Aktion des AWB: Kaffeepause ohne Müll

Dem Pappbecher den Kampf ansagen

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Sabine Rusche, Barbara Steinmetz und Stefan Mayer vom AWB gaben den Kunden der Wertstoffbörse Gebäck und Kaffee aus und informierten über die Umweltsünde Einwegbecher.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb informierte in der Wertstoffbörse, dass eine "Kaffeepause ohne Müll" möglich ist.

Fürstenfeldbruck – 2,8 Milliarden Einwegbecher werden in Deutschland pro Jahr benutzt. Die Produktion der Pappbecher verbraucht Unmengen an Strom und Wasser. Zudem müssen für die Becher jährlich 43.000 Bäume gefällt werden. Diese Becher samt Plastikdeckeln verursachen so jährlich 40.000 Tonnen Abfall. Meist landet der Coffee-to-go Becher im Restmüll und wird deshalb nicht recycelt. Die Ökobilanz eines zunächst so unscheinbaren Gegenstandes ist also miserabel. Dabei gäbe es so viele umweltfreundlichere Alternativen. Darauf machte der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises in der Wertstoffbörse aufmerksam.

Oase der Ruhe inmitten des Gewusels

Geschäftiges Wuseln in der Wertstoffbörse am Kugelfang: Eine Frau sichert sich ein Teeservice, zwei Männer begutachten Hausschuhe, eine Familie baut ein Holzregal auseinander, eine Seniorin durchwühlt eine Klamottenkiste, ein Mädchen möchte unbedingt das Schaukelpferd. Doch in der oberen Etage, im hintersten Ende, herrscht eine ruhige, gemütliche Wohnzimmeratmosphäre. Verschieden große bestuhlte Tische mit farbigen Tischdecken und Blumengestecke füllen den Raum vor einer Theke. Einige Plätze sind besetzt. Die Kunden lassen sich Kaffee, Tee sowie Gebäck schmecken und unterhalten sich über ihre neuesten Errungenschaften. 

Schnäppchenjäger genießen Café

Möbel und Dekoration aus zweiter Hand schaffen im Wertstoffhof eine gemütliche Atmosphäre, in der sich viele Kunden fünf Minuten Zeit für eine echte Kaffeepause nehmen.

Da sitzen auch Martina und Lilly mit ihren beiden Söhnen. Martina hat eine Zeitungsrolle für ihren Bruder gekauft, der in ein neues Haus zog. Die Jungs zeigen stolz ihre Verkehrsschilder ohne Kennzeichen. Die vier sind in der Wertstoffbörse Stammgäste. „Wir kommen fast jede Woche hier her und sichern uns die besten Schnäppchen“, sagt Lilly. Ein Eisenbett haben sie schon gekauft, von dem sie im Garten nun die Sterne beobachten, ein Klavier, Tennisbälle, unzählige Bücher und Schürzen haben sie schon mit nach Hause genommen. „Wir haben von hier auch so viel Geschirr, damit könnten wir das Café direkt weiter ausstatten“, sagt Martina. Denn die Café- und Kuchentheke steht im Raum nur vorübergehend. „Normalerweise verdecken voll behangene Kleiderstangen die Wände und Regale füllen den Raum vollständig aus“, beschreiben die Beiden, die sich hier bestens auskennen.

Auffüllbecher als Alternative

Der Brucker Becher (rechts) sowie der Re-Cup Becher hat sich im Landkreis bereits etabliert.

Die Kaffee-Aktion ist eine Idee des Abfallwirtschaftsbetriebes, der sich an der europaweiten Kommunikationskampagne „Kaffeepause ohne Müll“ während der Europäischen Woche der Abfallvermeidung beteiligte. Neben Kaffee aus Porzellantassen und Gebäck auf normalen Tellern reichten die Mitarbeiter des AWB Flyer zur Ressourcenverschwendung durch Coffee-to-go-Einwegbecher. Plakate gaben zudem Tipps, wie sich Müll weiter vermeiden lässt. Dabei hatten sie auch mögliche Alternativen zum Einwegbecher im Gepäck, wie den Brucker Becher der Stadt Fürstenfeldbruck und Recup-Becher, die vor allem in Germering angeboten werden. Beide Becher können in Cafés erworben werden und dann immer wieder mitgebracht und wieder aufgefüllt werden. „Den Brucker Becher bieten mittlerweile 25 Cafés an“, informiert Barbara Steinmetz vom AWB.

Fürs Kaffeetrinken Zeit nehmen

Doch die vielleicht beste Alternative ist, seinen Kaffee entspannt vor Ort aus einer Porzellantasse, die eine fast unbegrenzte Lebensdauer hat, zu genießen. So sieht das auch Lilly: „Ich habe noch nie Kaffee aus einem Pappbecher getrunken. Kaffeetrinken bedeutet für mich auch Zeit zu haben und zu genießen. Diese fünf Minuten sollte man sich einfach nehmen“. In diesem Sinne lud der AWB die Bürger etwa vier Stunden – ganz ohne Müll – ein. Wer mochte, konnte seine AWB-Porzellantasse anschließend mitnehmen. „Wir dachten, ein Café mit Second-Hand-Möbeln in einem Ort wie der Wertstoffbörse ist der perfekte Ort, um auf die Probleme der Ressourcenverschwendung aufmerksam zu machen“, erzählt Steinmetz. 

Vermeidung von Müll oberstes Gebot

„Der Coffee-to-Go-Becher steht symbolisch für alle Einwegsachen“, sagte Stefan Mayer, ebenfalls vom AWB. Auch wenn der Abfallwirtschaftsbetrieb mit Müll sein Geld verdient, ist es deren oberstes Ziel, dass Müll vermieden wird. „Das ist auch in der Abfallwirtschaftssatzung des Landkreises so festgeschrieben“, erklärt Steinmetz. Außerdem lande der Pappbecher vorwiegend im Restmüll, und diesen zu entsorgen koste Geld, da er selten recycelt werden könne.

Kohr

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