Auf den Spuren des Restmülls

Abfall sortieren mal anders: Restmüll-Analyse für den Landkreis

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Hinten kommt der große Müll raus – der kleine fällt durch die Trommel – und wird dort in verschiedene Kategorien sortiert.

Wenn Menschen in Blaumännern im Müll wühlen, und das im großen Stil, heißt dies: Müllanalyse.

Fürstenfeldbruck/Geiselbullach – Der Abfallwirtschaftsbetrieb Fürstenfeldbruck hat eine solche Analyse des Restmülls zum ersten Mal in Auftrag gegeben und Mitte Mai durchführen lassen. Der Grund: „Wir möchten wissen, wie gut die Landkreisbürger ihren Müll trennen, also wo Nachholbedarf herrscht“, erklärt Barbara Steinmetz vom Abfallwirtschaftsbetrieb Fürstenfeldbruck.

Für diese Analyse holen die Müllmänner aber nicht einfach irgendwelche privaten Restmülltonnen ab, sondern spezielle: „Wir haben vier große Stichprobengebiete“, sagt die Abfallwirtschaftsbetrieb-Chefin Sabine Schulz-Hammerl und zählt auf: „ein städtisches Wohngebiet, ein Mischgebiet mit ein paar Läden, ein ländliches Gebiet und ein Stadtrandgebiet.“ Die Analyse ist dabei ganz anonym, versichert sie. Bei keinem wird danach geklingelt und gerügt, sollte etwas im Restmüll gelandet sein, was da nicht hingehört.

Sortier-Zelt beim Abfallheizkraftwerk in Geiselbullach

Manfred Santjer, Bereichsleiter des ausführenden Unternehmens der Analyse, kippt den Restmüll auf ein Fließband, wo dieser zunächst nach Größe sortiert wird.

Es schüttet wie aus Eimern und es sollte an diesem Tag Mitte Mai auch kaum mehr aufhören. Doch für Manfred Santjer und sein Team sind das ideale Temperaturen. Er und vier weitere Mitarbeiter vom Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management sortieren vier Tage lang in Geiselbullach beim Abfallheizkraftwerk den Müll. Viele große Restmülltonnen, wie sie meist bei größeren Wohngemeinschaften stehen, reihen sich im provisorischen , großen Zelt aneinander. Ein Mann im Blaumann hievt gerade die Plastiksäcke aus einem davon heraus, reißt sie auf und leert ihren Inhalt auf ein Förderband. Das rattert los. Der Müll wandert in eine Trommel. „Hier werden die großen von den kleinen Teilen getrennt, alles was kleiner als vier Zentimeter ist, fällt nach unten in eine Kartusche“, erklärt Ingenieur Santjer. Alles, was größer ist, kommt am anderen Ende wieder raus. Im Fachjargon heißt das: Hier wird der Feinmüll-Gehalt bestimmt. Am anderen Ende des Förderbands hinter der Trommel stehen schon weitere Mitarbeiter parat. Ihre Aufgabe ist es, den „großen“ Müll fein säuberlich zu sortieren, denn darum geht es bei der Analyse hauptsächlich. 

Um die Sortier-Mitarbeiter stehen viele kleine Restmülltonnen. Diese sind zum Beispiel mit „Hygieneartikel“, „Windeln“, „Verpackungen“ beschriftet – also mit Dingen, die in den Restmüll gehören oder dort oft fälschlicher Weise landen. Eine Windel wird zur vorherigen geworfen, ein Yogurtbecher, der eigentlich in die Gelbe Tonne gehört hätte, kommt zu „Verpackungen“. Wenn der ganze Müll der Tonne einmal durch die Trommel befördert wurde, schaltet Santjer das Gerät ab. Zwei Männer nehmen die Kartusche und leeren den Fein-Müll über ein feines Sieb aus. Kronkorken, Asche, Zigarettenstummeln, ein Flummi und Teile eines Feuerzeuges befinden sich im „kleinen“ Müll. Auch dieser wird sortiert. Vier große Müllbehälter schaffen die Mitarbeiter etwa pro Tag.

"Biomüll bei 30 Grad sortieren ist nicht mehr schön"

Der Geruch hält sich die ganze Zeit in Grenzen. „Man gewöhnt sich daran. Aber Biomüll sortieren bei 30 Grad finden auch die Hartgesottenen nicht mehr schön“, gibt Santjer zu, der bundesweit etwa zwei solcher Analysen im Jahr durchführt. Deshalb begrüßt er auch das Regenwetter: „So zehn Grad sind ideal.“ Am Ende wird natürlich nicht Windel für Windel und Kronkorken um Kronkorken gezählt, sondern die einzelnen, sortierten Restmülltonnen gewogen. So lässt sich schließlich die Zusammensetzung des Restmülls bestimmen.

Einmal ein Sack toter Tauben gefunden

Asche, leere Filzstifte, der kaputte Regenschirm, alte Röntgenbilder – darf das in den Restmüll? Wer sich nicht sicher ist, was in den Restmüll darf und was nicht, kann auf www.awb-ffb.de auf das Abfall-ABC klicken. In alphabetischer Reihenfolge steht hier zu jedem erdenklichen Gegenstand, wie und wo er entsorgt werden kann.

Wirklich Kurioses wurde bei der Analyse für den Landkreis Fürstenfeldbruck nicht gefunden. „Einmal haben wir eine ganze Tüte toter Tauben gefunden“, erzählt Santjer von einem anderen Mal in einer anderen Stadt. Die unweigerliche Frage nach Leichen kann er zum Glück vereinen. „Die entsorgen sie wohl anders“, schmunzelt er. „Es wurden bisher noch keine Batterien gefunden“, freut sich dagegen Sabine Schulz-Hammerl bereits nach dem ersten Tag in Geiselbullach. Denn in anderen Analysen kommt es häufig und schnell vor, dass Batterien gefunden werden – und die kommen schließlich zur Batteriesammelstelle. „Das hat sich in den folgenden Tagen bestätigt, Schadstoffe wie Lacke und Batterien sind kaum vorgekommen“, kann Santjer Tage danach bereits bilanzieren.

Was nun wirklich bei der Analyse herauskommt, weiß der Abfallwirtschaftsbetrieb wohl im Juli. Denn nach der Auswertung Ende Mai folgen nun Anfang Juni die Hochrechnungen, damit Zahlen für den gesamten Landkreis vorliegen. Im Herbst soll das Ergebnis dann öffentlich dem Kreistag vorgestellt werden.

Auf dem Land wird besser getrennt

Je nach Ergebnis sollen anschließend Maßnahmen getroffen werden. „Sollte beispielsweise herauskommen, dass viel Papier über den Restmüll entsorgt wird, müssen wir hier die Öffentlichkeitsarbeit verstärken und womöglich mehr Sammelstellen für Altpapier anbieten“, gibt Barbara Steinmetz ein Beispiel für eine mögliche Maßnahme. „Es ist aber sicher, dass wir in den ländlichen Regionen die Bürger eher erreichen, hier wird besser getrennt“, weiß Schulz-Hammerl ohne das Ergebnis zu kennen. In städtischen Gebieten, besonders in größeren Wohngemeinschaften mit großen Restmülltonnen, sei das Wegwerfen anonymer und somit der Anreiz für eine sorgfältige Trennung weniger gegeben. 

Miriam Kohr


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