Eugene Hostetler arbeitet in einem medizin-technischen Betrieb in Türkenfeld

"Meine Familie ist Amish"

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Bei seinem Besuch in Ohio: Eugene Hostetler (re) auf der Pferdekutsche mit einem Amish - Verwandten

Türkenfeld - Sie leben eigentlich wie vor 200 Jahren, tragen altmodische Kleidung und lehnen technische Hilfsmittel sowie Internet ab. Statt Autos und Traktoren benutzen sie Pferdekutschen: Regelmäßig fliegt Eugene Hostetler zu seinen amischen Verwandten nach Ohio - spätestens zum Familientreffen, das alle zwei Jahre stattfindet: ,,Letztes Mal haben wir ein großes Barbecue mit meinen zahlreichen Tanten, Onkels und Cousins gemacht ", erzählt der Amerikaner. Die Eltern stammen aus Ohio und Pennsylvania, den beiden größten Staaten mit Amish.  

 Obwohl seine Mutter die amische Gemeinde später verlassen hat, besuchte Eugene die Familie mütterlicherseits oft über das Wochenende. ,,Dort habe ich das Leben der Amish hautnah mitbekommen", sagt er. Der Name Amish oder Amische entstand aus dem Nachnamen von Jakob Amman, dem Gemeindevorsteher einer Mennonitengemeinde, dem die Bibel-Auslegungen der meisten Mennoniten nicht streng genug waren. Unter Mennoniten versteht man eine evangelische Freikirche, die auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurückgeht. Im Jahr 1693 spalteten sich die Amischen von der Hauptgruppe der Mennoniten ab. (Quelle: Wikipedia)

Seit sechs Jahren arbeitet der 47-jährige einem medizin-technischen Unternehmen in Türkenfeld

Seit sechs Jahren arbeitet der 47-Jährige, der in der Nähe von Landsberg wohnt, in der Produktion einer medizintechnischen Firma in Türkenfeld. Im Rahmen einer von der mennonitischen Kirche organisierten Reise ist er vor 20 Jahren nach Deutschland gekommen: ,,Ich war sechs Monate als Hausmeister in einem mennonitischen Zentrum in Ingolstadt tätig und weitere sechs Monate auf einem Bauernhof bei einer mennonitischen Familie". Anschließend lernte er eine mennonitische Familie mit Basketballhintergrund kennen und wurde selbst Basketballtrainer in Dachau, später in Ausgsburg.

Eugene Hostetler fliegt zu Familientreffen nach Ohio

Vor kurzem besuchte Eugene mit seiner Frau Miriam seine Verwandten in USA. Noch immer ist er fasziniert vom Leben und der Sprache der Amish, dem sogenannten ,,Pennsylvania-Dutch": ,,Meine vier Geschwister und ich konnten die Sprache verstehen und sprechen. Unsere Mutter hat sie uns beigebracht. Es ist ein Kauderwelsch aus deutsch und englisch". Als Kind war für ihn die Welt der Amish völlig normal: ,,Wir sind immer mit der Kutsche gefahren oder geritten, haben draußen gespielt und Glühwürmchen im Glas gesammelt", erinnert er sich. Das Schönste sei die Gemeinschaft der Amish untereinander gewesen. ,,Wir haben immer zusammen gegessen und viel Zeit miteinander verbracht. Das Leben läuft hier eben etwas langsamer", sagt Eugene.

Erst mit 21 Jahren müssen sie sich für ein Leben in der Gemeinde entscheiden 

Heute können die meisten Amish nicht mehr nur von der Landwirtschaft allein leben, so dass Männer in Fabriken und die Frauen in typischen ,Amish Restaurants' arbeiten. Viele von ihnen haben Handys, um für die Arbeit erreichbar zu sein. Nicht selten ist auch ein Auto hinter der Scheune versteckt, was mit der Zeit des ,,Rumspringa" zu tun hat. Jugendliche können ab 16 aus den Zwängen der Gemeinde ausbrechen. Sie dürfen den Führerschein machen, auf Parties gehen und anziehen, was sie möchten. Erst wenn sie 21 Jahre alt sind, müssen sie sich für ein Leben mit der Gemeinde entscheiden oder eben ohne. Jeden Sonntag besucht Eugene die evangelische Freikirche in Landsberg. Im Gegensatz zur mennonitischen Kirche, die es nur in Ingolstadt gibt, ist diese etwas weniger struktukturiert: ,,Wir pflegen den gleichen Glauben. Die Mennoniten sind sehr friedliebend und würden nie in den Kriegsdienst ziehen", erklärt er. ,,Ich versuche nach Jesu Beispiel zu leben. Eine goldene Regel lautet, Leute so zu behandeln, wie man selber behandelt werden möchte".

Nicole Burk

 

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