Bedrohte Art wieder freigelassen

Verletzt im Garten: Althegnenbergerin rettet seltenen Baumfalke

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Greifvogelexperte Thomas Reibl, der den Vogel aufpäppelte, und seine Retterin Andrea Männel.

Althegnenberg – Da saß das verletzte und erschöpfte Tier mitten auf der Wiese, viele verdutzte Menschen drum herum. Andrea Männel beobachtet das von ihrem Fenster aus und dachte prompt, da könne sie helfen.

Immerhin hat sich die 45-Jährige schon oft um verletzte Tiere gekümmert. Vor allem Igel und Eichhörnchen hat die engagierte Tierschützerin bereits aufgepäppelt. Also eilte sie geschwind mit einer Tiertransportbox in den Hof, wo ihre Nachbarn hilflos um das Tier herum standen.

Statt Taube doch ein Greifvogel

„Ich dachte, es wäre vielleicht eine Taube, mit denen kenne ich mich aus“, erzählt sie von ihren Gedanken beim Hinuntergehen. Die erst vor kurzem nach Althegnenberg gezogene Frau engagierte sich in ihrer alten Heimat Nordrhein-Westfalen nämlich unter anderem beim Verein „Stadttauben“. Doch statt einer Taube saß da ein weiß-brauner Greifvogel auf der Wiese – „ein wunderschönes Tier“ – aber sichtlich erschöpft und verletzt. Das Tier ließ sich in die Box heben, wo es zunächst sicher verwahrt war. 

Der Baumfalke kurz nach der Rettung aus dem Althegnenberger Garten: Erschöpft und mit einer Schulterprellung verletzt.

Doch was tun mit einem verletzten Vogel dieser Art? Das fragte sich auch Hännel und damit begann die Odyssee. „Ich habe mich eineinhalb Stunden durch sämtliche Nummern telefoniert“, erzählt sie. Immerhin wusste sie nicht, wer im Landkreis oder Umgebung für verletzte Wildvögel verantwortlich ist. Doch nach diesen schier endlosen Telefonaten war klar, dass sich die Tiernotrettung München um den Vogel weiter kümmern kann. Hännel fuhr den Vogel sofort dorthin. „Mitarbeiter brachten das Tier dann zur Greifvogelauffangstation nach Oberschleißheim“, erzählt die 45-Jährige. Normalerweise könnten alle Bürger verletzte Greifvögel dort hinbringen, aber wegen der Corona-Pandemie kann die Klinik diese aktuell nicht annehmen, weshalb nur Vermittler wie ein Tierschutzverein oder eben die Tiernotrettung dort Vögel abgeben dürfen. Mittlerweile weiß Andrea Hännel auch, was sie da genau gerettet hat: Ein Baumfalke. „Eine sehr bedrohte Art. Es werden in Deutschland nur 1.200 bis 1.500 Brutpaare geschätzt“, erklärt sie. Und weil diese Vogelart nur schwer aufzupäppeln und zu füttern ist –sie frisst hauptsächlich Libellen, andere fliegende Insekten oder auch mal einen kleinen Singvögel – kümmerte sich Thomas Reibl in Seeg bei seiner Auffangstation für Greifvögel ganz speziell um den verletzten Vogel. 

Nach Orientierungsrunde ab in den Wald

Am Tag der Freilassung: Der seltene Baumfalke.

Nach mehreren Wochen fürsorglicher Pflege ging es dem Baumfalken wieder gut. „Er hatte eine Schulterprellung“, weiß seine Retterin nun. Sie vermutet, dass sich der noch junge, aber schon ausgewachsene Vogel beim Spatz-Jagen durch die Hecken verschätzt hat. Weil seine Art so selten ist, wurde er vergangenen Samstag wieder in Althegnenberg ausgesetzt – in der Hoffnung, dass er hier auf ein Weibchen trifft, bevor es im Herbst nach Afrika geht. „Die Freilassung verlief traumhaft, der kleine Kerl hat eine Orientierungsrunde absolviert und dann ging es gleich ab in den Wald“, erzählt die Vogelretterin von dem Erlebnis.

Was tun mit verletztem Greifvogel?

Wer nun einen kranken oder verletzten Greifvogel sieht oder aber eine verletzte Taube, Eichhörnchen Igel, Wiesel oder Fledermaus entdeckt, kann sich bei Andrea Hännel telefonisch 0157 73675356 melden. Sie wisse ja nun was zu tun ist oder hat die passenden Kontakte. Die Tiernotrettung München ist unter 089 30779522 zu erreichen.

Kohr

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