Der Autor und Öko-Aktivist Jörg Bergstedt klärte über Seilschaften der Agro-Gentechnik auf – Vortrag in Fürstenfeldbruck

„Agro-Gentechnik in Deutschland“ mit Referent Jörg Bergstedt. Foto: Günter Schäftlein

Im vollbesetzten Gemeindesaal der ev. Erlöserkirche trat auf Einladung der ZivilCourage FFB mit dem hessischen Autor und Aktivisten Jörg Bergstedt ein entschlossener, leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Aus-saat gentechnisch veränderter Pflanzen auf. Er lebt trotz einer bereits erfolgten 6monatigen Freiheitsstrafe einen überzeugten Widerstand.

Die von ihm und mit einem Team gleichgesinnter, junger Menschen inszenierten Besetzungen von Versuchsfeldern erfolgten durchaus auch rabiat, d.h. bereits bestehende GVO-Anpflanzungen wurden (und werden) beseitigt. Aber sie erreichten trotz der juristischen Folgen ihren Zweck: Beauftragte oder auch zwangsgebundene Universitäten und Institute gaben ihre Versuche auf. So gilt das Land Hessen heute als gentechnikfrei. Es gehe schlicht und einfach um eine von Konzernen, Genehmigungsbehörden, Forschung und Lobbyverbänden in Deutschland und weltweit erreichte Verflechtung gegen eine deutliche Mehrheit in der Bevölkerung - „Nur 6 Prozent davon sind für Gentechnik auf Acker und Teller. 80 Prozent sind dagegen.“ - um eine im Ergebnis völlig unkontrollierbare landwirtschaftliche Veränderung durchzusetzen. Von Jörg Bergstedt erschien hierzu 2009 die Schrift „Organisierte Unverantwortlichkeit“, 2010 sein Buch „Monsanto auf Deutsch. Seilschaften der Agro-Gentechnik von Aachen bis Rostock.“ Welche Bemühungen die geballte Agro-Gentechnikseite unternähme, lasse sich an dem Landaufkauf weltweit ablesen, inzwischen von der Größe eines Drittels Europas. Die vereinbarten Abstandsregelungen zu einer „Koexistenz“ von biologischem, konventionellem und gentechnisch verändertem Anbau seien absurd: Maispollen würden durch Windeinfluß kilometerweit fliegen und für Insekten/Vögel als Bestäuber in der Natur bestünden überhaupt keine Grenzen. Jedoch - so der Referent - könnte diese absurde Logik „einer Reinhaltung in einer unkontrollierbaren Auskreuzung“ durchaus als „Super-Gau“ im Interesse der gentechnisch verändernden Patente liegen und damit wirtschaftlich hochattraktiv sein … Selbst das im Auftrag der BRD tätige Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen bewertet eine gentechnikfreie Produktion mit Nulltolerenz als nicht praktikabel - und fordert weitaus höhere Grenzwerte. Dieses maßgebliche, weitgefächerte Julius Kühn-Institut (1200 Mitarbeiter, davon 250 Wissenschaftler) mit seinen Hauptsitzen in Quedlinburg und Braunschweig, erarbeitet u.a. "Stellungnahmen zu Anträgen auf die Freisetzung und das Inverkehrbringen von GVO.“ Die von Monsanto, Bayer, BASF & Co. verbreitete Auffassung, mit gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO) ein wirksames Mittel „gegen den Hunger“ zu haben, seit glatt gelogen: „Die haben nur den schnöden Mammon im Sinn.“ Es deckt sich mit der Meinung von Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, die Versprechungen höherer Erträge und ein reduzierter Einsatz von Pestiziden bei GVO hätten sich nicht erfüllt. „Nichts davon ist wahr!“ Käme es - so Jörg Bergstedt - dagegen zu Protesten aus der Bevölkerung, würden Polizei und Justiz immer erst die Pflanzen vor den Menschen schützen, aber nie die Menschen vor den Pflanzen. Klar erkennbar - und auch nachweislich - dass die RWTH in Aachen in der Produktentwicklung für Monsanto tätig sei und für das europaweit (noch) verbotene MON810 einen neuen, ähnlichen MON-Mais vorbereite. Auf der Forschungs- und Versuchsseite erkennt Bergstedt eine enge Zusammenarbeit genehmigender Behörden, staatlicher und privater Forschung, von Versuchseinrichtungen wie das IPK in Gatersleben, die Biotechfarm in Üplingen/Börde und das mecklenburgische Biotechnikum in Groß Lüsewitz, dessen Geschäftsführerin und diplomierte Mathematikerin gleich mehreren Institutionen der BioTech-Branche, Kommissionen, Forschungsprojekten und Lobbyorganisationen vorsteht bzw. angehört. In vergleichbarer Vielfalt fungiert nach Recherchen von GeN (Gen-ethisches Netzwerk e.V.) im Julius Kühn-Institut der Leiter der Abteilung Gentechnik und Biologische Sicherheit, der in GVO-Fragen das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) berät. Eine weitere politisch enge Verzahnung mit der Agro-Gentechnik ergibt sich durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin, das zuständig ist für Feldversuchs-Freisetzungen und deren Genehmigungsquote 100% beträgt. Für bedenklich hält Jörg Bergstedt, dass solche einseitigen Interessenvertretungen einem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstehen, das wiederum von Renate Künast, Horst Seehofer und Ilse Aigner geleitet wurde und wird. Entsprechend bemerkenswert findet er auch die einseitige Vergabe von Fördermitteln für die Agrarforschung, die fast ausschließlich in die Agro-Gentechnik fließen. Zum größten Lobby-Organ der Agro-Gentechnik in Deutschland, der InnoPlanta e.V. aus dem Stammland Sachsen-Anhalt und seinem alljährlichen Forum vertritt der Referent eine eindeutige Meinung, die "gerichtsbestätigt" sei.

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