Asyl in Olching – Caritas-Referent sprach 

Große Töpfe und warme Bekleidung dringend benötigt für Asylbewerber

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Willi Dräxler hielt einen viel beachteten Vortrag über Asyl in Bayern.

Olching – Das Landratsamt Fürstenfeldbruck will künftig insgesamt bis zu 40 Asylbewerber in der Olchinger Hermann-Böcker-Straße unterbringen, 33 davon sind bereits hier. Sie kommen unter anderem aus Afghanistan, dem Irak, aus Nigeria und aus Syrien.

Nach heftigen Protesten einiger Anwohner, die sich über mangelnde Informationen beklagt hatten, hielt Willi Dräxler, Migrationsreferent der Caritas für die Diozöse München-Freising, einen von FW-Stadtrat Peter Knoll kurzfristig anberaumten Fachvortrag zum Thema Asyl. Die sich anschließende Diskussion machte deutlich, dass sich viele Anwohner um ihre neuen Nachbarn kümmern wollen.   

 „Wir müssen uns bekannt machen von Angesicht zu Angesicht“, forderte Willi Dräxler in seinem Vortrag vor über 60 Anwesenden. Darunter befanden sich neben Anwohnern Stadträte von CSU, Grünen und den einladenden Freien Wählern. Auch der FDP-Landtags-Direktkandidat Andreas Teichmann und die Geistlichen Pfarrer Winfried Werner und Vikar Dr. Paul Streidl waren gekommen. 


Willi Dräxler: „Flucht und Vertreibung gibt es, seit es Menschen gibt.“ Deutschland sei erst in jüngster Zeit zu einem Einwanderungsland geworden, die meiste Zeit seiner Geschichte haben Deutschland laut Dräxler deutlich mehr Menschen – überwiegend aus wirtschaftlichen Gründen – verlassen als umgekehrt. Im Jahr 2012 seien bisher rund 70.000 Asylbewerber nach Deutschland gekommen, darunter viele Menschen aus Rumänien und Bulgarien. „Die Arbeitslosigkeit unter den dortigen Minderheiten beträgt teilweise über 90 Prozent, die Menschen haben buchstäblich nichts zu Essen, kein Heizmaterial für den Winter.“ Deutschland brauche jährlich mindestens 100.000 Zuwanderer um den Bevölkerungsrückgang auszugleichen. Unter den Asylbewerbern seien besonders viele Hochqualifizierte. „Asylbewerber erreichen mehr (Fach-)Hochschulabschlüsse als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung“, belegte Dräxler anhand einer Studie aus Nordrhein-Westfalen. Allerdings sei auch die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss höher. „Es kommt ganz darauf an, diese Menschen frühzeitig gut zu integrieren.“   

 Ein erster Schritt dazu ist gemacht. Wie in der Versammlung angekündigt, besuchte bereits am folgenden Tag eine Delegation die Asylbewerber, um sich vorzustellen und sich ein Bild von ihrer Lage zu machen: Pfarrgemeinderätin Melanie Muschik-Schuster, Fariba Knoll, die selbst 1986 als Asylbewerberin aus Teheran nach Olching kam, die Sozialpädagoginnen Daniela Paunert und Sabine Probst, die Sozialreferentin Gerlinde Zachmann und der 2. Bürgermeister von Olching, Robert Meier. Auch die Anwohner waren mit Harald Rohne vertreten. Fariba Knoll berichtete, dass sich die Besuchten sehr über den überraschenden Besuch gefreut hätten. „Sie wollen sich hier integrieren und so schnell wie möglich Deutsch lernen.


 Aktuell benötigen die Asylbewerber vor allem große Töpfe und warme Kleidung, vor allem für zwei elf- und 13-jährige Buben, in Kürze vor allem Babysachen für eine hochschwangere Afrikanerin. Auch ein Kinderwagen für einen Zweijährigen  mit warmem Fellsack wird benötigt. Die Jugendlichen wollen nicht herumsitzen, sondern in die Schule gehen.“ Rund 20 Olchinger(innen), vor allem Anwohner, haben sich bereits bei Peter Knoll, Referent für Gleichstellung, Migration, unter pk@4edition.com gemeldet und wollen den Neuankömmlingen helfen. Ein Olchinger Ehepaar wollte spontan die Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernehmen. Allgemeiner Tenor: „Wir sind nicht ausländerfeindlich – im Gegenteil. Aber wir wollen vernünftig informiert werden!“ 

Peter Knoll

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