Leiter der Forschungsstelle Militärische Berufsethik an der Universität der Bundeswehr hielt Referat in der vhs Gröbenzell 

Said Al-Dailami zog Bilanz zum "Arabischen Erwachen - Scharia oder Demokratie" 

+
Dr. Said Al-Dailami, Dozent an der Universität der Bundeswehr München, gab in seinem Vortrag eine Zwischenbilanz zum Thema „Das arabische Erwachen – Scharia oder Demokratie für die arabische Welt“

Fast drei Jahre nach dem Beginn des „Arabischen Frühlings“ stellte Dr. Said Al-Dailami, Leiter der Forschungsstelle Militärische Berufsethik am Institut für Theologie und Ethik an der Universität der Bundeswehr München, die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten vor.  Auf Einladung der vhs Gröbenzell zog der ehemalige Bundeswehr-Offizier vor 25 Zuhörern im Saal des Bürgerhauses eine Zwischenbilanz zum Thema „Das arabische Erwachen – Scharia oder Demokratie für die arabische Welt“.

„Arabischer Frühling“ oder „Arabische Revolution“ – diese Begriffe haben sich in den Medien für eine Protestbewegung durchgesetzt, die im Dezember 2010 innerhalb weniger Monate drei der autoritärsten Diktatoren der arabischen Welt zu Fall brachten – Zine el-Abidin Ben Ali in Tunesien, Hosni Mubarak in Ägypten und Muammar al-Gaddafi in Libyen. 

Ausgelöst wurde der „Arabische Frühling“ durch den jungen tunesischen Gemüsehändler Mohammed Bouazizi, der sich am 17. Dezember 2010 öffentlich verbrannte, weil er keine Lebensperspektive in seinem von Korruption gezeichneten Land mehr sah.

Ausführlich beschrieb der aus dem Jemen stammende promovierte Staats- und Sozialwissenschaftler die allgemeine Lage nach dem Sturz der Diktatoren in den Ländern und prognostizierte, dass ein Umbruch in den arabischen Staaten unaufhaltsam sei. Die Menschen, die wegen fehlender Zukunftsperspektiven und ihres geringen gesellschaftlichen Status anschließend frustriert auf die Straßen gingen, haben den Wert von Freiheit und der Autonomie des Individiums entdeckt. Der Prozess werde sich nicht aufhalten lassen, allerdings könne man nicht absehen, in welche Richtung dieser Weg führe.

Es hänge auch davon ab, ob der Westen, der die Region über ein Jahrhundert im Griff hielt, bereit ist, die Selbstbestimmung eines Raumes zu akzeptieren, der in vielfältiger Weise Objekt westlicher Interessen war und ist. 

 Vor allem sollte der Westen das durch die Ereignisse neue Selbstwertgefühl der arabischen Länder akzeptieren und nicht weiter als Ordnungsmacht auftreten. Was außenpolitisch gepredigt wird, wird nicht umgesetzt, so Dr. Al-Dailami. Auf die Frage eines Zuhörers, was denn die arabischen Staaten erwarten, antwortete Dr. Al-Dailami, "Worten Taten folgen lassen, damit der Westen die verlorengegangene Glaubwürdigkeit wieder zurückgewinnt".  Die habe der Westen durch die Unterstützung der bisherigen Herrschaftssysteme häufig ad absurdum geführt. Auch wenn die Menschen immer mehr im Sinne der Demokratie denken würden, so sei ihnen im Grunde genommen letztlich das Regierungsmodell gleich, meinte Dr. Al-Dailami. Egal, ob Demokratie oder Monarchie, den Protestierenden auf der Straße gehe es um die Rückerlangung der Würde. „Ihnen fehlt jegliche Würde, die ihnen ein menschliches Leben erlaubt und die beispielsweise bei uns fest in der Verfassung verankert ist.“ 

In Syrien tobt seit 2011 ein unerbittlicher Bürgerkrieg zwischen dem Regime Baschar al-Assad und bewaffneten Oppositionsgruppen. Assad werde sich noch länger halten, meinte Dr. Said Al-Dailami, denn die Welt sei sich wohl einig, dass man mit ihm leben könne. Eine Entmachtung Assads könnte zu einem politischen Vakuum führen. Bei seinem letzten Aufenthalt in Israel habe er, so Dr. Al-Dailami, gehört, auch wenn Assad Israel nicht freundlich gesinnt sei, so könne Israel mit ihm „leben“, denn auch Assads Gegner sind Israel nicht freundlich gesinnt. Das Problem liege woanders, meinte Dr. Al-Dailami und meinte damit den Iran.

Dieter Metzler

Meistgelesen

Menschenkette gegen Fremdenhass
Menschenkette gegen Fremdenhass
Schüler präsentieren ihre Projekte
Schüler präsentieren ihre Projekte
Linienbus in Vollbrand
Linienbus in Vollbrand
Naturjuwele fusionieren
Naturjuwele fusionieren

Kommentare