Küchenmonteur inszenierte Einbruch 

Prozess um Küchendiebstahl offenbart Ungeahntes

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Verstößt der Angeklagte innerhalb der vier Jahre Bewährung gegen seine Auflagen, muss er für ein Jahr und vier Monate hinter Gitter.

In einem kuriosen Fall der Urkundenfälschung, wurde von einem Mitarbeiter eines Küchenstudios eine Ausstellküche unrechtmäßig zu Selbstbereicherung gestohlen und weiterverkauft. Der Mitarbeiter musste sich nun vor dem Fürstenfeldbrucker Gericht verantworten.

Olching – Der 49-jährige Angeklagte ist sichtlich emotional mitgenommen und angespannt, aber dennoch scheint es, als wäre ihm die Situation nicht fremd. Der ausgebildete Schreiner und Küchenmonteur hatte einem Bekannten aus dem Fitnessstudio eine Küche verkauft und diese als seinen Besitz ausgegeben. Die Küche gehörte jedoch der Firma, für die er seit 2013 gearbeitet hatte.

Unter Vorwand nach Ladenschluss getroffen

„Der Käufer hat mich auf die Idee gebracht. Er fragte mich, ob ich ihm die Küche nicht mit meinem Mitarbeiterrabatt günstig besorgen könnte“, behauptet der Angeklagte. Daraufhin hatte er ihm eine Ausstellküche, die eigentlich um die 30.000 Euro wert ist, für den „Mitarbeiterpreis“ von 13.200 angeboten. Sein Bekannter stimmte diesem attraktiven Angebot schnell zu und zahlte bereits im Voraus 10.000 Euro. Die restlichen 3.200 Euro, gab ihm der Käufer nach Erhalt der Küche. Als es soweit war, die Küche vom Arbeitsplatz des Täter abzuholen, schlug dieser vor, sich erst um 20.30 Uhr dort zu treffen, um den regulären Betrieb nicht zu stören. Als der Käufer, sowie weitere Mitarbeiter des Küchenstudios, die Hilfe angeboten haben, eintrafen, war bereits ein Großteil der Einbauküche abmontiert.

Ein Paar Handschuhe wurden ihm zum Verhängnis

Insgesamt vier Mal mussten sie mit einem Wagen der Firma zur Wohnung des Käufers und zurück fahren, um die Küche zu transportieren. Ein Zeuge der Polizeiinspektion Olching beschreibt die weitere Tat wie folgt: „Als sie damit fertig waren, kehrte der Täter noch einmal zu seinem Arbeitsplatz zurück. Er brach ein Fenster auf und ließ die große Haupteingangstür offen stehen, um den Anschein eines Einbruchs zu erwecken. Da die Küche aber professionell abmontiert wurde und sonst keine klassischen Einbruchschäden am Tatort entstanden, gab es erste Zweifel an diesem Szenario“. Durch ein Paar Handschuhe, das er zuvor bei der Abmontage benutzt, und in der Eile vergessen hatte mitzunehmen konnte seine DNA gesichert und er später als Täter identifiziert werden. Als der Besitzer des Küchenstudios auf den Diebstahl aufmerksam wurde, meldete er diesen auf seiner Facebook Seite. Einer der Mithelfer sah diesen und zeigte sich verwundert. Er beteuerte, dass die Küche ordnungsgemäß abgebaut und verkauft worden sei.

"Die Kosten sind nahezu explodiert"

 Schließlich stellte sich heraus, dass Kaufvertrag und Rechnung gefälscht waren und das Geld in die Taschen des Täters floss. Dieser gestand vor Gericht, dass alles genau so abgelaufen sei. „Ich habe diese Tat begangen, weil es mir und meiner Familie finanziell schlecht ging. Ich bin der Alleinverdiener einer vierköpfigen Familie. Ich verdiente etwa 1.867 Euro Netto, bei einer Miete von 870 Euro. Meine Frau hat eine schwere Migräne, die es ihr unmöglich macht, zu arbeiten. Mein Sohn hat das Asperger Syndrom und meine Tochter eine Eiweißunverträglichkeit. Die Kosten für Medikamente und Arzttermine sind nahezu explodiert. Ich wollte damit einfach mein Leben für eine Weile weniger stressig machen und die laufenden Kosten decken“, erklärt der Angeklagte.

"Ich wollte umgehend meine Schuld begleichen"

„Als das ganze aufgeflogen ist, habe ich unverzüglich mein Bestes versucht, um meine Schuld zu begleichen. Ich habe mir die 13.000 Euro von meinem Schwiegervater geliehen, um den Schaden beim Käufer zu begleichen. Zusätzlich habe ich mein Auto an den eigentlichen Besitzer der Küche, meinen damaligen Arbeitgeber, übergeben, um seine Schädigung zu lindern“, fügt er hinzu. Dieses beispielhafte Verhalten führte dazu, dass sie das Arbeitsverhältnis im Guten beendeten und ihm sein ehemaliger Arbeitgeber sogar ein äußerst positives Arbeitszeugnis ausstellte. „Mir war wichtig, dass er meine Beweggründe versteht und dass wir uns noch in die Augen sehen können“, gibt der Angeklagte zu. Er hat bereits einen neuen Job in der gleichen Branche, bei dem er sogar geringfügig mehr verdient. Von der Tat wissen seine Arbeitgeber allerdings nichts. Sie kannten ihn aus seinen selbstständigen Zeiten und suchten dringend einen fähigen Küchenmonteur.

Elf Einträge im Strafregister

Der Fall schien damit abgeschlossen, doch der Angeklagte fügt hinzu, dass er seit dem 25. August in Verhaltenstherapie sei. Bei einer Einzeltat scheint dies recht ungewöhnlich. Doch im weiteren Verfahren kommt schließlich heraus, dass der Angeklagte in den letzten 20 Jahren elf Einträge wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Betrug, Unterschlagung und weiterem in seinem Strafregister angesammelt hat. Als er die jüngste Straftat beging, war er zudem noch auf Bewährung und hat somit gegen seine Auflagen verstoßen. „Es gibt ein klares Muster bei mir. Immer wieder handele ich so, obwohl ich weiß, dass es falsch ist. Ich hoffe, dass ich dieses Verhalten mit der Therapie berichtigen kann und dass ich nie wieder einen Gerichtssaal von innen sehen muss“, meint der Angeklagte.

"Meine Kindheit war gezeichnet von Gewalt und Missbrauch"

Die Therapie sei auch notwendig, um seine schwere Kindheit zu verarbeiten, fügt der 49-Jährige unter Tränen hinzu. „Meine Kindheit war gezeichnet von Gewalt und Missbrauch. Ich glaube, dass mir durch die misslungene Erziehung meiner Eltern heute einige Werte fehlen, die man sonst in der Kindheit beigebracht bekommt. Als meine Mutter schließlich starb und mein Vater ein Jahr später, waren ich und meine Schwester auf uns allein gestellt.“ Trotz seiner komplizierten Jugend konnte er sein Abitur und im Anschluss eine Schreinerlehre abschließen. Danach arbeitete er bei verschiedene Firmen, war kurzzeitig selbstständig und landete schließlich bei dem Olchinger Küchenstudio, wo er die Tat beging.

Ein Jahr und vier Monate Haft

Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr und sechs Monate zur Bewährung von vier Jahren, sowie 120 Sozialstunden. Da der Angeklagte aber durch sein positives Verhalten direkt nach der Tat einiges wieder gut machen konnte, verurteilte ihn der Richter lediglich zu einem Jahr und vier Monaten bei gleicher Bewährungszeit. Er reduzierte die Anzahl der Sozialstunden auf 100, diese müssen innerhalb eines Jahres abgeleistet werden. Eine finanzielle Strafe, wurde in diesem Fall als nicht sinnvoll angesehen, da der Täter die entstandenen finanziellen Schäden schon größtenteils selbständig beglichen hatte. „Ich hoffe wirklich, dass Ihnen die Therapie hilft und dass Sie in Zukunft nicht mehr in Versuchung kommen, illegal zu Handeln. Denken Sie an Ihre Familie“, fügt der Richter abschließend hinzu. Der Käufer hat sich im Übrigen mit dem Besitzer des Küchenstudios geeinigt und die Küche für etwas weniger als die ursprünglichen 30.000 Euro kaufen können.

Jan Wullimann

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