1. Luftwaffendivision nimmt Abschied  bei feierlichem Appell mit Serenade auf dem Areal des ehemaligen Klosters Fürstenfeld 

Wiege der Luftwaffe ist Vergangenheit: Abschied der 1. LwDiv vor dem ehemaligen Kloster Fürstenfeld im Fackelschein 

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Abschied im Fackelschein.

 Fürstenfeldbruck - Mit einem feierlichen Appell auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Fürstenfeld verabschiedete sich die 1. LwDiv in Fürstenfeldbruck von der Bevölkerung. Nach 56 Jahren wird der Verband zum 30. Juni 2013 im Rahmen der Konversion aufgelöst. Der Standort selbst, an dem sich die Offizierschule der Luftwaffe befindet, soll erst bis etwa 2018 geschlossen werden. 

Feuerwehrvorsitzender  Andreas Lohde überreichte Generalmajor Robert Löwenstein die Bayerische Feuerwehrmedaille. 

 Das Kommando 1. Luftwaffendivision (LwDiv) wird zum 30. Juni 2013 in das Kommando Einsatzverbände Luftwaffe am Standort Köln/Wahn aufgehen. Der Termin für den feierlichen Appell in Fürstenfeldbruck wurde so früh angesetzt, weil nur jetzt noch genügend Angehörige der Luftwaffe verfügbar  seien. Etwa 120  Dienstposten umfasste der Kommandostab einmal. Am 23. April 2013 waren nur noch 51 Soldatinnen und Soldaten vor Ort. Der Abschied erzeugte Wehmut - sowohl bei dem aus dem Rheinland stammenden Generalmajor Robert Löwenstein als auch bei Oberbürgermeister Sepp Kellerer und den Bürgern, die sich auf dem Gelände vor dem ehemaligen Kloster Fürstenfeld eingefunden hatten. Zum Abschied war auch das Luftwaffenmusikkorps 1 aus Neubiberg angetreten, und die Gäste wurden anschließend zu einem Abschieds-Empfang in das Offiziers-Casino geladen. 

redkb



Mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivars der Stadt Fürstenfeldbruck, Dr. Gerhard Neumeier,  werden zwei von ihm verfasste, wissenschaftliche Abhandlungen über die Geschichte des Fliegerhorstes angefügt. 

Der Fliegerhorst 1956/57 bis Anfang der 1990er Jahre

Von Dr. Gerhard Neumeier 

Kaum eine andere Einrichtung hat Fürstenfeldbruck nach dem Zweiten Weltkrieg so geprägt wie der Fliegerhorst. Nachdem in der letzten Ausgabe die Zeit, in der die US-Luftwaffe Herrscher über den Fliegerhorst war, behandelt wurde, soll es heute um die Jahrzehnte danach gehen. Seit der Übernahme des Fliegerhorsts durch die bundesdeutsche Luftwaffe in den Jahren 1956/57 gilt „Fursty“ als „Wiege der Luftwaffe“.

Die Übergangsphase

Soldaten  der 1. LwDiv am Fliegerhorst FFB.

Am 6. Mai 1955 trat die Bundesrepublik Deutschland der NATO bei und erhielt das Recht, eigene Streitkräfte aufzustellen. Am 23. November 1955 besuchte Verteidigungsminister Blank die Luftwaffenstützpunkte Fürstenfeldbruck, Landsberg und Kaufbeuren, bei diesem Besuch wurde von deutscher und amerikanischer Seite bekanntgegeben, dass der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck ab 2. Januar 1956 für die Ausbildung deutscher Piloten genutzt werden würde. Die Führung des Fliegerhorstes sollte zunächst noch in amerikanischen Händen bleiben und nach und nach an die deutschen Verwaltungsbehörden überführt werden. Fürstenfeldbruck wurde so zur „Wiege der Luftwaffe“. Am 15. Januar 1956 wurde mit der Ausbildung der Flugschüler begonnen. Am 16. Januar 1956 besuchte der Oberst der kurz zuvor gegründeten deutschen Luftwaffe, Werner Panitzki, den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Werner Panitzki wurde im Jahr 1911 in Kiel geboren, 1930 trat er in die preußische Landespolizei ein und erreichte dort im Jahr 1935 den Rang des Leutnants. Im gleichen Jahr wechselte er zur nationalsozialistischen Luftwaffe und war bei Kriegsausbruch am 1. September 1939 Hauptmann bei der Luftkriegsakademie. Beim Angriff auf Polen war Panitzki Generalstabsoffizier der Luftflotte 1 unter Albert Kesselring. Nach seinem Flugzeugabsturz im Jahr 1941 wurde er zum Stab abkommandiert, seit Ende des Zweiten Weltkriegs war er bis 1947 in westalliierter Kriegsgefangenschaft und danach als Kaufmann in Kiel tätig. In den Jahren 1948 bis 1952 war Panitzki Angehöriger der „Organisation Gehlen“, dem Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes, im Jahr 1952 trat er dem Amt Blank bei, dem Vorgänger des Bundesministeriums für Verteidigung und 1955 folgte sein Eintritt in die Bundeswehr. Bis zum Jahr 1957 diente er als Chef des Stabes der Abteilung VI Luftwaffe, in dieser Zeit folgte seine Ernennung zum Brigadegeneral, ab Juni 1957 war er Stellvertreter des ersten Inspekteurs der Luftwaffe, Josef Kammhuber, und Chef des Führungsstabes der Luftwaffe. Bei seinem Besuch des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck am 16. Januar 1956 wies Panitzki darauf hin, dass die Mehrzahl der für die entstehende Luftwaffe benötigten Flugplätze erst gebaut werden müsse, dass jedoch schon feststehe, dass Fürstenfeldbruck, Landsberg, Kaufbeuren und Erding in deutsche Hände übergehen werden. Bald wurde der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck zum Vorbild für andere Militärflugplätze in der Bundesrepublik Deutschland und es wurde mit dem Aufbau der „Flugzeugführerschule B“ begonnen. Im September 1956 graduierten in Fürstenfeldbruck die ersten deutschen Jet-Piloten.

Übernahme durch die deutsche Luftwaffe und die weitere Entwicklung

Das ehemalige Kloster Fürstenfeld bot eine prächtige Kulisse für den Appell. 

Am 1. November 1957 wurde der Fliegerhorst durch die bundesdeutsche Luftwaffe übernommen. Am 24. September 1961 fand die Grundsteinlegung des Ehrenmals der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck statt, bereits im November 1962 konnte der erste Bauabschnitt eingeweiht werden, die Festansprachen hielten Kardinal Döpfner und Josef Kammhuber. Ein weiteres Jahr später wurde am Volkstrauertag 1963 der Bau des Gedenksteins abgeschlossen. Seit dem Jahr 1977 prangt der Spruch „IHR SEID UNVERGESSEN“ am Ehrenmal. Dieses Mahnmal sollte an alle Toten der Luftstreitkräfte und an alle verunglückten Toten der Luftfahrt erinnern, finanziert wurde es durch eine dafür gegründete Stiftung sowie durch Spenden aus Militärkreisen und der Bevölkerung. Im Jahr 1972 wurde der Fliegerhorst durch das Attentat palästinensischer Terroristen bei den Olympischen Spielen in München auf traurige Art und Weise weltberühmt. Anfang der 1970er Jahre zog die in Neubiberg beheimatete Offiziersschule der Luftwaffe nach Fürstenfeldbruck um, die ersten Planungsarbeiten in Fürstenfeldbruck begannen im Jahr 1973. Am 15. Mai 1977 war der Bau abgeschlossen, das Gebäude sollte in der Planungsphase einem englischen College ähneln, außerdem sollten Arbeit und Wohnen miteinander verbunden werden. Das Zentrum der Offiziersschule ist das Hörsaalgebäude mit angeschlossener Bibliothek. Ab Sommer 1977 wurde mit der Ausbildung aller NATO-Luftstreitkräfte begonnen, die Offizierschule Fürstenfeldbruck war damals die modernste Offiziersschule in der Bundesrepublik Deutschland. Das Lehrpersonal bestand aus über 250 Soldaten und Zivilisten, die jährlich ca. 1900 Lehrgangsteilnehmer unterrichteten. Die Offiziersschule förderte mit über 25 Millionen DM Betriebskosten pro Jahr indirekt die Gewerbetreibenden am Ort, der Fliegerhorst war also nach wie vor ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Am 1. Oktober 1978 entstand das „Jagdbombergeschwader 49“, welches aus der ehemaligen „Waffenschule der Luftwaffe 50“ entstand, damit war für den Fliegerhorst eine Erweiterung des Ausbildungsauftrags verbunden. Jetzt umfasste die Ausbildung am Fliegerhorst auch die Ausbildung des gesamten Luftbildpersonals der Bundeswehr. Nachdem bereits im September 1974 mit der Verlegung der Lehrabteilung Flugsicherheit nach Fürstenfeldbruck das gesamte Flugsicherheitspersonal der drei Teilstreitkräfte geschult worden war, wurden seit dem Jahr 1979 zusätzlich Flugsicherheitslehrgänge im Rahmen der NATO durchgeführt und Fliegerleitoffiziere ausgebildet. Das „Jagdbombergeschwader 49“ war auch der erste Verband der Luftwaffe, der mit dem Alpha Jet, einem leichten Kampfflugzeug, ausgestattet wurde. Im März 1994 erfolgte die Außerdienststellung dieses Geschwaders.

Bedeutung für die Stadt

Generalmajor Robert Löwenstein, Kommandeur der 1. LwDiv, gebürtiger Rheinländer,  nahm   Abschied von Fursty.  

Die Bedeutung des Fliegerhorsts für die Stadt Fürstenfeldbruck war vor allem wirtschaftlicher Natur. Von der Gründung des Fliegerhorsts in den Jahren 1935 -1938 bis Anfang der 1990er Jahre war der Fliegerhorst der größte oder einer der größten Arbeitgeber in Fürstenfeldbruck. Bis zu 2000 Menschen aus der Stadt selbst und aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck arbeiteten als Zivilangestellte auf dem Fliegerhorst. Auch als Nachfrager von Gütern trat der Fliegerhorst auf, beispielsweise kaufte er sein Brot von den örtlichen Bäckereien, auch Metzgereien, Installationsgeschäfte, Schreinereien sowie Dienstleistungsbetriebe profitierten von der Anwesenheit der Bundeswehr. Die Vertreter der Stadt Fürstenfeldbruck waren immer bemüht, ein gutes Verhältnis zum Fliegerhorst zu pflegen und auszubauen. Gleiches galt umgekehrt auch für die Verantwortlichen des Fliegerhorsts, die ihrerseits um einen guten Draht zur Stadt und zur Bevölkerung bemüht waren. Dies kam beispielsweise durch die zahlreichen Flugveranstaltungen zum Ausdruck. Auf fast jeder dieser Veranstaltung waren Vertreter der Stadtverwaltung, in erster Linie die Bürgermeister Dr. Fritz Bauer, Willy Buchauer und Max Steer, zudem nahmen viele Stadträte die Einladungen des Fliegerhorstes an. Auch nach der Veränderung der weltpolitischen Konstellation in den Jahren 1989 und 1990 war der Stadtrat mehrheitlich bestrebt, den Militärstandort Fürstenfeldbruck zu erhalten, so beispielsweise in Diskussionen im Jahr 1991.

Fazit

Bis zum Zusammenbruch des Warschauer Paktes spielte der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck in der NATO, in der Bundeswehr sowie in der Stadt Fürstenfeldbruck eine sehr wichtige Rolle, seither nahm seine Bedeutung sukzessive ab, innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre wird der Standort durch eine Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums nach und nach aufgegeben.


Der Fliegerhorst 1935 bis in die heutige Zeit 

 Von Dr. Gerhard  Neumeier 

 Spätestens mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht durch das Wehrgesetz vom 16. März 1935 begannen im nationalsozialistischen Deutschen Reich die Vorbereitungen auf den Krieg. Seit 1936 verstärkten sich die ökonomischen Kriegsvorbereitungen im Rahmen des sog. Vierjahresplans. Ab dem Februar 1935 kam es zum unverdeckten Aufbau der Luftwaffe, die bis zu diesem Zeitpunkt in ersten Anfängen bereits geheim aufgestellt worden war. Die Vorstellung der Luftwaffe als Teil der Wehrmacht durch Hitler und Göring beinhaltete auch Planungen zur Gründung von Luftwaffenschulen. Der nachfolgende Artikel ist der achte Beitrag der Serie „75 Jahre Stadterhebung Fürstenfeldbruck“. Die Serie beleuchtet in insgesamt zehn Folgen typische Meilensteine der Entwicklung Fürstenfeldbrucks seit dem Jahr 1935. Standortwahl und Anfänge Wesentliche Gründe für die Standortwahl Fürstenfeldbrucks waren die ideale geologische und geographische Beschaffenheit. Zudem nutzte man das Gelände der Hasenheide zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach schon in den frühen 1930er Jahren für Flugsportveranstaltungen und Flugvorführungen, 1934 wurde hier als Zweigschule der Fliegerschule Schleißheim eine Segelflugsportschule gegründet, die im selben Jahr einen ersten öffentlichen Flugtag abhielt. Ebenfalls im Jahr 1934 kamen im Maisacher Bräuhaus Vertreter der Deutschen Luftverkehrs- und Handels AG Berlin (Delhag), eine Tarnfirma des Reichsluftfahrtministeriums, sowie Maisacher Grundeigentümer zusammen, die Delhag wollte einen Notlandeplatz errichten und Ende des Jahres wurden Mietverträge über die Dauer von 10 Jahren abgeschlossen, manche Grundstückseigentümer wurden enteignet. Mit der Verkündung der Wehrhoheit 1935 entfiel jedoch die Tarnung für die geplanten Baumaßnahmen und im September 1935 informierte ein Vertreter des Luftamts München die Grundeigentümer von der beabsichtigten militärischen Nutzung des Geländes, welches nun der Staat übernahm.

 Nach der Absicht der Planer sollte der zu errichtende Fliegerhorst d i e Fliegerschule des Deutschen Reiches werden. NS-Zeit Bereits im Oktober 1936 konnte das Richtfest, bei dem auch Gauleiter Adolf Wagner anwesend war, der ersten Luftkriegsschule des Luftkreiskommandos 5 (München) begangen werden. Im April 1937 bezog die Truppe mit ca. 300 Personen den Fliegerhorst, am 1. Oktober 1937 wurde die Luftkriegsschule Fürstenfeldbruck als vierte Luftkriegsschule des Deutschen Reiches nach Dresden-Klotzsch, Berlin-Gatow und Wildpark-Werder in Dienst genommen. Die Luftkriegsschule gehörte zu den militärischen Prestigeobjekten in Bayern und der Fliegerhorst war Teil eines Rings von Flugplätzen um München herum, hierzu zählten die Militärflugplätze Schleißheim und Manching sowie Erding, Neubiberg, Oberpfaffenhofen, Landsberg, Kaufbeuren, Lagerlechfeld und Memmingen. Die Gesamtbaukosten für die Start- und Landebahn, die Flugzeughallen und andere Infrastruktureinrichtungen wie Unterrichts-und Unterkunftsgebäude betrugen ca. 35 – 40 Millionen Reichsmark, etwa 1800 – 2000 Arbeiter waren an dem Bau beteiligt. Die Luftkriegsschulen waren Orte der Propaganda und hatten eine hochgradig ideologisch-politische Bedeutung, die HJ stattete dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck Besuche ab, außerdem wurden von hier aus neue Soldaten angeworben. Von 1937 bis 1945 war in Fürstenfeldbruck die Luftkriegsschule 4 stationiert, von November 1939 bis Oktober 1940 wurde sie zwischenzeitlich nach Neuhausen/Königsberg verlegt, sie diente ausschließlich der Ausbildung des Offiziersnachwuchses, die Offiziere absolvierten hier ihre drei- bis viermonatige militärische Grundausbildung, im Oktober 1944 endete die fliegerische Ausbildung. In den letzten Kriegsmonaten diente der Flugplatz als Einsatzflughafen der Luftverteidigung. Fliegerhorst bzw. Luftkriegsschule waren integraler Teil der nationalsozialistischen Kriegsmaschinerie. Die Stadt gewährte für das Baugelände der Offiziers- und Beamtensiedlung einen Preisnachlass, bezuschusste die Elektrizitäts- und die Wasserversorgung und überließ dem Fliegerhorst unentgeltlich ein Gelände für den Bau eines Schwimmbades.

 Das Verhältnis der Bevölkerung zu den Angehörigen des Fliegerhorstes war nicht uneingeschränkt positiv. In der Nähe des Flugplatzes befand sich in der NS-Zeit ein Zwangsarbeiterlager. Der Fliegerhorst wurde am 9. April 1945 bombardiert und teilweise zerstört. Die Zeit der Amerikaner Ab dem 29. April 1945, dem Tag des Einmarsches der amerikanischen Armee in Fürstenfeldbruck und damit der hier erfolgten Beendigung des Zweiten Weltkrieges, wurde der Fliegerhorst von der US-Luftwaffe als Einsatzflughafen genutzt. Die amerikanische Armee besetzte Privatwohnungen bzw. einzelne Siedlungskomplexe in der Nähe des Flughafens, beispielsweise die Werftsiedlung sowie Wohnungen an der Fichtenstraße, an der Polzstraße und am Tulpenfeld. Bereits im Jahr 1946 waren wieder über 1400 deutsche Zivilisten am Fliegerhorst beschäftigt, die amerikanische Air Force wurde so zu einem großen Arbeitgeber, dessen Bedeutung im Verlauf der nächsten Jahre noch anstieg, denn im Jahr 1950 beschäftigte sie ca. 2000 Zivilisten zum Unterhalt der Einrichtungen auf dem Fliegerhorst. Die amerikanischen Streitkräfte bauten in der Nachkriegszeit aufgrund des beginnenden Ost-West-Konflikts die Startbahnen aus. In dieser Zeit wurde der Militärflughafen erheblich ausgebaut. Die Nachkriegszeit und die Koreakrise im Jahr 1950 führten zu einem ständigen Wechsel der hier stationierten Einheiten. 

Die Errichtung eines Kommandos der Schulen der amerikanischen Streitkräfte in Europa Anfang der 1950er Jahre spiegelte die wachsende Bedeutung des Luftwaffenstützpunktes Fürstenfeldbruck wider. Ab dem Jahr 1953 wurde der Fliegerhorst durch das Mutual Defense Assistance Program (MDAP) ein bedeutendes Ausbildungszentrum sowohl für die USA als auch für verbündete Staaten innerhalb und außerhalb der NATO. Die amerikanischen Streitkräfte leisteten militärische Hilfe in Form von Ausbildung und Material. Die im November 1953 erfolgte Aufstellung einer Fliegerausbildungsgruppe (7330th Training Group) begann im April 1954 mit der Ausbildung ihrer Flugzeugführer. Piloten aus den USA, Belgien, Dänemark, Griechenland, Italien, Niederlande, Norwegen, Pakistan, Portugal, Spanien, der Türkei und Großbritanniens erhielten in Fürstenfeldbruck ihre Ausbildung. Der amerikanische Luftwaffenstützpunkt war auch ein Symbol für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im zivilen Bereich. In Fürstenfeldbruck bauten und betrieben Amerikaner und Deutsche erstmals gemeinsam Segelflugzeuge, es gab Schul- und Freizeitangebote, und die amerikanischen Streitkräfte veranlassten in Kooperation mit der Stadt den Bau von neuen Wohnungen an der Zenetti-, der Maisacher- und der Augsburgerstraße. 

Unter deutscher Obhut 

Luftbildaufnahme des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck

 Mit dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO im Jahr 1955 und der damit wachsenden nationalen Souveränität der BRD begann auch eine neue Phase für den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Der am Ende dieses Jahres beginnende Aufbau einer Flugzeugführerschule der Bundeswehr mündete 1957 schließlich in die vollständige Übergabe an die bundesdeutsche Luftwaffe durch den ersten Inspekteur General Kammhuber, auch danach war noch ein amerikanischer Beratungsstab in Fürstenfeldbruck stationiert. Durch den ab 1956 vollzogenen Aufbau der Flugzeugführerschule B kann Fürstenfeldbruck als „Wiege der Luftwaffe“ in der BRD bezeichnet werden, der erste fliegerische Lehrgang begann im Mai 1956. Der Flugplatz Fürstenfeldbruck war einer der ersten, der der bundesdeutschen Luftwaffe übergeben wurde und diente auch als Vorbild für andere Militärflughäfen. Bereits seit 1954/55 waren in den Lehrmittelstellen der Luftwaffe luftwaffeneigentümliche Lehr-, Ausbildungs- und Unterrichtsmaterialien in den Abteilungen, Elektronik, Mechanik sowie Grafik/Druck- und Bildtechnik hergestellt worden. Im Jahr 1957 wurde die Schule für Wehrgeopyhsik eingerichtet, zwei Jahre später nahm das Flugmedizinische Institut der Luftwaffe seine Arbeit auf, hier wurden Forschung und Praxis der Luft- und Raumfahrtmedizin erprobt. Im März 1964 wurde die 1958 gebildete Waffenschule der Luftwaffe (WaSLw 50) von Erding nach Fürstenfeldbruck verlegt und die Flugzeugführerschule B in diesen Verband eingegliedert. 

 Zudem vollzog sich seit 1964 die Ausbildung des Luftbildpersonals der Bundeswehr in den Bereichen Luftbildauswertung, Fotografie sowie Bildgerätemechanik und –elektronik in Fürstenfeldbruck. 1970 rüstete die bundesdeutsche Luftwaffe auf das neue Flugzeugmuster F-4 „Phantom“ um, in Fürstenfeldbruck erfolgte die Grundausbildung für Kampfbeobachter. Aufgrund des Feuergefechtes zwischen den Entführern der israelischen Olympiamannschaft und der Polizei auf dem Gelände des Flughafens am 6. September 1972 ging der Name von Fürstenfeldbruck und seines Fliegerhorstes durch die Weltpresse. Anfang der 1970er Jahre zog die Offizierschule der Luftwaffe von Neubiberg nach Fürstenfeldbruck um. In der neuen Offizierschule vollzog sich die Ausbildung aller NATO-Luftstreitkräfte. Seit der Überlassung des Flughafens durch die amerikanischen Streitkräfte in der Mitte der 1950er Jahre hat die Bundeswehr den Standort Fürstenfeldbruck Stück für Stück ausgebaut. Die friedlichen Revolutionen in der DDR und anderen mittel- und osteuropäischen Staaten 1989/90 zog die Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten sowie die Auflösung des Warschauer Paktes nach sich. Die darauf folgende Reduzierung der Bundeswehr hatte auch Folgen für den Luftwaffenstützpunkt Fürstenfeldbruck, so zog 1994 nach einer diesbezüglichen Entscheidung des Verteidigungsministeriums das Jagdbombergeschwader ab. Bereits in einer Sondersitzung des Stadtrates im Juni 1991 sprach sich das kommunale Gremium gegen eine zivile Nutzung des Flugplatzes und für den Erhalt des Militärstandortes mit reduzierter Nutzung aus. Das Ende militärischer Nutzung Die Luftwaffe zog sich seither nach und nach zurück und im Jahr 2005 landeten die beiden letzten Militärmaschinen. Heute befinden sich hier noch einige Dienststellen der Bundeswehr, wie beispielsweise die Offizierschule, das Kommando der 1. Luftwaffendivision, das Flugmedizinische Institut, das Sanitäts- und Kraftausbildungszentrum, der Sektor für Informationstechnik und das Amt für Geoinformationswissenschaften. 

Seit kurzem gehört ca. die Hälfte des Areals der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Für die Stadt spielte der Militärflugplatz als Wirtschaftsfaktor und großer Arbeitgeber eine große Rolle, das Verhältnis der Bundeswehr zur Stadt und seinen Einwohnern konnte insgesamt als gut bezeichnet werden, auch wenn es Proteste gegen den Fluglärm und gegen Enteignungen in den fünfziger Jahren gegeben hat.

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