Bessere Integration der Flüchtlinge war Motto bei IHK-Tagung in der Furthmühle - "Ohne Zuwanderung geht Deutschland in 50 Jahren vor die Hunde"

IHK: Ausbilden statt Abschieben

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Mühlen-Chef Albert Aumüller (links) begrüßte die rund 30 IHK-Tagungsteilnehmer im Industrie-Denkmal Furthmühle, danach ging es um die Zukunft der Asylbewerber und Deutschlands.

Egenhofen – Kaum ein Thema beschäftigt die Allgemeinheit zurzeit so wie der stete Zustrom von Asylbewerbern. Auch die lokale Wirtschaft. Doch während sich in der Bevölkerung Hilfsbereitschaft und Skepsis die Waage halten, fordern die Wirtschaftsbosse Taten – zur besseren Integration der Flüchtlinge. Ihr Motto auf einer IHK-Tagung in der Furthmühle: Ausbilden statt Abschieben. Das Motiv ist klar: Gegenwärtig fehlen der oberbayerischen Wirtschaft rund 45.000 Fachkräfte, bis 2030 werden es gar 75 000 sein, wie Dr. Robert Obermeier von der IHK München und Oberbayern darlegte. 

 Andererseits treffen zurzeit rund 500 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge pro Tag in Bayern ein, also Unter-18-Jährige, vornehmlich junge Männer. „Alle hoch motiviert, wenngleich mit sehr unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen“, ergänzte Obermeiers Kollege Hubert Schöffmann. Und alle mit demselben Problem: Drei Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland dürfen die jungen Flüchtlinge zwar eine Ausbildung beginnen, doch ob sie die Lehre auch beenden können, ist höchst unsicher. 

Der Grund: Das komplexe Anerkennungsverfahren, das immer wieder zu Ungerechtigkeiten und Härtefällen führe. „Erst wenn wir uns direkt an den Innenminister Herrmann wenden, geht plötzlich etwas“, berichtete Schöffmann vom Fall eines bestens integrierten afghanischen Lehrlings, der plötzlich von der Abschiebung bedroht war. Daher trommeln die bayerischen Industrie- und Handelskammern seit einiger Zeit für das „3+2-Ausbildungsmodell“. Es besagt im Kern: Jeder, der eine Ausbildung beginnt, darf sie beenden – dafür steht die „3“ in der Formel. Anschließend soll er oder sie zumindest zwei Jahre Gelegenheit erhalten, den erlernten Beruf auch auszuüben. Das besagt die „2“. Nicht zuletzt würden die ausbildenden Betriebe von einer derartigen Regel profitieren, so Schöffmann; Stichwort „Investitionssicherheit“. „Ministerpräsident Horst Seehofer hat uns seine Unterstützung zugesagt“, erzählte der IHK-Experte weiter. Allerdings erst nachdem die IHK eine gemeinsame Pressekonferenz mit den bayerischen Grünen abgehalten hätten, setzte er süffisant hinzu. Die IHK setzt aber nicht nur auf die politische Karte, sie empfiehlt auch regionale Allianzen: mit den Arbeitsagenturen, sozialen Organisationen und den Behörden. Und nicht zuletzt mit den Berufsschulen, denen eine Schlüsselrolle bei der Qualifizierung der jungen Ausländer zukommt. 

An der Dachauer Berufsschule gibt es zurzeit vier Klassen, in Bruck sind es zwei Klassen, in denen die jugendlichen Flüchtlinge auf das hiesige Berufsleben vorbereitet werden. Zudem will die IHK umgehend „Bildungsberater“ schulen, die die Ausbildungsbetriebe unterstützen sollen. Im Dachauer Landratsamt wurde kürzlich eine Koordinierungsstelle für alle Asylfragen eingerichtet, die erste in ganz Bayern. Isabell Sittner bekleidet sie. Prompt hakte Stephan Reinhold, der Generalbevollmächtigte der CEWE-Stiftung nach: „Ist so eine Stelle auch im Landkreis Fürstenfeldbruck vorgesehen?“ Eine Frage, die niemand zu beantworten wusste. Doch auch in Dachau sind mit Sittners Stelle nicht alle Probleme gelöst. Die Volljuristin hat alle Hände voll zu tun und betonte: „Ohne die ehrenamtlichen Helfer könnten wir den Zustrom nicht bewältigen!“ Spontan meldete sich der stellvertretende Chef der Dachauer und Brucker IHK, Jürgen Biffar: „Wir müssen die Helferkreise stärker unterstützen. Sie sind das Öl im Getriebe.“ Biffar stimmte auch nachdenkliche Töne an: „Wir (die Unternehmer – d. Red) sind nicht die Mehrheit. Die Mehrheit im Volk hat Angst vor dem Unbekannten und Angst vor der Arbeitsplatzkonkurrenz.“ Was vielleicht weniger auf die Region München gelte, schränkte der Geschäftsführer der DocuWare GmbH ein. Dann setzte Biffar hinzu: „Ohne Zuwanderung geht Deutschland in 50 Jahren vor die Hunde.“

Horst Kramer 

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