Ärztenetzwerk FAEN will feste, kalkulierbare Preise für medizinische Leistungen

Heftige Kritik an der Berliner Gesundheitspolitik übten der erste Vorsitzende des Fürstenfeldbrucker Ärztenetzes FAEN, Dr. Andreas Forster, und Manfred Spann, Geschäftsführer der Haag & Spann GmbH Strategisches und Operatives Gesundheitsmanagement aus Landsberg anlässlich einer Patientenveranstaltung am 28. Juli im Veranstaltungsforum Fürstenfeld. Unter dem Thema „Vom Menschen zur Ware – Patient der Zukunft?“ referierten der in Olching niedergelassene Arzt und der Sozialversicherungsfachmann über die Ergebnisse der Gesundheitspolitik.

Ihrer Meinung nach führe die aktuelle Gesundheitspolitik zu einer nahezu vollständigen staatlichen Lenkung der ambulanten medizinischen Versorgung mit dem Effekt, dass der weitaus überwiegende Anteil der Patienten in Zukunft in großen Einheiten wie Klinikambulanzen und Versorgungszentren von Konzernen und Krankenkassen behandelt werde. „Wir kämpfen deshalb mit unseren Patienten für den Erhalt einer qualitativ hochwertigen, wohnortnahen, ärztlichen Versorgung mit freiem Zugang für alle Patienten. Dafür ist Aufklärungsarbeit notwendig, damit in diesem Jahr die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt werden“, meinte der FAEN-Vorsitzende zu den knapp 20 Besuchern nicht zuletzt auch im Hinblick auf die anstehenden Bundestagswahlen am 27. September. „Es heißt immer, die Ärzte wollten diese Reform“, so Dr. Forster. „Das stimmt so nicht. Wir wollten feste, kalkulierbare Preise für unsere Leistungen und was haben wir bekommen? Im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) 2003 wurden die Preise mit einem Punktwert von 5,11 Cent berechnet. Bekommen haben wir einen bundeseinheitlichen Orientierungspunktwert von 3,5 Cent, das sind über 30 Prozent weniger. Der bundeseinheitliche Verteilungsmaßstab bügelt jegliche regionale Besonderheiten glatt.“ Auch von der jüngsten Meldung aus Berlin, die Ärzte verdienen alle mehr, zeigte sich Dr. Forster wenig angetan. Im Bundesdurchschnitt sollen es über sieben Prozent, in Bayern 3,7 Prozent sein. „Erstens bezieht sich die Aussage nur auf das erste Quartal 2009, und zweitens haben die Ärzte noch keinen Cent gesehen“, so Dr. Forster. Die Ärzte erhalten die Abrechnung für dieses Quartal erst Ende September. Im Übrigen würde der Mehrverdienst von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und den Kassen finanziert. „Die KVB gibt uns Ärzten Geld, das sie uns zuerst vorenthalten hat und bejubelt das als Erfolg“, so Dr. Forster. „Man müsse endlich Schluss machen mit der Ideologie der Freiberuflichkeit“, zitierte Dr. Forster zum Ende seiner Ausführungen über Berliner Gesundheitspolitik eine Aussage von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und fügte hinzu: „Diese Aussage sollte uns zu denken geben.“ Der Sozialversicherungsfachmann erläuterte anschließend weitere Zusammenhänge und Hintergründe zur Gesundheitspolitik. „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein,…“, zitierte Spann den Paragrafen 12 des Sozialgesetzbuches V. Die medizinische Versorgung werde damit mit der Schulnote vier auf eine Stufe gestellt. „Versprochen wurde von der Politik allerdings eine exzellente Versorgung“, so Spann, der die Konzerne wie Rhön, Fresenius, BitKom oder SonicHealthcase als die „wahren Player“ im Gesundheitswesen bezeichnete. In FAEN haben sich über 60 niedergelassene Ärzte aus dem Landkreis zusammengeschlossen mit dem Ziel, die Versorgung der Patienten weiter zu optimieren, Schnittstellen zwischen Klinik und behandelndem Arzt zu überbrücken und die medizinische Versorgung im Landkreis zu verbessern.

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