Brucker Land mit neuem Konzept

Größter Mehlabnehmer Max Wimmer steigt bei Brucker Land aus

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Drei neue Unser Land Brote wird es bald in Lebensmitteleinzelhandels-Märkte geben. Doch das Verfahren der Märkte gefällt nicht jedem Bäcker.

Die Erfolgsgeschichte des Netzwerkes Brucker Land begann 1994, als sich Landwirte, Müller und Bäcker aus der Region als erste entschlossen, den engen Kreislauf vom Korn zum Brot gemeinsam in die Hand zu nehmen.

Fürstenfeldbruck - Auch zehn der 15 Bäcker der Brucker Innung schlossen sich dieser Solidargemeinschaft an und verwenden in ihren Backstuben Unser Land Mehl. Die dabei von den Bäckern abzunehmende Menge wird jährlich vertraglich mit den Landwirten vereinbart.

Auch die Backstube von Max Wimmer aus Fürstenfeldbruck verwendet Mehl von der Solidargemeinschaft. Allerdings nur noch bis Mitte des Jahres, denn die Bäckerei steigt aus der Solidargemeinschaft aus. Im vergangenen Jahr hat Max Wimmer den Vertrag über die Abnahme von 180 Tonnen Mehl pro Jahr zum Juli 2018 gekündigt. 

Wo bleibt der Gedanke der Regionalität?

Seine Kündigung begründet Wimmer damit, dass seit längerer Zeit Unzufriedenheit herrscht, weil Unser Land zu wenig für die Werbung, wozu ein fixer Betrag festgelegt ist, tue. „Zwei Jahre geht das schon“, kritisiert Wimmer. Bei der Besprechung vor einem Jahr habe er dann erfahren, dass sich Unser Land neu ausrichtet und Brucker-Land-Produkte sogar bei Amazon vertreiben will. „Wo bleibt da der Gedanke der Regionalität und kurzen Wege?“, fragt er sich. Wimmer entschied auszusteigen. „Macht, was Ihr wollt, ich mache da nicht mit.“ „Durch den Wegfall können wir unser Brot- und Getreideprogramm von Unser Land nicht mehr aufrechterhalten“, verkündete Isabella Maria Weiss von der Regionalvermarktung Unser Land bei der Innungsversammlung der Bäcker. 

Unser Land startet Initiative

Wimmer hat mehr als 50 Prozent des gesamten Mehls abgenommen. Die anderen Prozente verteilen sich auf 34 Bäcker von Unser Land. Die Verringerung der Mehlmenge würde zur Folge haben, dass Landwirte wegfallen und eine Mühle ausreichen würde. Nachdem die Betriebsleitung von Unser Land bei den Bäckern zur Übernahme der großen Menge Mehl keinen Erfolg hatte, startete Unser Land eine Initiative, wobei die Lebensmitteleinzelhandels-Märkte (LEH-Märkte) mit ins Boot geholt wurden. Das Backen übernimmt eine Garchinger Bäckerei, die das freie Wimmer-Kontingent übernimmt, unterrichtet Weis die Innungsbäcker. „Ab 22. Januar backen sie mit Unser-LandMehl für REWE, und ab 16. April kommen drei Bio-Brote aus Unser-Land-Mehl für EDEKA dazu“, teilt sie mit. 

Von hier nach München und zurück

Warum die Bäcker aus dem Landkreis daran kein Interesse hatten, erklärt der Obermeister der Brucker Innung, Werner Nau aus Grunertshofen. „Ursprünglich sollten wir, die regionalen Bäcker, das Brot an die LEH-Märkte direkt ausliefern. Doch die Märkte bestehen auf eine Lieferung von zentraler Stelle. So hätten wir das Brot aus unseren Backstuben nach München in ein Zentrallager bringen sollen, dort wäre es verpackt und mit einem MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) versehen worden. Anschließend wäre es von dort an die REWE-Märkte ausgeliefert worden, und letztlich wieder bei uns im Landkreis in den LEH-Märkten gelandet. Ein totaler Unsinn, ganz zu schweigen vom Grundsatz der kurzen Wege und des Umweltschutzes.“ Dazu hätten die Bäcker auch noch das Brot bis 22 Uhr backen und abliefern müssen. In den LEH-Märkten würde es für mehrere Tage mit MHD zum Verkauf angeboten. „Wo bleibt da die Frische?“ fragt sich Nau. Der Obermeister der Bäckerinnung glaubt nicht, dass der Ausstieg von Wimmer wirtschaftliche Folgen für die Brucker Bäcker hat. Er und sein Obermeister-Vertreter Ulli Drexler aus Jesenwang schlugen vor, dass die Bäcker im Landkreis zwei, drei Brotsorten mehr mit Unser Land-Mehl backen sollten. „Vielleicht können wir auch die kleineren Bäcker überzeugen, ihr Sortiment auf Brucker Land umzustellen. So könnte man einen Großteil der 180 Tonnen auffangen.“ Auf jeden Fall müsste man den Verbraucher aufklä- ren und mit ins Boot nehmen, meinte Nau. „Unser Brot wird in der Früh gebacken und kommt noch warm in die Läden“, erklärt Nau. Vor allem habe es kein MHD, sondern, das nicht verkaufte Brot wird am Abend aus dem Regal genommen und gegebenenfalls am nächsten Tag zum halben Preis verkauft. „Ich glaube nicht, dass sich Unser Land mit dieser Strategie einen Gefallen tut. Ich bin mir sogar sicher, der Kunde wird zu uns, den kleinen Bäcker, zurückkehren, um Frische und Qualität zu erhalten.“

Dieter Metzler

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