Tierschutz

Kunst-Pelz der keiner ist

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Dreckig, eng und ungemütlich sind laut Tierschutzorganisationen die Käfige im Ausland, in denen Marderhunde für Bommel und Jacken-Kragen gehalten werden.

Fürstenfeldbruck – Die Kontrolleure des Tierschutzvereines „Soko Tierschutz“ aus Augsburg fanden auch in drei Geschäften in Fürstenfeldbruck echten Pelz an Mützen, der nicht als solcher gekennzeichnet wurde.

Kunstfell ist teurer als die Häute der Tiere aus beispielsweise chinesischen Massentierhaltungen. Dies führt dazu, dass echter Hundepelz oder Fuchspelz als 100 Prozent Acryl verkauft wird. So kaufen Menschen, die Pelz eigentlich ablehnen, diese Produkte, obwohl eine Kennzeichnung von echtem Pelz gesetzlich vorgeschrieben ist.

Sieht flauschig aus, ist aber oft auch echt: So sehen die Bommelmützen aus, die in Fürstenfeldbruck mit nicht gekennzeichnetem echtem Pelz gefunden wurden.

„Es war nicht schwer, Geschäfte zu finden, die echten Pelz als Kunstpelz verkaufen“, sagt Gründer und Vorstand von Soko Tierschutz, Friedrich Mülln. Die Namen der Geschäfte dürfen jedoch aus rechtlichen Gründen nicht genannt werden. Die Tierschützer haben in allen drei Läden Verantwortliche mit der Tatsache konfrontiert. „Alle haben gesagt, dass sie nichts von der falschen Kennzeichnung wussten“, erzählt Mülln. Bei einem Geschäft glaubt Mülln das. Dieses hätte die Mützen auch sofort aus dem Sortiment genommen. „Andere Mitarbeiter waren nicht so freundlich“, schildert Mülln. Dort habe es etwas gedauert, bis die Mützen mit den Pelzbommeln aus dem Sortiment verschwanden.

SOKO Tierschutz und ein Mützenhersteller haben sich nun entschlossen die Firmen mit illegalen Echtpelzprodukten zu verklagen. „Strafanzeigen brachten letztes Jahr keinen Erfolg, also werden wir jetzt diese Händler zusammen mit einem tierfreundlichen Mitbewerber systematisch abmahnen lassen und im Zweifel vor Gericht bringen“, sagt Friedrich Mülln. Denn nicht nur in Augsburg und Fürstenfeldbruck sondern in vielen Städten Deutschlands wurde der Verein fündig. „Uns liegen hunderte Hinweise auf falsch gekennzeichnete Mützen und Jacken vor, die nicht den vorgeschriebenen Satz: ‚enthält nichttextile Bestandteile tierischem Ursprungs‘ beinhalten oder gleich ganz als 100 Prozent Acryl verkauft werden“, erzählt Mülln. „Wir haben Mützen von zehn bis 150 Euro gefunden, an denen der gleiche Hundepelzbommel hing“, berichtet die Gründerin des Partner-Mützenherstellers.

Echten Pelz von Kunstpelz unterscheiden:

- Beim Reinpusten in den echten Pelz bewegen sich alle Haare im Luftstrom.

- Unter den Kunst-Haaren ist weiche Unterwolle zu sehen.

- Wenn man dagegen echte Tierhaare auseinanderzieht, ist darunter glattes Leder zu erkennen, bei Kunstpelz erkennt man verwebte Fäden.

- Wenn man ein paar Haare verbrennt, schrumpft Kunstpelz zu Plastikklümpchen zusammen; er riecht synthetisch. Echter Pelz riecht wie ein menschliches Haar, das verbrennt.

Die Geschäfte verkaufen laut Soko Tierschutz Mützen von einer Hundeart, die in Käfigen auf Pelzfarmen in Finnland, Polen und China gehalten wird. Die Marderhunde seien die Hauptopfer des Trends zu Bommeln und Jackenkrägen. Recherchen von SOKO Tierschutz in Polen und China zeigen die Zustände bei der Haltung und Tötung der Tiere. „Es dauerte in China teilweise 15 Minuten bis die Tiere tot waren, trotz Knüppelschlägen und Fußtritte. In Polen leben die Wildtiere in winzigen Drahtkäfigen“, berichtet Friedrich Mülln der vor Ort war. Die Abmahnungen könnten laut Soko Tierschutz für die Händler teuer werden und die geplanten Zivilprozesse das „Schnäppchen“ für die Geschäfte und Händler schnell zu einem finanziellen Fiasko werden lassen. Der Tierschutzverein hat vor, weitere Geschäfte auf falsch gekennzeichneten Pelz zu untersuchen.

Für Kunden, die echten Pelz gekauft haben, dies aber nicht wollten: „Versucht das Teil zurück zu geben. Wenn es falsch deklariert ist, geht das auch im Laden sicher. Online ist sogar zwei Wochen Zeit. Wichtig: Begründet die Rückgabe mit Pelz“, rät Mölln.

Miriam Kohr

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