Prozess im Brucker Amtsgericht

50-Jähriger aus dem Landkreis vermittelte illegal exotische Tierarten

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Auch weiße Löwen hat der 50-Jährige illegaler Weise vermittelt.

Landkreis - Exotische Tierarten stehen in Deutschland unter besonderem Schutz. So ist hier zu Lande sowohl der Besitz als auch der Handel mit den Tieren ohne entsprechende Genehmigung durch das Landratsamt streng untersagt. Ein 50-Jähriger aus dem östlichen Landkreis erfuhr nun, welche Konsequenzen es hat, wenn man gegen diese Regeln verstößt.

Unsicher und verwirrt wirkte der 50-jährige Angeklagte mit rundlichem Gesicht und Vollbart, den zotteligen Haaren und der blau-weiß-gelben Trainingsjacke auf der Anklagebank. Immer wieder suchte er den Blickkontakt zu seinem Verteidiger, der gleichzeitig sein Betreuer ist – auch als die Anklage verlesen wird.

So soll der Mann aus dem östlichen Landkreis über eine eigens erstellte Webseite von 2015 über Jahre hinweg exotische und streng geschützte Tiere an Personen ins Ausland vermittelt haben. Im konkreten Fall geht es um einen weißen Löwen, ein Pumamännchen, ein erst acht Wochen altes Leopardenjunges sowie drei Löwenbabys. Hierbei sollen insgesamt Summen in Höhe von rund 95.000 Euro geflossen sein. Wobei es zumindest im letzten Fall auch zum Handel gekommen ist.

Löwenbabys machen deutschlandweit Schlagzeilen

So machten die Löwenjungen überregional Schlagzeilen, nachdem sie in Sachen-Anhalt aus ihrem Gehege ausbrachen und lange unklar war, woher die Tiere eigentlich stammten. „Der Angeklagte wollte mit den Tieren Gewinn erzielen“, warf ihm die Staatsanwältin vor. Und das, obwohl das Landratsamt dem 50-Jährigen bereits mehrfach eine Verwarnung ausgesprochen hatte, da der Angeklagte immer wieder mit Anzeigen auf seinen Online-Handel aufmerksam machte. Schließlich konnte im Zuge einer Durchsuchung seiner Wohnung neben einem Laptop auch ein Handy sichergestellt werden. Auf den Geräten fand die Polizei schließlich Dateien mit Kinder- beziehungsweise Jugendpornografie, die der Angeklagte wohl auch anderen Personen zur Verfügung gestellt hatte – weswegen er sich auch hierzu äußern musste.

Tierrechtsorganisationen geben Hinweise ans Landratsamt

„Ich gebe alles zu und streite es nicht ab. Auch werde ich es nicht wieder tun und mich dem Gesetz beugen“, erklärte der Angeklagte. Lediglich mit einem Punkt war er nicht einverstanden: „Es waren nur zwei und keine drei Löwen.“ Geld aus dem Verkauf hätte er demnach ebenfalls nicht gesehen. „Es ist nie zum Geschäft gekommen“, sagte der 50-Jährige, der laut eigener Aussage bei einem Zirkus gearbeitet hatte, nach mehrfacher Rückfrage durch Richter Martin Ramsauer über die Hintergründe allerdings nicht genauer Auskunft geben konnte. Wie ein Mitarbeiter des Landratsamtes erzählte, gingen bei der Behörde zahlreiche Hinweise von Tierrechtsorganisationen wegen „illegalem Tierhandel“ ein, weshalb schließlich auf Anordnung der Staatsanwaltschaft die Wohnung des Angeklagte durchsucht wurde. „Wir haben keine Tiere gefunden“, erklärte ein pensionierter Polizeibeamter vor Gericht. Dafür einige Speichermedien. Die Analyse dieser übernahm ein IT-Forensiker, der ebenfalls geladen war. So überprüfte der Gutachter im Auftrag der Kriminalpolizei insgesamt 575 kompromittierende Dateien, wobei es sich bei 516 kinder- beziehungsweise jugendpornografische Schriften handelte. Weiter fanden sich auf dem Laptop neben 113 verdächtigen E-Mails auch eine FileSharing-Software, um die Dateien zu verbreiten

Angeklagter leidet an verschiedenen psychischen Beeinträchtigungen

Wie eine Fachärztin in ihrem psychologischen Gutachten feststellte, leide der „körperlich verwahrloste, aber offene und höfliche Mensch“ offensichtlich an einer Mehrzahl von Beeinträchtigungen, beispielsweise Aufmerksamkeitsdefizite und zum Teil mangelnde kognitive Fä- higkeiten sowie fehlender Realitätsbezug. Das wirke sich zum Teil in der Art der Wortwahl wieder. „Der Angeklagte verhält sich zum Teil wie ein Kind“, sagte sie. Ebenfalls sei er in jungen Jahren sexuellem Kontakt mit Erwachsenen ausgesetzt gewesen und leide nun an einem starken Drang nach Aufmerksamkeit. Wohl ein Grund, weshalb er sich im Internet als „internationaler Tierhändler“ beschrieb.

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zwar zu Gute geständig zu sein, forderte aber aufgrund des wiederholten Besitzes kinderpornografischen Schriften – er wurde bereits 2011 zu einer Geldstrafe verurteilt – eine Gesamtfreiheitsstrafe in beiden Fällen von zwei Jahren auf Bewährung. Ebenfalls sei der Angeklagte mit 16 Verurteilungen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Vor allem aufgrund der Vorgeschichte des Angeklagten (Persönlichkeitsbild und kein Schulabschluss) forderte die Verteidigung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr.

So hat der Vorsitzende entschieden

Der Vorsitzende verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Weiter wird dem Angeklagten die Auflage gemacht, sich in regelmäßige psychologische Behandlung zu begeben. Besonders ins Gewicht fielen der mutmaßliche Verkauf der weißen Löwen, da diese unter besonderem Schutz stehen. „Dabei ist es unerheblich, ob es wirklich zum Verkauf gekommen ist“, sagte der Vorsitzende. Während im Bezug auf die kinderpornografischen Schriften aufgrund des psychologischen Gutachten auch von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen sei, hätte sich der Angeklagte hier sehr aktiv für seinen Online-Handel eingesetzt.

Felix Hamann

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