15-Jährige stirbt bei Verkehrsunfall

Stiefvater vor Gericht

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Das Auto überschlug sich mehrmals.

Um den tragischen Tod einer 15-Jährigen bei einem Autounfall durch unglückliche Umstände ging es bei der Gerichts-Verhandlung am 14. September.

Fürstenfeldbruck – Der angeklagte Stiefvater wirkt noch immer schwer mitgenommen. Im Laufe der Verhandlung wird er nur selten etwas sagen. Er lässt seinen Anwalt für sich reden. Auf die Frage des Richters, ob er Fragen an den Anwalt des Angeklagten hat, verfällt der Anwalt des leiblichen Vaters der Verstorbenen, den er in einer Nebenklage vertritt, in einen Monolog: „Ich kenne die Verstorbene und ihre Familie. Meine Töchter und ich waren jahrelang mit ihr in einem Sportverein. Mit 15 Jahren hatte sie noch ihr ganzes Leben vor sich. Ihre ältere Schwester, die trotz den Umständen des vergangenen Jahres ihr Abitur geschafft hat, ist nun für ein Jahr in Australien, weil sie es zuhause nicht mehr ausgehalten hat. Ich verstehe nicht, warum bei solch einem tragischen Fall, die eh schon geringe Strafe angefochten wird“. 

Stieftochter hatte Termin im Nagelstudio

Der Anwalt des Angeklagten kontert daraufhin schnippisch: „Ich habe da keine Frage rausgehört“, wofür ihn der Richter ermahnt. Die Stimmung zwischen beiden Parteien ist sichtlich angespannt. Die Verstorbene war die Tochter der Lebensgefährtin des Angeklagten, zu der der 52-Jährige ein väterliches Verhältnis hatte. Er wohnt immer noch mit ihrer Mutter und älteren Schwester zusammen und kommt für deren Unterhalt auf. Der Unfallhergang wird wie folgt beschrieben: Der Angeklagte wollte seine Stieftochter zu einem Nagelstudio fahren, bei dem sie mit einer Freundin verabredet war. Er fuhr auf der Bundesstraße 2 mit einem Wagen der ihm von seinem Arbeitgeber zu Verfügung gestellt wurde. Als er in einer Kurve zu stark beschleunigte, geriet das Auto ins Schleudern und überschlug sich mehrmals. 

"Ich kann mir den Unfall nicht erklären"

Als die Polizei eingetroffen war, hatte der Angeklagte das Mädchen, das durch den Unfall ein offenes Schädelhirntrauma sowie starken Blutverlust erlitten hatte, in die stabile Seitenlage gebracht und sie zeigte noch Vitalfunktionen. Kurz nach Eintreffen der Rettungskräfte erlag sie jedoch ihren Verletzungen. Der Angeklagte verletzte sich nur leicht, hatte aber einen schweren Schock, der ihn für die Polizei so gut wie nicht ansprechbar machte. Später konnte er sich an einige Details des Unfalls nicht mehr erinnern. „Ich kann mir nicht erklären, warum das Auto ins Schleudern geraten ist. Ich habe normal beschleunigt und trotz winterlicher Kälte, war die Straße meines Erachtens trocken“, sagt der Angeklagte zu seiner Verteidigung. 

"Straße muss trocken gewesen sein"

„Ich kenne die Strecke – ich fahre sie jeden morgen.Eine Geschwindigkeit von den errechneten 80 Km/h ist dort nicht ungewöhnlich. Mein Mandant hatte das Fahrzeug zu dem Zeitpunkt grade mal fünf Tage benutzt, er konnte das Fahrverhalten dementsprechend nicht richtig einschätzen“, unterstützt ihn sein Anwalt. Auch nach Meinung des Unfallexperten ist der Unfallgrund eine Kombination aus mehreren Faktoren und nicht eindeutig festlegbar. „Die Straße muss trocken gewesen sein, obwohl es geschneit hatte, sonst wären die vorhandenen Reifenspuren nicht möglich gewesen. Das Problem bei Pickup Trucks ist, dass sie eine unvorteilhafte Gewichtsverteilung haben. Das Heck ist ungewöhnlich leicht und somit anfälliger auszuschlagen. Im Vergleich zu einem normalen Pkw fährt er sich eher wie ein Lastwagen“, erklärt der Sachverständige. 

Angeklagter hatte Erfahrung mit verschiedenen Kraftfahrzeugen

Doch auf Frage des Richters Ramsauers stellt sich heraus, dass der Angeklagte einen Lkw-Führerschein besitzt und schon mit verschiedenen Kraftfahrzeugen Erfahrung gesammelt hat. „Die Situation war für ihn vorhersehbar“, argumentiert die Staatsanwaltschaft. „Zudem sollte man bei einem Fahrzeug, das einem nicht bekannt, ist zusätzliche Vorsicht walten lassen“, fügt diese hinzu.Die Staatsanwaltschaft fordert ein dreimonatiges Fahrverbot, sowie eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 50 Euro.

Eine Geldstrafe würde den Hinterbliebenen schaden

„Die Staatsanwaltschaft sollte die privaten Umstände stärker miteinbeziehen. Der Angeklagte lebt immer noch mit der Mutter der verstorbenen sowie ihrer älteren Schwester zusammen und unterstützt diese finanziell. Er und alle Angehörigen versuchen immer noch den Verlust zu verarbeiten. Eine Geldstrafe wäre somit eine erhebliche Last für alle Beteiligten und nicht im Sinne der Wiedergutmachung. Ein Fahrverbot als Art der Erziehung macht auch keinen Sinn, da mein Mandat langjährige Fahrerfahrung hat und in der Vergangenheit nie durch sein Fahrverhalten auffällig geworden ist. Es würde lediglich seinen Job als Maschinentechniker behindern, bei dem er jeden Tag aufs Auto angewiesen ist“, kontert der Anwalt des Angeklagten.

 Letztendlich verurteilte der Richter den Angeklagten zu einem Fahrverbot von einem Monat sowie zu 90 Tagessätzen von je 40 Euro. Zudem muss er die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage des leiblichen Vaters übernehmen.

Wullimann

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