390 Asylsuchende im Landkreis FFB untergebracht mit steigender Tendenz 

Deprimierende Herbergssuche für Asylbewerber auch im Kreis FFB

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Knapp 50 interessierte Zuhörer kamen zur Info-Veranstaltung des Brucker Forums

Fürstenfeldbruck – Krisenherde vor allem im Nahen Osten, in Nordafrika und der Russischen Föderation lassen die Zahl der Asylanträge in Bayern nach oben schnellen. Die Unterbringung der Flüchtlinge bereitet Probleme – auch im Landkreis Fürstenfeldbruck. Derzeit sind 390 Asylbewerber im Landkreis gemeldet. 

Allein im zu Ende gehenden Jahr habe der Landkreis 320 Asylbewerber unterbringen müssen. Das sei nur mit Mühe gelungen, berichtete der Referatsleiter von der Ausländerbehörde im Brucker Landratsamt, Dieter Bamesreiter, im Pfarrheim St. Bernhard im Brucker Westen. Und die Lage werde sich weiter verschärfen, teilte Landrat Thomas Karmasin mit. 

Im kommenden Jahr werde der Landkreis mit weiteren 300 bis 600 Flüchtlingen rechnen müssen. Knapp 50 Bürgerinnen und Bürger interessierten sich für die am 28. November vom Brucker Forum initiierte Informations-Veranstaltung über die „Situation der Asylbewerber im Landkreis“. Das größte Problem stelle tatsächlich die Wohnraumbeschaffung dar, teilte Bamesreiter mit. Viele Gebäude und Häuser kämen allein wegen ihrer Bauart nicht infrage, wegen der brandschutzrechtlichen Auflagen oder auch wegen des Widerstands der Anwohner. Ggf. sei der Landkreis gezwungen, öffentliche Gebäude zu beschlagnahmen. Eine weitere unangenehme Seite sei auch die Rückführung von Asylanten, wenn ein Asylantrag abgelehnt werde, berichtete Bamesreiter. Die Rückführung habe die Ausländerbehörde durchzuführen, ggf. eine Abschiebung durchzusetzen. Auch die Rückführung nach dem „Dubliner Abkommen“, müsse stets geprüft werden. Nach dem Abkommen wird ein Antrag von dem EU-Staat behandelt, das der Asylbewerber zuerst betreten hat. Damit soll verhindert werden, dass ein Flüchtling mehrere Asylanträge in verschiedenen EU-Ländern gleichzeitig stellt.

 Ralf Grath von der Caritas berichtete, dass die Wohlfahrtsverbände bei der Vielzahl von Asylanten an ihre Leistungsgrenzen stoßen, auch wenn Caritas, Diakonie und das Landratsamt gut zusammenwirken. Als größtes Problem stellte Grath die sprachlichen Schwierigkeiten heraus, aber auch dass die Menschen teilweise in beengtem Wohnraum zusammenhocken, arbeiten möchten, aber keine Arbeit bekommen, bzw. in den ersten neun Monaten nicht arbeiten dürfen. Geld sei nicht vorrangig, sondern eine Beschäftigung. Die Kinder sollten die Chance erhalten, die Schule und eine Berufsausbildung abzuschließen.

 Es gebe aktuell keinen Leerstand, stellte der Evangelische Dekan Stefan Reimers die kirchliche Immobiliensituation dar. Auf Kirchengebiet Container aufzustellen halte er für problematisch. In anderen Regionen wurden gar Kirchenaustritte angedroht. Da müsse uns mehr einfallen, meinte der Dekan. Er werde weiter im Landkreis an die Gemeinden appellieren, Grundstücke zur Verfügung und an die Gemeindemitglieder, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Im Vordergrund stehe stets der Mensch, nicht der Asylant oder Flüchtling, so Reimers. Mit Birgit Epp berichtete eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen vor Ort von ihren Erfahrungen. 

Die Helferkreise, die in Fürstenfeldbruck, Schöngeising, Mammendorf oder in anderen Gemeinden im Landkreis existieren, gelte es zu vernetzen, so Epp. „Wir sind kein Verein, wir sind bisher nur ein zusammengewürfelter Haufen.“ Inzwischen habe man einen Flyer erstellt, auch eine Homepage werde ins Internet gestellt und auf Facebook sei man schon vertreten. Es würden zwar zwischen den hauptamtlich und den ehrenamtlich tätigen Helfern eine gute Zusammenarbeit bestehen, sagte die Geschäftsführerin des Brucker Forums, Christine Höppner, bei der Begrüßung, aber ihr Ziel sei es, Netzwerke aufzubauen, um effektiv und wirksam helfen zu können. „Viele wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen und wie sie helfen können.“ Deshalb habe sie eine Namensliste ausgelegt, damit sich die Menschen, die helfen wollen, eintragen können. Die Flüchtlinge brauchen aus der Bevölkerung dringend Unterstützung, der Landkreis allein könne es nicht schaffen. „Wir wollen, dass sich die Menschen nicht allein gelassen fühlen“, sagte Epp. „Da helfen schon Kleinigkeiten, wie zum Beispiel ein kurzer Besuch, um nachzufragen, wie man helfen könne.“ Man habe im Bruck alle Vereine angeschrieben, berichtete die ehrenamtliche Helferin. Doch das Ergebnis sei ernüchternd gewesen. „Bis auf den TSV West hat kein Verein geantwortet.“ 

Die Wohnungssuche sei deprimierend, so Epp. Man habe tausende Besichtigungen gemacht, jedoch erfolglos. Mit Javed Rahimi berichtete ein vor sechs Monaten vor den Taliban geflüchteter Englisch-Dozent über seine Flucht aus Afghanistan. Mit Frau und zwei Kindern lebt er in Schöngeising. „Ich habe kein Auto, kein Geld, keinen Job“, sagte er bereits in deutscher Sprache, „aber ich habe Frieden – das ist wichtig für mich und meine Familie.“ Die Menschen in Schöngeising hätten ihm  viel geholfen, so Rahimi. 

 Dieter Metzler

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