Alltagstaugliche Konfliktentschärfung - Vor allem Männer interessiert an Vortrag der Mediatorin nach der Methode von Marshall B. Rosenberg

Zum nicht-gewöhnlichen Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ stellte die Rechtsanwältin und Mediatorin Ingrid Boumessid Modelle nach Vorgaben des berühmten US-Amerikaners Marshall B. Rosenberg vor. Foto: Günter Schäftlein

Im ganz alltäglichen Miteinander, aber auch im übergreifenden Sprachgebrauch weltweit kann es Nuancen geben, die Konflikte entschärfen. Die Tutzinger Rechtsanwältin und Mediatorin Ingrid Boumessid, aufgewachsen in Fürstenfeldbruck, sieht für die GFK-Anwendung alltagstaugliche Chancen. Ihr Vortrag im Gemeindesaal der Gnadenkirche zog vor allem Männer an.

Den Weg zu einer gewaltfreieren Sprachnutzung fasste die Referentin methodisch in vier Begriffen zusammen: Wertungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten. Sie orientiert sich dabei an die Vorgaben des US-Amerikaners Marshall B. Rosenberg, die Prinzipien beinhalten: Überlege immer, was, wie und wo Du Deinem Gegenüber in irgendeiner Situation sagst. Dabei bleibt die Grundforderung bestehen: „Du sagst etwas!“ Das von ihm vorgegebene Kommunikationsmodell „belebt unsere Beziehungen und ermöglicht einen anderen Umgang mit Konflikten. Es geht nicht mehr darum, wer Recht oder Schuld hat, sondern darum, ein von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägtes Miteinander im beruflichen und privaten Alltag zu leben.“ Im Grunde die Bereitschaft zum Zuhören und Gehörtwerden und daraus folgend zur Verständigung. Zur Umsetzungschlägt Frau Boumessid vor, im Gespräch bei der einfachen Mitteilung von Wahrnehmungen die Wertungen/Diagnosen zu unterlassen. Äußert man echte Gefühle, sind Vermutungen/Interpretationen fehl am Platze. Bei der Nennung eigener Bedürfnisse erübrigen sich Schuldzuweisungen. Eine Bitte sollte konkret und möglichst zeitnah auf die Erfüllung ausgerichtet sein. In der so genannten „Wolf- und Giraffensprache“ listete die Referentin hierzu Negativ-Beispiele auf: „Immer muss ich kochen.“ - „Jetzt reg dich nicht so auf!“ - „Arbeite nicht so viel!“ - (beim Fahren im Auto:) „So ein Lahmarsch! Verdammt noch mal! Geht’s noch?!“ - „Ich fühle mich hintergangen.“ - „Ich fühle mich ausgenutzt.“ - „Du bist faul.“ Beeindruckender die Wort-Auflistungen von Frau Boumessid zu Begriffen wie „Bedürfnisse/Werte“ oder positiven bis unerfüllten „Gefühle“, die die unglaubliche Ausdrucksbreite unserer deutschen Sprache belegen. Die Gesprächsrunde zur „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg erbrachte unterschiedliche Stellungnahmen. Die Meinungen reichten von einer schnörkellos ehrlichen Umsetzung bis zum behutsamen Einsatz, von einer nicht vorhandenen Alltagstauglichkeit durch Zeitdruck im Berufsleben bis zur Übereinstimmung im Sinne eines gelebten Christentums. Dabei hatte Goethe schon gefordert „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut …“ Die Gesprächsleitung hatte Dekan i.R. Ulrich Finke übernommen.

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