VerA oder "Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen" – Ehrenamtliches Projekt der Industrie, des Handswerks und der freien Berufe 

Damit junge Auszubildende die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen 

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VerA-Regionalkoordinator Franz Schropp informierte über die Initiative „VerA“ – Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen und Stärkung von Jugendlichen in der Berufsausbildung durch SES-Ausbildungsbegleiter

Fürstenfeldbruck – Im Bundesdurchschnitt bricht jeder fünfte Jugendliche seine Ausbildung vorzeitig ab. Das sind mehr als 100.000 Ausbildungsverträge pro Jahr. Vor sechs Jahren hat der SES, eine der großen deutschen Ehrenamtsorganisationen für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand  zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Industrie und des Handels, des Handwerks und der freien Berufe die Initiative VerA aufgelegt.

VerA oder „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ hat bislang 5.000 Jugendlichen geholfen, berichtete Franz Schropp, VerA-Regionalkoordinator, den ca. 60 interessierten Personen, die am 3. Juli, an der Informationsveranstaltung im Brucker Landratsamt teilnahmen. „Das Projekt hat mich sehr begeistert“, sagte Landrat Thomas Karmasin bei der Begrüßung. Ausbildungsplätze habe man reichlich im Landkreis zur Verfügung, das sei nicht das Problem, sondern vielmehr zu verhindern, dass Auszubildende ihre Ausbildung abbrechen. „Darauf müssen wir unser Augenmerk richten“, betonte Karmasin. Leider gelinge dies nicht in allen Fällen ohne Unterstützung. 

Durch das Projekt VerA könne die Hilfe gewährleistet werden, die sich Jugendliche, Eltern, Lehrer und Ausbildungsbetriebe wünschen. Das Projektziel erläuterte anschließend in einer knappen Stunde der Regionalkoordinator. Danach sollen sogenannte „Senior Experten“ von einem Ausbildungsabbruch bedrohte Auszubildende betreuen, um sie zu einem erfolgreichen Berufsabschluss zu führen. Das Besondere an VerA ist das Tandem-Modell: In der Regel kümmert sich ein ehrenamtlicher Ausbildungsbegleiter um einen einzigen Jugendlichen. Die Senior Experten werden durch eine zweitägige Qualifizierung auf ihre Aufgabe vorbereitet und während des Einsatzes durch SES-Ausbildungsbegleiter unterstützt. Sie nehmen die Aufgabe ehrenamtlich wahr, bringen die notwendige Zeit mit und sind unabhängig. 

Bisher habe sich die Bildungspolitik im Bereich der beruflichen Bildung intensiv mit der Gewinnung zusätzlicher Ausbildungsplätze beschäftigt, führte Schropp aus. Durch die rückläufigen Zahlen für Schulabgänger und dem gestiegenen Angebot an Ausbildungsplätzen müsse man sich zukünftig auf neue Schwerpunkte konzentrieren. Viele Unternehmen klagen über Fachkräftemangel, so Schropp. Aus unternehmerischer und gesellschaftlicher Sicht dürfe daher kein Jugendlicher für eine Ausbildung verloren gehen. Die Ursachen, die zu einem Ausbildungsabbruch führen sind vielfältig und komplex. Sie werden von den Abbrechern und den Ausbildern unterschiedlich gewichtet und wahrgenommen.

So führen oft wegen mangelhafter Information über das entsprechende Berufsbild zum Abbruch. Aber auch mangelnde Motivation, Probleme im persönlichen Umfeld, sprachliche Defizite, Defizite in Theorie und praktischen Fähigkeiten des Berufs, Schwierigkeiten am Ausbildungsplatz oder in der Berufsschule sind Abbruchsgründe. Der Anteil der Auszubildenden mit Migrationshintergrund liegt bei 25 Prozent, teilte Schropp mit, und er sei weiter ansteigend. Als Lösungsansätze vor Beginn der Ausbildung empfahl Schropp eine bessere Berufsorientierung sowie intensiveres Kennenlernen der Anforderungen des Ausbildungsberufes. Als Lösungsansätze in der Ausbildung sollten Konfliktsituationen besonders durch den Ausbilder früher angesprochen werden, um Konflikteskalationen zu vermeiden. Man sollte zufriedenstellende Konfliktlösungen für beide Parteien finden, die Konfliktfähigkeit bei Auszubildenden stärken und die Kommunikationsfähigkeit der Auszubildenden fördern. Die häufigsten Klagen von Unternehmen zur Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen sind das Nachlassen in den Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen, geringere Leistungsbereitschaft und schlechtere Konzentrationsfähigkeit, das Nachlassen der Eigenschaften: Disziplin, Sorgfalt, Genauigkeit, Ausdauer und Belastbarkeit.

 „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Diese Sätze stammen nicht etwa aus der heutigen Zeit, wie man vielleicht vermutet, sondern wurden bereits vor 2.400 Jahren vom griechischen Philosophen Sokrates gesprochen. Die Informationsveranstaltung zielte auch darauf ab, weitere ehrenamtliche Paten zu finden. Die Unterstützung durch Senior Experten ist für den Auszubildenden, die Berufsschule und den Ausbildungsbetrieb kostenfrei. Eine Ausbildungsbegleitung ist zunächst auf ein Jahr begrenzt, kann aber bis zum Ende der Ausbildung verlängert werden. 

Dieter Metzler

 

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