Rückbau von Don-Bosco-Heim hat begonnen.

15 000 Tonnen Schutt müssen weg

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Düstere Stimmung in einem verlassenen Badezimmer: So wie in diesem Raum wird im gesamten Gebäude das Inventar entfernt.

Germering – Startschuss für den größten Abbruch, den Germering je gesehen hat: Spezialisten haben damit begonnen, das Don Bosco Alten- und Pflegeheim abzutragen. Anschließend soll für 20 Millionen Euro ein neues Pflegeheim entstehen.

Aus Decken und Wänden hängen abgeklemmte Kabel, auf dem blanken Betonboden liegen Scherben, durch die dunklen Gänge hallt Bohren und Hämmern, Staub liegt in der Luft: Der Abbruch des Don Bosco-Altenheims beginnt von innen. Die Möbel haben sie schon weggeschafft, jetzt geht es an die Eingeweide des 1972 errichteten Gebäudes. Leitungen, Isolierungen, Decken, Böden: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, fliegt raus. „Die Stoffe werden von den Arbeitern sortenrein getrennt“, sagt Michael Kreppold, als Bauleiter für den Abriss zuständig. 

Sanierung wäre zu aufwendig und teuer

Dass der Firmenchef aus Odelzhausen mit seinem Abbruchunternehmen überhaupt anrücken muss, liegt an der so genannten Beton-Schotten-Bauweise des über 40 Jahre alten Gebäudes. Sie macht es unmöglich, den Komplex zu sanieren und fit für die heutigen Anforderungen eines Pflegeheims zu machen, erklärt der Projektleiter der Caritas Georg Hintermaier. 

1000 Lastwagenladungen

Deswegen wird das Gebäude jetzt zurückgebaut – ein Projekt, das es so in Germering noch nie gab. Die Zahlen sind beeindruckend: Das fünfstöckige Gebäude hat rund 10 500 Quadratmeter Geschossfläche, 27 000 Kubikmeter umbauten Raum und bringt stolze 15 000 Tonnen auf die Waage. Krepp0ld schätzt, dass rund 1000 Lastwagen-Ladungen nötig sein werden, bis der letzte Stein aus der Großen Kreisstadt geschafft ist. 

Asbesthaltige Dämm-Platten müssen entsorgt werden 

Wie viele ältere Gebäude hält auch das Don Bosco-Heim einige Überraschungen bereit. In den späten 60ern, als der Komplex geplant wurde, war der Umgang mit Schadstoffen wesentlich entspannter als heute. Viele Gefahren, die man mittlerweile kennt, waren damals noch nicht bekannt. Deshalb steckt in dem Gebäude auch noch massenhaft Asbest. Der hochgiftige und krebserregende Baustoff versteckt sich vor allem in der Fassade. Deshalb lässt Abbruch-Chef Kreppold das komplette Gebäude einrüsten und die gefährlichen Dämm-Platten einzeln von seinen spezialisierten Mitarbeitern entfernen. Eine Gefahr für Mensch oder Umwelt besteht nicht, versichert Kreppold. „Das Asbest ist in den Platten fest gebunden. Die gefährlichen Fasern werden nicht frei.“ Auch in einigen Lüftungskanälen müssen die Arbeiter den gefährlichen Stoff noch entfernen. Im Vorfeld des Abbruchs hatten Spezialisten das Gebäude auf Schadstoffe untersucht und Proben genommen – so wusste man schon vor Beginn der Arbeiten wo die unangenehmen Überraschungen lauern.

Mitte Juli rücken die Abrissbagger an

Bis Mitte Mai soll die so genannte Schadstoff-Sanierung noch dauern. Mitte Juli rücken dann die großen Abrissbagger an. Mit ihren bis zu 28 Meter langen Auslegern „knabbern“ sie den Koloss aus Stahl und Beton dann langsam ab. Eine Sprengung habe von vornherein wegen der Erschütterungen und der immensen Staubentwicklung nie zur Debatte gestanden. 

Belastung für Anwohner soll so niedrig wie möglich sein 

Stauben wird es aber auch beim konventionellen Abriss. Um die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten setzt das Abbruch-Unternehmen spezielle Wasser-Zerstäuber an seinen Baggern ein. Der Schutt des Gebäudes wird übrigens recycelt – das Material dient dann als Unterbau für neue Gebäude oder kommt im Straßenbau zum Einsatz. 

Neubau für 20 Millionen

Sobald die Reste des alten Gebäudes weggeschafft worden sind, will die Caritas mit dem Bau des neuen Heims beginnen. Der Neubau soll eine „Doppel-L-Form“ bekommen, fünf Stockwerke haben und rund 20 Millionen Euro kosten. „Das ist langfristig das Sinnvollste“, sagt Projektleiter Hintermaier. In dem Neubau sollen 20 Tagespflege-Plätze 63 stationäre Pflegeplätze sowie 40 bis 50 Plätze im Betreuten Wohnen entstehen. Hintermaier: „Dafür benötigen wir eine zeitgemäße Infrastruktur.“

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