Archäologische Zeichnungen aus 40 Jahren - Grafrather Kunst & Handwerk wird ergänzt durch Sonderausstellung zum Vorderen Orient

Am 26./27. Juni bietet die Gemeinschaftsausstellung von Cornelie und Claudia Wolff sowie Inge Kern im Jahrholzweg 6 außer ‚Kunst & Handwerk’ den ganz außergewöhnlichen Zusatzaspekt einer Sonderausstellung zu archäologischen Zeichnungen aus 40 Jahren Grabungen im Vorderen Orient. Ausgeführt von Cornelie Wolff.

Als akademische Malerin von Landschaften und Stilleben hat sie seit 1970 „so nebenbei“ sich an Ausgrabungsexpeditionen in den Irak, in die Türkei und nach Syrien beteiligt. Während ihres Studiums an der Bayerischen Akademie der Bildenden Künste hatte sie auf einen Aushang des Archäologischen Instituts der LMU reagiert und sich um eine Stelle als Zeichnerin bei Ausgrabungen im Vord. Orient beworben. Sie wurde angenommen und konnte erstmals zwischen 1973 und 1989 das Ausgrabungsteam nach Isin in Zentral-Mesopotamien („War mal die Hauptstadt Babylons …“) begleiten. Hier zeichnete sie Funde aus der altbabylonischen Zeit im 2. Jahrtsd. v.Chr. Weitere wieder aufgenommene deutsche Ausgrabungen in Assur zwischen Bagdad und Mosul kamen 1990 mit dem Beginn des ersten Irakkrieges zum Erliegen. Für Cornelie Wolff erfolgte zwischen 1992 und 1996 eine Verlegung in die Südtürkei nach Sirkeli bei Adana, was die Erfassung und Geschichte zum Hethitischen Großreich berührte: „Ich war dort an fünf bis sechs Grabungen zeichnerisch beteiligt.“ Zwischendurch konnte sie auch mal an die Grabungsstätte Hassek am Südrand des Taurusgebirges in Anatolien ausweichen, was mit reichen Keramikfunden einen Einblick in das Leben einer spätturukzeitlichen Siedlung vermittelte. Zuletzt war Frau Wolff und das auch schon zum 5. Mal seit 2000 im Jahr 2009 im nordsyrischen Tall Bazi im Euphrattal mit dem sagenhaften „Falkenhügel“ und dem Grundriß einer Zitadelle aus dem 2. Jahrtsd. v.Chr. „Die müssen damals, so die Grabungsbeurteilung, die Gegend fluchtartig verlassen haben …“ Cornelie Wolff bereitet inzwischen auch schon langjährig im archäologischen Institut der LMU die Studenten für ihre späteren Tätigkeiten im Auslandseinsatz im Fachbereich Zeichnen/Keramikzeichnen unterrichtsmäßig vor. Wieso dies eigentlich in Zeiten perfekter Digitalfotos und reichlichem Filmmaterial überhaupt noch erforderlich ist, beantwortet sie knapp: „Weil manche Schnitte in dieser geforderten wissenschaftlichen Präzision von Foto/Film nicht bewältigt werden können - wie zum Beispiel bei Roll-Siegel-Abbildungen.“ Die Sonderausstellung zu Archäologie-Zeichnungen in Grafrath hält sehr viele Beispiele zu einer fremden, längst verklungenen Welt bereit. ‚Kunst & Handwerk’, 26./27. Juni 2010, 10-19 Uhr, Grafrath, Jahrholzweg 6, mit Cornelie Wolff (Malerei), Claudia Wolff (Keramikkreationen) und Inge Kern (Schmuck aus Glasperlen).

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