Abschied nach 25 Jahren

Besinnliches im Advent

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Dr. Albert Bichler zieht sich nach 25 Jahren aus der Organisation des Adventssingens zurück.

Am vergangenen Sonntag fand wieder das Adventssingen im Amadeussaal der Stadthalle statt. Allerdings zum letzten Mal unter der Regie von Dr. Albert Bichler, der nach 25 Jahren beschlossen hat, sich zurückzuziehen. Einen Nachfolger gibt es bisher noch nicht.

Germering – Zu Beginn war es nur ein Versuch, die Volksmusik hier im Landkreis zu etablieren. Doch aus diesem „kleinen“ Vorhaben wurde mehr. Nun ist nach 25 Jahren eine Ära zuende gegangen. Dr. Albert Bichler hat nach einem Vierteljahrhundert beschlossen, sich zurückzuziehen. Viele Germeringer kennen Dr. Albert Bichler wohl noch aus ihrer Schulzeit. Einige Jahre arbeitete er erst als Lehrer an der Kleinfeldschule, wechselte dann an die Kerschensteiner Schule und kam als Schulleiter an die Kleinfeldschule zurück, wo er dieses Amt 23 Jahre innehatte. 

Die Anfänge

Jedes Jahr saß Dr. Albert Bichler an seinem Pult und schmückte die musikalischen Darbietungen mit seinen heiteren und zum Teil ernsten Geschichten.

Schon während dieser Zeit hatte er die Idee, mehr Besinnlichkeit, gerade in der Vorweihnachtszeit, nach Germering zu bringen. Denn eine Veranstaltung wie diese, gab es hier vorher nicht. Und sein Vorhaben sollte bald zu einer festen Größe im Germeringer Advent werden. Mit dem Adventssingen in der Stadthalle, das nach der Fertigstellung der Räume erstmals 1993 stattfand, wurde jedes Jahr, bis heute, die besinnliche Zeit eingeleutet. „Schon damals kam diese Art der Veranstaltung gut an“, sagt Bichler, der Saal sei immer gut gefüllt gewesen. Wer das Adventssingen schon einmal besucht hat, der weiß, dass es mit den üblichen Konzerten, die zu dieser Zeit stattfinden, nichts gemeinsam hat. Keine lauten Töne, keine Verstärker oder große Lichteffekte. Nur eine Tanne schmückt den Saal, verziert mit einfachen Strohsternen. „Alles andere würde die gesamte Atmosphäre stören“, so Bichler. Und auch das einzige Mikrofon im Saal gehört nur ihm, wenn er die musikalischen Stücke mit kleinen Geschichten begleitet. Nicht einmal Klatschen ist während der rund zweistündigen Vorstellung erwünscht. „Das würde die Stimmung kaputtmachen“, sagt Albert Bichler. Die Veranstaltung solle ja keinen Unterhaltungswert im herkömmlichen Sinne haben. Die Besinnlichkeit steht hier im Vordergrund – und das gegen den Trend der Zeit. Jeder, der in die Stadthalle für das Konzert komme, wisse, was er hier geboten bekäme. Hinterher könne man den auftretenden Gruppen gerne applaudieren. Seine Geschichten seien übrigens nie Dubletten gewesen, erklärt Albert Bichler. „Sie sind immer ein Original.“ 

Frühe Planung

Die Grundidee des Adventssingens stamme allerdings aus Salzburg (1945), erklärt Albert Bichler. Dort entstanden Veranstaltungen wie diese, um den Menschen besinnliches Musizieren in der Adventszeit näherbringen zu können. Es sei eben der Versuch gewesen, alpenländische Volksmusik hier her zu bringen. „Ich habe mich immer bemüht, bekannte Gruppen zu bekommen, da musste ich schon sehr früh während des Jahres mit der Planung anfangen“, sagt er. Viele der Gruppen seien nämlich ziemlich schnell ausgebucht. So sind im Laufe der 25 Jahre etwa 30 Gruppen aufgetreten, die einen bunten Wechsel in der Besetzung des Adventssingens brachten. Hilfestellung bekam er dabei schon mal vom Bayerischen Rundfunk. 

Gerne erinnert sich Albert Bichler an die vorangegangenen Adventssingen zurück.

Doch die Organisation übernahm Dr. Albert Bichler meist im Alleingang. Das zehre ganz schön an den Kräften, bekennt der 82-Jährige. Und leider hat sich bis jetzt kein Nachfolger gefunden, der die Organisation übernehmen würde. Zu seiner Abschlussveranstaltung am vergangenen Sonntag konnte sich Dr. Albert Bicherl wieder über einen restlos gefüllten Saal freuen. Hierfür hatte er auch wieder großartiger Musiker geladen. Mit dabei war die Spielmusik Karl Edelmann, die Goinger Weisenbläser, der Salzberger Dreigsang, der übrigens schon mehrfach hier Auftritte hatte und die Reichersdorfer Sänger. Werbung habe er dafür nicht gemacht, sagt Albert Bichler. „Der Verkauf der Karten hat bereits im Oktober begonnen und am ersten Tag war schon gut ein Drittel der Karten vergriffen“, sagt er. Nach der Veranstaltung gab er bekannt, dass er sich nach 25 Jahren aus der Organisation des Singens zurückziehen möchte. So fand auch Germerings Oberbürgermeister Andreas Haas dankende Worte für Albert Bichler: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, so Haas, „denn es hat alles seine Zeit. Vielen Dank für 25 Jahre“, sagte Andreas Haas. So schloss Dr. Albert Bichler nach dieser beachtlichen Zeit sein Buch mit den Geschichten und dankte allen Anwesenden für die jahrelange Treue. Dass er allerdings nicht ganz aufhören kann, wird sich im Frühling zeigen. „Nur zur Freude der Leute startet ich noch einen kleinen Versuch“, sagt Bichler. Er möchte die Germeringer am Brunnen der Kirche St. Jakob zusammenbringen. Hier sollen dann passenden Musikstücke zur Osterzeit erklingen.

Autor: Sebastian Essberger

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