AerzteNetz FAEN in Fürstenfeldbruck gegründet

Zwei Monate eines Arbeitsjahres ist ein Arbeitnehmer - bei einem Beitrag von 15,5 % für die gesetzliche Krankenkasse tätig, nach 45 Jahren hat sich ein Arbeitnehmer insgesamt siebeneinhalb Jahre für die Krankenkasse ins Zeug gelegt. Und der Versicherte habe „ein Gespür, dass er relativ viel bezahlt“, sagte der aus NRW stammende Sozialrechtler und Autor Carlos Gebauer in seiner kritischen Rede bei der Gründungsversammlung des neuen „Fürstenfeldbrucker Ärztenetz e.V.“ vor den rund 80 Medizinern im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Die „Gesundheitswaage“ - sinnbildlich von Justizia abgeleitet - sei aber immer unausgeglichen. Gebauer prophezeite: „Das System muss früher oder später kollabieren.“

Gebauer, der mit dem Sozialgesetzbuch unter dem Arm in Fürstenfeld erschien: „Alle Begriffe stinken.“ Als Beispiel nannte er die sog. „Friedensgrenze“, die immer mehr verschoben werde zwischen Krankenkassen und Privatversicherungen. Die Gruppe derer, die zwangsversichert ist, sei gestiegen auf 90 Prozent und würde 2009 in die „Bürgerversicherung“ übernommen.. Das bedeute, das medizinische Recht werde dem Armenrecht unterstellt. Friedhelm Farthmann (SPD) habe vor 30 Jahren gesagt: „Jetzt sind alle Instrumentarien geschaffen, jetzt kriegen wir die Kosten in den Griff“. Aber immer noch sei zu wenig Geld vorhanden, trotz Beitragserhöhungen. Gebauer: „Warum ist dieses System notorisch dauerpleite?“ Und: „Wenn Sie einen Vertrag abschließen, dann achten Sie doch akribisch darauf, dass Leistung und Gegenleistung in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen.“ Der Jurist: „Gerechtigkeit heißt Ausgeglichenheit.“ Gebauer, der beschrieb, über welche Schiene Ulla Schmidt 1983 zur SPD gefunden habe, sagte, man befände sich in einer „merkwürdigen Phase, wo Sie alle kollektiviert werden“. Und: „In diese Richtung fliegt das Flugzeug Gesundheitsreform“. Mit Ärztenetzen werde Selbständigkeit praktiziert, betonte Gebauer. Auch der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Fürstenfeldbruck, Dr. Werner Kainzinger, befürwortet Ärztenetze. Doch seien im Gegensatz zum Landsberger Raum hier im Landkreis FFB 310 Ärzte - ohne Krankenhausärzte - tätig. Von ihren Erfahrungen mit dem Ärztenetz Landsberg/Lech berichtete Dr. Helga Holzfurtner, Landärztin, Mutter von zwei Kindern, ausgebildete Anästhesie-Ärztin. Seit drei Jahren bestehe dieses Netz. Das Motto in Landsberg: „Floß zu sein in der Ärzteschaft im hohen Wellengang, wissen wo der nächste Wasserfall ist“. Das Netzwerk sei „kein Kegelverein“, man habe auch finanziell keinen Nutzen daraus gezogen, antwortete Holzfurtner auf die Frage nach dem ökonomischen Faktor. Die Gruppe, bestehend aus 103 Kollegen, veranstaltet Patienten-Informationstage, benutzt ein gemeinsames Logo, organisiert Vorträge, stellt Kontakte her, die tragfähig sind und versucht, die Nöte der anderen kennen zu lernen. Auch Notfall-Training würde über das Netzwerk angeboten - und die Arzthelferinnen sind mit eingebunden. In Fürstenfeldbruck wurde bereits im Vorfeld ein vorläufiger Vorstand für das Ärzte-Netz Faen. e.V. bestimmt. Im Vorstand sind: 1. Vorsitzender Dr. Florian Rüth, Allgemeinarzt Olching, Stellv. Vorsitzender Dr. Andreas Forster, Radiologe, Olching, Schatzmeister Dr. Peter Hösler, Internist, Fürstenfeldbruck, Schriftführerin Dr. Angelika Bartelheimer, Allgemeinärztin Fürstenfeldbruck, 1. Beisitzer Dr. Florian Schertel, Allgemeinarzt, Schöngeising, 2. Beisitzer, Dr. Hermann Weber, Neurologe, Fürstenfeldbruck. Dr. Florian Rüth, Vorsitzender des Ärztenetzes: „Neben der Verbesserung der Patientenversorgung verfolgt FAEN das Ziel, durch eine regionale Solidarität innerhalb der Ärzteschaft das Eindringen von Kapitalgesellschaften in die ambulante Versorgung zu verhindern. Wir werden auch gute und enge Kooperation mit den Krankenhäusern und Krankenkassen pflegen. Dabei ist für uns aber eines unverzichtbar: Wir wollen auch in Zukunft als freie Ärzte in freien Praxen arbeiten.“ Am 26. Januar 2009 sind Neuwahlen angesetzt. www.faen.de info@faen.de

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