leben. Unter dem Erinnerungsprojekt „Zwölf Monate – zwölf Namen“ steht in diesem Jahr jeden Monat eines der Opfer im Mittelpunkt des Gedenkens. Der Monat Februar ist dem deutschen Polizeibeamten Anton Fliegerbauer gewidmet.

Aus diesem Anlass veranstaltete die Fachhochschule der Polizei am Dienstagnachmittag im Churfürstensaal eine Gedenkfeier für den im Kugelhagel umgekommenen Polizisten. Am 9. Februar fand bereits mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann vor dem Gebäude des Polizeipräsidiums in München eine Gedenkfeier für Fliegerbauer statt.

„Wir wollen heute gemeinsam mit dem Polizeipräsidium München, dem Israelischen Museum München, dem Landratsamt Fürstenfeldbruck und dem Historischen Verein Fürstenfeldbruck an die Ereignisse von vor 50 Jahren erinnern“, eröffnete der Fachbereichsleiter der Polizeihochschule, Ingbert Hoffmann, die Gedenkfeier.

Aufgrund von Corona fand die Veranstaltung unter erschwerten Bedingungen statt, und es waren deshalb nur 70 Gäste geladen. Unter ihnen befanden sich die Witwe Maria-Theresia Niedermeier sowie weitere Familienangehörige Fliegerbauers. Auch die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Carmela Shamir, war anwesend.

Schweigeminute

Es sollten heitere Spiele werden, Spiele, die der Welt ein anderes Deutschland zeigten, als die von den Nationalsozialisten 1936 in Berlin missbrauchten Spiele – weltoffen, freundlich und ohne große Polizeipräsenz. Daran erinnerte Hoffmann, als er auf die Ereignisse am 5. September einging. Den Opfern einen Namen geben, heißt die Erinnerung an sie wach zu halten. „Gemeinsam mit Ihnen, Familie Fliegerbauer, wollen wir uns heute an Anton erinnern.“ Leider gäbe es im Leben eines Polizisten Momente, die den Beamten stets daran erinnern, dass ihn ein gewisses Risiko begleitet, erinnerte Hoffmann an den Tod der beiden Polizeibeamten in Rheinland-Pfalz. „Auch Anton Fliegerbauer war einer von uns, der hier auf dem Militärflughafen auf tragische Weise ums Leben kam“, sagte Hoffmann und bat die Gäste um eine Schweigeminute für alle Opfer.

Landrat Thomas Karmasin ging auf die Erinnerungsarbeit des Landkreises ein. Vom 25. Jahrestag des Attentats 1997, als erstmals eine Gedenkfeier vor dem alten Tower stattfand und zwei Jahre später die Gedenkstätte vor der Hauptwache eingeweiht wurde. Für ihn stehe der persönliche Aspekt des Gedenkens immer im Vordergrund, sagte der Landrat. Er sei dankbar, dass in der Landkreisbevölkerung das Bedürfnis des Gedenkens bis heute spürbar sei. Karmasin erinnerte an die 40-Jahr-Gedenkfeier 2012 mit 1.000 Gästen erstmals mit den Angehörigen der Opfer aus Israel und den USA auf dem Rollfeld.

Opfer nicht in Vergessenheit geraten lassen

Man werde weiterhin dafür sorgen, so der Landrat, dass die Opfer nicht in Vergessenheit geraten. Solange der Ort des Geschehens im Fliegerhorst öffentlich nicht zugänglich ist, habe das 2013 gegründete Forum nach anderen Möglichkeiten gesucht, um die Erinnerungen wach zu halten. Mit dem digitalen Erinnerungsort habe der Landkreis aus der Not eine Tugend gemacht, sagte Karmasin. Es sei mehr als eine Notlösung, so der Landrat. Insbesondere durch seine größere Reichweite. Ab der Öffnung des Originalschauplatzes bestehe die Möglichkeit, den digitalen Ort mit dem tatsächlichen Ort zu verschmelzen.

Aktuell entstehe eine Homepage in vier Sprachen. Parallel dazu soll es noch eine App geben. Beide sollen von einer Sozial-Media-Strategie begleitet werden. „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, die Ereignisse in einer Form zu präsentieren, um sie auch bei der nachfolgenden Generation wach zu halten.“

In einem Vortrag beleuchtete Ulrike Bergheim vom Historischen Verein die geschichtliche Entstehung und die politischen Zusammenhänge bis hin zum Anschlag.

Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel sprach über die Lehren, die die Polizei aus dem Olympiaattentat von 1972 gezogen hat. Dabei gestand Hampel ein, dass die Polizei damals das gesamte Szenario völlig falsch eingeschätzt hatte. Dementsprechend war die Polizei nicht für solche Terroranschläge vorbereitet. Erst später wurde die GSG9- Spezialeinheit gegründet. Für den 5. September kündigte Hampel zentrale Veranstaltungen sowohl in München als auch in Fürstenfeldbruck an.

Metzler

Auch interessant

Kommentare