Afghanistan-Diskussion - Gröbenzeller JUSO-Chef lud ehemalige Offiziere ein

Osama Bin Laden darf nicht sterben.“ Dieser von Oberstleutnant a. D. (OTL) Bertram Hacker zunächst provokant erscheinende Satz erhält erst im Zusammenhang mit den nachfolgenden Ausführungen des ehemaligen Berufssoldaten die von ihm beabsichtigte Bedeutung. „Sonst haben die Amis ja keinen Feind mehr. Die können mir doch nicht erzählen, dass sie nicht wissen, wo er sich versteckt.“ Mit diesen Sätzen wollte Hacker mehr oder weniger die Rechtfertigung der USA zur Kriegsführung in Afghanistan aufzeigen. „Den brauchen sie als Feindbild.“ Selbst Präsident Barack Obama, der als großer Hoffnungsträger der USA gilt, führt den Krieg in Afghanistan weiter.

Zwei Stunden lang berichteten am vergangenen Montagabend der 61-jährige pensionierte Offizier der Bundeswehr und der Hauptmann a. D. (Hptm) Kai Thurau über ihre persönlichen Erfahrungen. Beide ehemaligen Offiziere waren während ihrer Militärzeit in Afghanistan im Einsatz, OTL a. D. und Dipl. Ing. Hacker gleich mehrere Male, Hptm Thurau sechs Monate. Der Gröbenzeller Juso-Chef Gregor von Uckermann hatte die beiden früheren Offiziere zu einem Info-Abend ins Freizeitheim in Gröbenzell eingeladen, und gebeten zum Thema „Raus aus Afghanistan“ zu sprechen. Unter der Bevölkerung in Deutschland schwinde längst der Rückhalt für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr-Soldaten. Immer häufiger stellen die Deutschen Fragen wie: Warum sind deutsche Soldaten in Afghanistan? Um den Wiederaufbau des in zahlreichen Kriegen zerstörten Landes zu unterstützen? Um Freiheit, Wohlstand und Demokratie herzustellen? Um den internationalen Terrorismus zu bekämpfen? Um die Sicherheit Deutschlands zu gewährleisten? Die Taliban-Anschläge auf die Bundeswehr sind inzwischen längst derart militärisch geplant, dass aus der ursprünglich angedachten deutschen Aufbauhilfe ein offener Krieg geworden ist. „Die Afghanen sehen uns längst nicht mehr als Schutztruppe, sondern als Besatzungstruppe“, berichtete Hacker weiter, der nach eigener Aussage immer noch gute Verbindung nach Afghanistan habe. Das Vertrauen, das die Bundeswehr einst in der afghanischen Bevölkerung besaß, bestehe nicht mehr. Der 61-jährige OTL a. D. und Dipl. Ing., der insgesamt 15 Monate in Afghanistan verbrachte, wirft der Bundesregierung vor, dass sie nicht klar definiere, was sie genau beabsichtige. Hacker vermutet nebenbei, dass sich Deutschland, nachdem es sich dem Irak-Krieg verweigerte, nunmehr militärisch hervortun müsse, um den schon angestrebten Sitz im Weltsicherheitsrat endlich zu erhalten. „Dann sollten sie es aber auch sagen“, hält Hacker der Regierung vor. Es gehe ihnen nicht wirklich um Afghanistan. „Wer wirklich Frieden in Afghanistan will, der darf dort nicht Krieg führen“, so der ehemalige Offizier. Es traue sich zwar niemand öffentlich das Wort Krieg in den Mund zu nehmen, denn „kriegsvölkerrechtlich führen wir natürlich keinen Krieg“, so Hacker. Selbst der Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, der zwar bei getöteten Soldaten von Gefallenen spricht, habe das Wort Krieg bisher nicht in den Mund genommen. „Doch wir leisten nicht nur Aufbauarbeit und humanitäre Hilfe, sondern führen Krieg“, betont Hacker nochmals. Für beide Offiziere stellt ein geordneter Rückzug der Bundeswehr in einem überschaubaren Zeitrahmen eine Lösung des Konfliktes dar.

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