Auf Initiative des Brucker SPD-Vorsitzenden Svenja Bille hin trafen sich alle Parteien zur Gründung eines überparteilichen Aktionskreises 

Alle Parteien in FFB ziehen jetzt beim Asyl an einem Strang 

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Sie informierten über den parteiübergreifenden Aktionskreis für Asylbewerber (v. li.): Dieter Pimiskern (CSU), Georg Stockinger (FW), Jan Halbauer (Grüne), Andreas Lohde (CSU), Fred Härtl (BBV), Dieter Roiger (CSU), Andreas Ströhle (Piraten) und Axel Lämmle (SPD); es fehlt auf dem Foto: Klaus Wollenberg (FDP).

Fürstenfeldbruck – „Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen!“ Wo immer es um Asylsuchende geht, fallen solche Sätze. Sätze, die auf absolute Ahnungslosigkeit und oft auf rassistische Vorurteile gründen. Aber was entgegnen, wenn der Nachbar so daherredet? Auf Initialinitiative des Brucker SPD-Vorsitzenden Svenja Bille hin haben sich unlängst Vertreter aller im Rathaus der Großen Kreisstadt vertretenen Parteien von CSU, SPD, Grünen, ÖDP, FDP, Piraten, FW und der BBV getroffen, um einen überparteilichen Aktionskreis zu gründen.

Ihr Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt zeitnah über die Situation der Asylbewerber in der Kreisstadt zu informieren, aber insbesondere, um vorhandene Ängste und eventuell aufgetretene Ressentiments in der Bevölkerung abzubauen bzw. diesen entgegenzuwirken. Man sei kein Helferkreis für die Belange der Asylbewerber, auch wenn einige Parteien bereits Spendenaktionen durchgeführt haben, betonten die Vertreter des Aktionskreises bei einer Pressekonferenz am 28. Oktober im Restaurant Venezia. 

Der Caritas und den Helferkreis-Organisationen wolle man keine Konkurrenz machen. „Wir wollen mit unserer Aufklärung in erster Linie die Fehlinformationen, die in der Bevölkerung vorherrschen, versuchen, abzubauen“, erklärte Dieter Roiger (CSU). Und die benachbarte Gemeinde Emmering habe man dazu auch ins Boot geholt. Andreas Ströhle (Piraten) berichtete von einem Telefonat mit Bürgermeister Michael Schanderl, der die Aktion begrüßte. „Wir müssen das gesamtgesellschaftlich meistern“, meinte der Fraktionsvorsitzende der Brucker CSU, Andreas Lohde. „Wir wissen nicht, wie sich die Flüchtlingsströme entwickeln“, sagte Jan Halbauer (Grüne). Doch man müsse sich darauf einstellen, dass noch mehr Asylbewerber kommen. Axel Lämmle (SPD) verglich die Situation mit dem Flüchtlingsstrom nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem aber gelte es, die vielen Gerüchte abzubauen. Alle Flüchtlinge würden von den Behörden Handys erhalten oder sie würden nur Markenkleidung tragen. 

Für ihre Flucht und ihre Verbindung in die Heimat sei ein Handy wichtig, meinte Axel Lämmle dazu. Es sei absurd, daran die Glaubhaftigkeit ihres Flüchtlingsstatus festzumachen. „Selbst, wenn sie mit einem Auto ankämen“, so Lämmle, so seien sie doch aus ihrer Heimat geflohen, weil sie sich oder ihre Familie in Gefahr befanden. Als blödestes Gerücht bezeichnete der Vorsitzende der BBV, Fred Härtl, dass alle Asylbewerber ein neues Fahrrad erhalten würden. Auch über die Höhe des Taschengeldes an die Asylbewerber würden die unsinnigsten Zahlen die Runde machen. Ebenso dem Vorwurf, die Verwaltung würde aufgrund der Asylangelegenheiten überlastet sein und die Bearbeitung der Anträge von Bürgerinnen und Bürger würde darunter leiden, müsse man nachgehen, so Lohde. Es sei nicht nur Angelegenheit der Behörden und Parteien, sondern der aufgeklärte Mensch müsse sich eigentlich von sich aus informieren, nahm Lämmle den Bürger in die Pflicht. 

Die Aufklärungsarbeit bezeichnete Härtl als eine echte Bewährungsprobe für diese parteiübergreifende Aktion. Mit einem Informationsschreiben an alle Brucker und Emmeringer Haushalte sowie mehreren Info-Veranstaltungen will der Aktionskreis diesen immer wieder kursierenden Gerüchten mit intensiver Aufklärung entgegentreten und aufräumen. Einstimmig bestätigten die Vertreter des Aktionskreises, dass die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung überwiegt. „Klar kommen vereinzelt kritische Stimmen auf“, berichtete der BBV-Vorsitzende Fred Härtl, „aber insgesamt ist die Stimmung positiv. Die Gesellschaft hat sich verändert.“ Und dass auch in Zukunft keine Feindseligkeiten gegenüber den Asylbewerbern aufkommen, müsse man die Brucker Bevölkerung abholen und mitnehmen, so Roiger. 

Dieter Metzler

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