Kreisbote Band-Portrait: Irish Wings

Auf den Spuren der Kelten und Elfen

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Die Band Irish Wings mit ihren Instrumenten (von links): Heinz Sammer aus Alling, Bianca Bodler aus Fürstenfeldbruck, Bruno Stein aus Alling, Christiane Stransky aus Raisting und Heila Steinmann aus Kottgeisering.

Alles fing mit harmlosen Gitarrenunterricht und einem Urlaub in Schottland an. Heinz Sammer gründete vor 29 Jahren die Band „Irish Wings“, die schon viele Mitgliederwechsel und sogar einen Tod verkraften musste. Doch heute fühlen sie sich komplett wie nie und möchten noch lange zusammen Musik machen.

Alling/Landkreis – Als Heinz Sammer Anfang der 70er Jahre Gitarren-Unterricht nahm, hatte er vor allem Interesse an der Spanischen Musik. Warum seine Band heute Celtic-Folk spielt, ist einem Schottland Urlaub zu verdanken. „Mein Freund hatte viel irische und schottische Musik dabei, die wir immer im Auto gehört haben“, erzählt der heute 70-Jährige. Während sie also der Musik lauschten, und an den Landschaften mit Wiesen, Schafen und Seen vorbeifuhren, war es wohl um ihn geschehen – spätestens dann, als ihnen der ältere Mann, bei dem sie übernachtet hatten, auf Gälisch Bibelstellen vorlas. Seitdem schlägt sein Herz für Irish- und Celtic-Folk. 1988 gründete er dann mit einem befreundeten Pärchen die Band „Irish Wings“. 

Mit fast allen Celtic-Folk Instrumenten vertraut

Kurze Zeit später kam „Allrounder“ Bruno Stein dazu, der auch heute noch in der Band spielt. Der 49-Jährige ist mit fast allen im Celtic-Folk verwendeten Instrumenten vertraut, wie Keltische Harfe, verschiedene Flöten, Gitarre, Bouzuki, Mandoline oder die irische Bodhran, eine Trommel. Weil der heutige Krankenpfleger kurz Mittelalterliche Geschichte studiert hatte, bringt er sein Wissen über die Kelten bei den Vorstellungen der Lieder ein. Etwa 1995 kam Bianca Bodler dazu, die seither die Band mit ihrer Stimme bereichert. Bodler und Sammer, beide Diplom-Sozialpädagogen, haben sich in der Arbeit beim Landgericht kennen gelernt. Die 53-Jährige hatte zuvor nur wenig mit dieser Art der Musik zu tun, erinnerte sich aber an eine Band, die sie einmal mit 17 gesehen und für gut befunden hatte. Mittlerweile hat sich die Bewährungshelferin mit der Gälischen Sprache auseinandergesetzt, um auch Lieder in der alten Sprache singen zu können. 

Jetzt auch schnelle Lieder

Heila Steinmann (56) verstärkt die Gruppe seit 2008 mit Gesang, Flöten- und Celloklängen. Als klassisch geschulte, erfahrene Musikpädagogin mit Liebe zu Folk, Jazz und nordischen Ländern, gilt ihre große Leidenschaft, neben dem Cello, auch der irischen Tin Whistle. Das neuste Mitglied ist Christiane Stransky. Nachdem der Geigen-Part schon mehrere Wechsel durchlebt hatte, kam die 43jährige Diplom-Orchestermusikerin und studierte Geigerin vor einem halben Jahr dazu. „Durch ihr Können, können wir jetzt auch schnellere Lieder spielen“, freut sich Sammer.

Das älteste Lied ist 1.000 Jahre alt

Zum Repertoire der Band gehören große irische Komponisten wie Turlough O`Carolan (1670 – 1738) bis hin zu den Werken zeitgenössischer Liederschreiber. „Das ältestes Lied, das wir spielen, soll etwa 1.000 Jahre alt sein“, erzählt Sammer. „Wichtig ist uns der Wechsel zwischen stimmungsvollem, schnellem Rhythmus und getragene, melancholische Lieder“, sagt Bodler. Zudem wechseln sich an Konzertabenden, wie in der Grafrather Michaelkirche, Lieder mit Gesang und reine melodische Werke ab. „In den Liedern geht es viel um Freiheit, Heimat, Mystik wie Feen und Alben, um Sagen und auch über Auswanderung“, erklärt Sammer. Denn während sich im 18. und 19. Jahrhundert die Schotten untereinander und mit England bekriegten, gab es viele Auswanderungen nach Amerika oder Australien.

Kein Genre für jedermann

 Eigene Lieder schreibt die Band nicht. „Wir fühlen uns nicht berechtigt, über Länder und Zeiten Lieder zu schreiben, in denen wir nie lebten“, erklärt Sammer. Doch es gibt mittlerweile vier Alben: „foggy dew“, „apples in winter, „dawn of green“ und „the dark Island“ mit den eigenen Interpretationen alter und neuer Lieder. Dass „Irish-Folk“ kein Genre für jedermann ist, weiß die Band. „Es ist keine Musik, mit der man Geld macht“, sagt Sammer. Aber darum geht es dem Quintett auch nicht. Sie sind für die Freude an der Musik dabei - selbst die professionellen Musikerinnen. Klar, dass die Band mit ihrem Genre nicht wöchentlich ganze Konzerthallen füllt. „Wir spielen etwa sechs Konzerte im Jahr“, sagt die Sängerin. Meist sind es Bildungshäuser oder Kultureinrichtungen, von denen die Fünf engagiert werden. 

Tiefpunkt: Tod des Tontechnikers

Außerdem sei ihre Musik auch keine, die mal eben nebenbei läuft. „Wir spielen nicht nur die Lieder, sondern erklären dazu auch die Geschichten, wollen die Kultur und das Lebensgefühl vermitteln“, das funktioniere in einem Pub, wo viel geredet und getrunken wird, nicht, weiß Sammer. Wenn sie von ihren größten Erfolgen sprechen, erinnern sie sich an ein Konzert zum 1. Mai Anfang der 2000er auf dem Viktualienmarkt in München. Natürlich gibt es nach 29jähriger Bandgeschichte auch Tiefpunkte. „Das war klar der Tod von unserem Tontechniker Stefan Schneider“, sagte Sammer. Der junge Mann ist vergangenes Jahr bei einem Verkehrsunfall um‘s Leben gekommen. Der Schock sitzt noch tief. So wurde der Aushilfe-Tontechniker Stefan Löw (52) zum neuen, engagierten Bestandteil der Band. Zusammen mit der neuen Geigerin fühlen sie sich wieder komplett und glauben fest daran, dass die jetzige Konstellation noch lange Bestand haben wird.

Das Ziel für die nächste Zeit: „Wir wollen noch so lange gemeinsam Musik machen, wie möglich“, sagt Bodler.

Miriam Kohr

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