Bader, Mediziner, Doktoren – Historischer Verein FFB (HVF) untersuchte Brucker Gesundheitswesen seit dem Mittelalter

HVF-Vorsitzender Otto Meißner stellt fünf der 21 Autoren/innen im Stadtmuseum vor: (v.li.) Jürgen Horbach, Hannelore-R. Kraus, Hubert Echensperger, Dr. Konrad Wankerl und Volker Goldbeck. Foto: Günter Schäftlein

Mit dem Brucker Blätter Sonderheft 2011 „Die Geschichte des Gesundheitswesens in Fürstenfeldbruck“ legt der HVF eine spannende Lektüre vor. Bereits in den Begleitanmerkungen zur Herausgabe gibt es Anerkennung. Landrat Thomas Karmasin sieht für den 1823 gegründeten Landkreis FFB wichtige Aufgaben im Bereich Gesundheit, die in ihrem „Ursprung bis zum ersten königlichen Bezirksarzt 1863 zurückreichen“. OB Sepp Kellerer erwägt das ehemalige Brucker Siechenhaus, „das bereits zu Beginn des 15. Jh. existierte“ als Beleg für gemeindliche Fürsorge. Außerdem gab es seit 1638 im Kloster Fürstenfeld eine eigene Apotheke.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse FFB, Klaus Knörr, konstatiert zur vorgelegten Veröffentlichung ganz allgemein: „Heimatgeschichte schafft Identität.“ Schließlich dankt Otto Meißner, HVF-Vorsitzender, nicht nur den beteiligten 21 Autorinnen und Autoren, sondern auch den Beratern, Leihgebern, Zeitzeugen, Sponsoren - und Rolf Marquardt für die Herstellung (Redaktion, Layout, Druckvorlage). Seit dem Frühjahr 2009 hatte die Projektgruppe aus Laien und Fachleuten im Arbeitskreis „Mittelalter“ unter Leitung der Herausgeberin, der Kunsthistorikerin Hannelore-R. Kraus, Themen entwickelt, recherchiert und gesammelt. Fertigstellung und Druck erfolgten im Mai 2011. Eine geplante Ausstellung zur Dokumentation wird für den 5. Juli bis 9. August 2012 in der Brucker Sparkasse anvisiert. Das erzielte Bild zum Gesundheitswesen in Markt, Stadt und Landkreis gleicht einem bunten Kaleidoskop durch die Jahrhunderte und viele Lebensbereiche: Von der Medizin und Pharmazie im Kloster Fürstenfeld über Hebammen-Kindbettfieber-Säuglingssterblichkeit bis zu den Anfängen der Flugmedizin. Von Pocken und dem Auftreten anderer Seuchen und deren Bekämpfung über das Brucker Siechenhaus bis zum ersten Brucker Armen- und Krankenhaus ab 1810 und deren Nachfolgebauten zum Josefspital und (ab 1957) Landkreis-Klinikum. Von der Geschichte der Krankenpflege über die Brucker Apotheken bis 1970, die helfenden/pflegenden Niederbronner Schwestern ab 1859 bis zur ab 1889 eingerichteten, freiwilligen „Sanitätskolonne“ aus engagierten Brucker Bürgern in Vertretung des Roten Kreuzes. Der umfangreichste Sonderheft-Abschnitt gehört dem Kapitel „Ärzte in und um Fürstenfeldbruck“ (von 1770 bis 1970). Schon Kurfürst Max III. Joseeph beklagte 1772, dass Baiern „mit sehr vielen und größtenteils unwürdigen sogenannten Wundärzten und Badermeistern überhäuft sei.“ Aber erst 1785 erging die Verfügung, dass Selbige sich in München vor einem Medizinischen Kollegium einer Prüfung zu unterziehen hätten. Die Marktgemeinde Bruck mit ca. 1000 Einwohner hatte um 1800 einschließlich Umgebung noch keinen eigenen Arzt. Erst 1803 verfügte der bairische Reformer Maximilian Montgelas, dass jeder Bezirk einen Gerichtsarzt erhielt … zur Aufsicht über das gesamte medizinische Personal, für Seuchenbekämpfung, Totenbeschau, statistische Aufzeichnungen und kostenlose Behandlung der Armen. Dies alles zu einem guten und sicheren Gehalt von 600 Gulden jährlich. Für Bruck kam dies um 20 Jahre zu früh; man gehörte noch zum Bezirksgericht Dachau. Doch es kam noch ärger: 1853 beklagte der Brucker Apotheker Hayd bei der Gemeinde das Fehlen eines praktischen Arztes und Geburtshelfers, weil der einzige Arzt - der Bezirksarzt - die „hebärztliche“ Praxis nicht ausüben wolle und die Schwangeren „mit Schaudern und Bangen ihrer Entbindung entgegensähen.“ Belobigende Meldungen aus dem Landkreis gab es später über den Mittelstettener Arzt Dr. Ludwig Hudler, der sechs Gemeinden im Nordwesten betreute (und nach 50 Berufsjahren zum Sanitätsrat ernannt wurde) sowie für Dr. Anton Banzer in Moorenweis, der für zwölf umliegende Ortschaften zuständig war, Dr. Oskar von Sonnenburg in Egenhofen, der vier zusätzliche Orte betreute, und Dr. Johann Röhlinger in Mammendorf mit weiteren sieben Gemeinden in der Umgebung verbandelt. Die gelungene Publikation schließt mit „Werbung und Kurioses in der Brucker Presse“ (Brucker Wochenblatt) zwischen 1867 und 1938. Ein wohltuender, zumeist schmunzelnder Abschluß. „Die Geschichte des Gesundheitswesens in FFB“ ist für eine Schutzgebühr im Stadtmuseum FFB und im Klosterladen-Fürstenfeld erhältlich.

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