44-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Vor Gericht: Zusteller entsorgt Post im Altpapier

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Die entsorgte Post wurde zum Zustellzentrum nach Germering gebracht, wo sie untersucht wurde.

Da hat es jemand an seinem letzten Arbeitstag wohl etwas zu eilig gehabt. Denn anstatt adressierte Sendungen den rechtmäßigen Empfängern zuzustellen, warf ein Zusteller Teile der Post kurzerhand ins Altpapier – blöd für ihn nur, dass er dabei beobachtet und angeklagt wurde. Ein 44-jähriger Münchner musste sich nun am Amtsgericht Fürstenfeldbruck wegen Verstoßes gegen das Post- und Fernmeldegeheimnis vor Richter Johann Steigmayer zu den Vorwürfen äußern.

Fürstenfeldbruck/Kottgeisering - Der letzte Tag im Job ist nicht in seltenen Fällen wenig spektakulär. Während die Kollegen Glückwünsche für die Zukunft ausrichten, fährt man selbst den Computer herunter, schnappt sich die letzten Unterlagen und schiebt den Bürostuhl an den Schreibtisch. Ganz anders sah es da bei einem 44-jährigen Münchner aus, der sich wohl auch zukünftig an diesen besonderen Tag erinnern wird, weil ihn genau dieser Tag auf die Anklagebank brachte. 

Frankierte Briefe in der Mülltonne entsorgt

Dort sitzt er nun am 31. Oktober in gestreiftem Pullover und blickt stur auf die vor ihm liegenden Unterlagen, während die Staatsanwaltschaft die Anklage verliest. Auf einen Anwalt verzichtet er. Am 26. Mai verteilte der damalige Zusteller bei der Deutschen Post AG und jetzige Lagerist aus München Sendungen mit Briefen und Paketen in seinem Verteilungsgebiet Kottgeisering. Nachdem er bereits einige Postsendungen in den entsprechenden Haushalten eingeworfen hatte, soll er laut Staatsanwaltschaft die restliche Post, unter anderem frankierte Briefe in einer Mülltonne entsorgt haben. „Damit hat der Angeklagte die Sendungen unterdrückt“, erklärt die Staatsanwältin. Ihm werde nun vorgeworfen, gegen das Post- und Fernmeldegeheimnis verstoßen zu haben. 

Angeklagte wollte Stress mit dem Vorgesetzten vermeiden

„Es waren keine Postsendungen, es waren Werbeprospekte, die schon zerknittert waren“, erklärt der Angeklagte in erster Reaktion. Er gebe den Sachverhalt zu, jedoch sieht er seinen Fehler nicht darin, dass er die Post weggeworfen habe, sondern auf welche Art und Weise er das angestellt habe. „Ich hätte die Dinger abschreiben müssen“, gibt er sich reuig. Der 44-Jährige sei an dem Tag fast fertig mit der Tour gewesen, wollte aber nicht den Aufwand auf sich nehmen, die Post abzuschreiben. „Das hätte wieder Stress mit dem Vorgesetzten gegeben“, sagt er. Dieses Argument lässt der Vorsitzende nicht gelten: „Solange sie dort arbeiten, sind sie verpflichtet sich an die Regeln zu halten.“ Nach einem Blick auf Fotos, die damals durch die Polizeibeamten vor Ort gemacht wurden, erwidert Steigmayer: „Außerdem kann ich auf den Bildern nicht erkennen, dass sie zerknittert und verschmutzt sind.“ 

Als ersten Zeuge ruft Steigmayer einen 23-jährigen Polizisten aus Fürstenfeldbruck auf, der an besagtem Tag vor Ort war. „Wir wurden von einem Mitteiler angerufen, der gerade am Kochen war, als er durch das Küchenfenster beobachtete, wie der Angeklagte die Post ins Altpapier warf.“ Als der Mitteiler den 44-Jährigen zur Rede stellen wollte, sei dieser abgehauen. „Wir haben die Briefe dann zurück an die Post-Zentrale nach Germering übergeben“, erzählt der 23-Jährige. Dort hat sich dann ein ebenfalls geladener 54-jähriger aus Starnberg der Sendungen angenommen und sie überprüft. „Unter den Sendungen befanden sich 47 Dialogpostsendungen, adressierte Werbebriefe, drei großförmige Pressebetriebsstücke wie Tageszeitungen, 93 nicht beschriftete PostaktuellSendungen eines Supermarktes, zwei voll adressierte Postkarten sowie eine Adressverifizierung“, erzählt er. Anhand des Datums der Sendungen hätte der Angeklagte laut dem Starnberger noch genügend Zeit gehabt, die Sendungen zuzustellen. 

Sendungen waren alle zustellbar

Als sich der Vorsitzende zum Vorgang mit dem Abschreiben erkundet, widerspricht der 54-Jährige dem Angeklagten. „Sind die Briefe verschmutzt oder zerknittert, ist erwünscht, dass man diese persönlich abgibt und sich gegebenenfalls erklärt“, sagt er. Abschreiben könne man unter anderem nur Sendungen, bei denen der Empfänger nicht zu ermitteln sei. Das sei bei dieser Post jedoch nicht der Fall gewesen. „Alle die gefunden wurden, waren zustellfähig“, beendet der 54-Jährige seine Aussage. Die daraufhin eingeworfene Anmerkung des Angeklagten, dass das auch andere Kollegen so handhaben würden, unterstützt der Vorsitzende nicht. „Verletzungen von Gesetzen, rechtfertigen nicht die Verletzung von Gesetzen“, sagt der Vorsitzende.

Geldstrafe von 100 Tagessätzen je 35 Euro

Die Staatsanwaltschaft sieht sich in ihrer Anklage bestätigt. So habe der Angeklagte nach dem Motto „Nach mir die Sinnflut“ gehandelt und auch die Begründungen seien scheinheilig gewesen. Dazu hätte der Angeklagte die Möglichkeit gehabt, die Sendungen zuzustellen, was aber nicht geschehen sei. Da der Angeklagte schon mehrfach vor Gericht stand, forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 45 Euro. Richter Steigmayer verurteilt den Angeklagten zu einer etwas geringeren Strafe von 100 Tagessätzen zu je 35 Euro. „Wenn Post adressiert ist, ist sie auch zustellen und nur in wenigen Ausnahmen, kann ein Brief zurückgehen“, begründet Steigmayer sein Urteil. 

Hamann

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