Rechtzeitig vor Beginn der kalten Jahreszeit ist die neue Asylbewerberunterkunft fertig – Besichtigung durch die Bürger 

Wohnanlage für Asylbewerber in der Hasenheide bezugsfertig

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Hinter dem L-förmigen neuen Gebäude zur Unterbringung von Asylbewerbern wurde auch ein Spielplatz mit Sandkasten und einigen Spielgeräten angelegt.

Fürstenfeldbruck – Rechtzeitig vor Einbruch der kalten Jahreszeit ist die neue Wohnanlage für Asylbewerber Am Hardtanger 7 in der Brucker Hasenheide fertig geworden. Die Bauzeit betrug knapp zwölf Monate. Gekostet hat die Unterkunft, die Platz für etwa 90 Flüchtlinge bietet, knappe drei Millionen Euro. Bevor die Asylbewerber in den nächsten Tagen einziehen, konnte die Bevölkerung die neue Wohnanlage besichtigen. Dabei standen Mitarbeiter des Landratsamtes, der Architekt und der Objektleiter drei Stunden lang Rede und Antwort. 

 Überrascht und erfreut zeigte sich Architekt Ferdinand Krissmayr aus Dachau von dem großen Interesse der Brucker Bürgerinnen und Bürger. Die gaben sich die Türklinke in die Hand. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Das in massiver Bauweise errichtete zweigeschossige Gebäude ist so konzipiert, dass es ohne großen Aufwand im Anschluss einer anderen Nachnutzung zugeführt werden kann. Insgesamt befinden sich in den beiden Etagen 34 Wohnräume, unterteilt in Zweibett- und Familienzimmer, fünf Küchen, in jeder Etage zwei nach Geschlechtern getrennte Sanitärbereiche, Gemeinschaftsräume, Spielzimmer und Hausaufgabenzimmer. Im Erdgeschoss ist darüber hinaus ein Arzt, Beratungs- und Krankenzimmer sowie ein Büro eingerichtet. „Jeder Wohnraum verfügt neben Tisch, Stuhl, Bett und Schrank über einen eigenen Kühlschrank“, erklärte Matthias Heiß vom Landratsamt. Die Gemeinschaftsräume mit Kühlschränken auszustatten, das funktioniere nicht, so Heiß. „Da gibt es zu viel Streit.“ 

Das Gebäude ist mit einer auf die Integrierte Leitstelle aufgeschalteten Brandmeldeanlage versehen. „Im Gang müssen zwei Rauchmelder anschlagen, um einen Alarm auszulösen“, informierte Heiß. Damit will man Fehlalarme vermeiden. „In der Küche muss gar erst der Dunstabzug eingeschaltet werden, erst dann lässt sich an einem separaten Schalter an der Wand der Elektroherd einschalten“, informierte Heiß über weitere Sicherheitsvorkehrungen. „Und wenn das Ausschalten der Herdplatte vergessen wird, schaltet sie automatisch nach einer Stunde ab.“ „Die Unterkünfte für die Asylbewerber in der Erstaufnahmeeinrichtung im Fliegerhorst sind mit Sicherheit nicht schlecht, aber das hier, das ist einfach nur traumhaft“, zeigte sich Dirk Hasenjaeger, ehrenamtlicher Asylhelfer bei der Caritas, nach der Besichtigung des neuen Wohnheims für die Flüchtlinge begeistert. In Anbetracht der weiter nach Bayern strömenden Flüchtlinge bezweifelt Hasenjaeger allerdings, ob dieser Standard haltbar sein wird. 

Als funktional und zweckmäßig bezeichnete der stellvertretende Landrat Uli Schmetz (SPD) die Unterkunft. „Die Menschen werden wohl in erster Linie froh sein, ein Dach über dem Kopf zu haben“, widersprach er einer Besucherin, die einen Konkurrenzkampf mit den Bewohnern der Containeranlage befürchtet, die auf dem gleichen Grundstück leben. Die vom Landratsamt angemieteten Container werden aufgrund des Zustroms von Flüchtlingen vorerst wohl weiterhin gebraucht, meinte Jimmy Liu vom Ausländeramt. Die Stadt hatte wohl mit dem Gedanken gespielt, die Container zu erwerben, um sie an einem anderen Standort für Obdachlose und anerkannte Asylbewerber zu verwenden. 

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Brucker Stadtrat, Andreas Lohde, lobte die vorausschauende Nachnutzungsmöglichkeit des Gebäudes. „Da vermute ich allerdings, das wird noch eine ganze Weile dauern, bis man sich darüber Gedanken machen kann.“ Für nicht übertrieben hält der Brucker Josef Hillmaier die Unterkunft. „Der Bürger braucht sich nicht aufregen, Geld wurde bei der Einrichtung jedenfalls nicht aus dem Fenster geworfen.“ Bemängelt wurde von Hillmaier allerdings, dass die Duschen keine Türen haben und dass der Zutritt zu den getrennten Sanitärbereichen nicht abschließbar ist. „Das geht gar nicht“, meinte Hillmaier. „Wo so unterschiedliche Nationalitäten und Religionen unter einem Dach wohnen.“ Hillmaier befürchtet Probleme. Für Therese Oswald aus Emmering sind die Baukosten zu hoch, obwohl der Architekt am Ende weniger als veranschlagt, verbraucht hat. „Drei Millionen aus Steuergeldern, das ist zu viel. Viele Rentner wären schon über 100 Euro Unterstützung froh.“ Auf seine neue Aufgabe freut sich hingegen der 45-jährige Baba Baleyara, auch „wenn`s mehr is als a Full-Time-Job“, wie der gebürtige, seit 23 Jahren in Deutschland lebende Senegalese in breiten Bayerisch meint. Er übernimmt die neue Asylunterkunft als Betreuer. 

Zuvor hat der in Germering wohnende fünffache Familienvater die Asylunterkünfte in Mammendorf und Grafrath betreut. Noch dem Germeringer Helferkreis angehörend hat er auch als Dolmetscher fungiert, denn neben seiner Heimatsprache und Deutsch beherrscht Baleyara Französisch und Englisch. 

Dieter Metzler

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