Kampf der Wirte: Aktion & Petition

Gastronomen im Landkreis Fürstenfeldbruck machen auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam

Rot gekleideter Wirt steht zwischen einem gedeckten Tisch und einem dreirädrigen Auto.
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Harry Faul reicht es und deshalb beteiligt er sich an der Aktion „Gedeckter Tisch und Gemachtes Bett“ der DEHOGA Bayern.
  • vonMaximilian Geiger
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Landkreis Fürstenfeldbruck – Bayernweit haben Gastronomen und Hoteliers einen gedeckten Tisch beziehungsweise ein gemachtes Bett als stillen Protest aufgestellt, um im Vorfeld der Bund-Länder-Gespräche am 3. März auf die verzweifelte Situation der Betriebe und ihre momentane Perspektivlosigkeit aufmerksam zu machen.

Initiiert wurde die Aktion „Gedeckter Tisch und Gemachtes Bett“ vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern.

Auch Harry Faul, Geschäftsführer des Bräustüberls in Maisach, nahm als Vorsitzender der Kreisstelle Fürstenfeldbruck der DEHOGA, gemeinsam mit etwa 25 weiteren Gastronomen des Landkreises, unter anderem der „Germeringer – das griabige Wirtshaus“, die Enoteca Del Tufo, ebenfalls in Germering, der Daxerhof in Olching oder die Moselweinstuben in Fürstenfeldbruck, an der Aktion teil.

Um größere Menschenaufläufe zu vermeiden, entschloss man sich, die Tische nur vor der eigenen Gaststätte aufzustellen. „Es soll ein stiller Protest vor Ort sein“, erklärt Manuela Gröger vom „Germeringer – das griabige Wirtshaus“. Die Reichweite der Aktion würde sich viel mehr durch die digitale Welt multiplizieren, führt Faul aus und fügt hinzu: „Damit wir nicht vergessen werden.“ Immerhin hatten die Gastronomen von den vergangenen zwölf Monaten ganze sieben geschlossen. Zudem war der Betrieb in den restlichen Monaten nur mit angezogener Bremse möglich.

Auch Manuela Gröger vom „Germeringer – das griabige Wirtshaus“ macht auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam.

„Es langt“, befindet Faul und fordert, dass die Maßstäbe und Inzidenzwerte, die für Öffnungen in anderen Branchen gelten, wie etwa im Einzelhandel oder auch in Baumärkten, auch für das Gastgewerbe gelten müssen. Einen fortgesetzten Teil-Lockdown, also weitgehende Schließungen als „Dauerzustand“, während andere öffnen dürfen, wolle man nicht akzeptieren. Die Menschen, die im Hotel und Gaststättengewerbe arbeiten und von ihrer Arbeit leben müssen, verdienen laut Faul den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung wie die Menschen in anderen Branchen, „sonst wird es zappenduster“.

Warum also wird ein Unterschied gemacht? Warum gibt es in der jetzigen Situation eine Klassengesellschaft? Das sind Fragen, die Faul derzeit umtreiben.

Droth initiiert Petition

Und nicht nur ihn. Auch Markus Droth, Wirt des Ameisenstüberls in Fürstenfeldbruck, kann die Entscheidungen der Regierung in Hinblick auf die Schließung der Gastronomie nicht nachvollziehen: „Da fehlt die Verhältnismäßigkeit.“

Deshalb hat sich der Brucker entschieden, selbst aktiv zu werden und die Petition „Öffnung der Außengastronomie in Bayern“ ins Leben zu rufen. Er fordert von der Politik, dass zumindest die Außengastronomie ab einem Inzidenzwert von unter 50 in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mit Hygiene- und Abstandsregelungen und mit Beschränkungen der Personenanzahl pro Tisch öffnen dürfen.

„Es muss ja nicht der große Stammtisch sein, es geht um einzelne Familien und Freunde“, erklärt Droth. „Im Normalbetrieb habe ich Platz für etwa 100 Gäste, in der jetzigen Situation würden schon 30 bis 40 Gäste reichen.“

Eine Ansteckungsgefahr im Freien, noch dazu mit den herrschenden Hygienemaßnahmen, ist nachweislich so gut wie nicht gegeben, da sind sich Droth und Faul einig. Und so möchten sie mit ihren Aktionen einen positiven Entscheidungsdruck auf die Politik ausüben – jeder auf seine Art. „Denn es ist wichtig, sich zu beteiligen!“, stimmt auch Gröger den beiden zu.

Markus Droth hat eine Petition ins Leben gerufen, um zumindest die Außengastronomie zu öffnen.

Sie alle wünschen sich, den Gastronomiebetrieb so bald wie möglich wieder zu öffnen, Faul fordert sogar konkrete Termine: „Am 15. März soll der Außenbereich öffnen, spätestens zu Ostern dann der Innenbereich folgen!“

Quasi als Anreiz für die Politik nennt Droth zudem einen weiteren Nebeneffekt: durch einen zumindest teilweise geöffneten Betrieb brauchen die Gastronomen weniger Unterstützung vom Staat. Immerhin wollen sie ihr Geld lieber selbst verdienen, als von staatlichen Mittel abhängig zu sein.

„Die lassen eh auf sich warten“, kritisiert hingegen Faul, denn „die Dezemberhilfe ist bisher nur in Teilen da.“ Und so versucht sich der Maisacher mit seinem Abholservice über Wasser zu halten. Am Tag verkauft er etwa 100 Essen, 70 davon zur Mittagszeit. Kein Vergleich zum normalen Betrieb, aber immerhin etwas, sagt der Wirt. Deshalb hofft er auf eine baldige Öffnung und betont: „Wir sind nicht das Problem, wir sind Teil der Lösung.“

Maximilian Geiger

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